Film

14. März 2013

„Jack and the Giants“: Kino: Auch Riesen essen Bohnen

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Will man den Riesen wirklich so genau sehen?  Foto: Warner

Augenschmaus: Bryan Singers Märchenadaption „Jack and the Giants“ ist unterhaltsamer als sein Konkurrent "Die phantastische Welt von Oz". Die Trickkiste überwuchert alles wie die Zauberbohne.

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Von kaum einem Märchen gibt es so viele Trickfilmversionen wie von „Hans und die Bohnenranke“. Erst vor kurzem wurden Walt Disneys verschollen geglaubte Stummfilmversionen „Jack and the Beanstalk“ und „Jack the Giant Killer“ von 1922 entdeckt. Sie wären das perfekte Vorprogramm für „Jack and the Giants“, wie Bryan Singers Spektakel „Jack the Giant Slayer“ „auf Deutsch“ heißt. Die ganze Trickfilmgeschichte könnte man an der Gegenüberstellung ablesen: Wie sich Disneys Fantasie in den einfachen Zeichnungen wie eine Zauberbohne Bahn bricht. Und wie bei Singer die digitale Trickkiste gleich der wachsenden Bohnenranke alles überwuchert – bis weit ins bebrillte 3D-Publikum hinein.

Anders als im englischen Märchen ist Jack (Nicholas Hout) hier kein Gelegenheitsdieb, der gleich dreimal die Schatzkammer eines arglosen Riesen plündert und sich dabei auch noch von dessen Ehefrau helfen lässt. Er ist ein gut erzogener Bauernbursche mit einem Faible für Abenteuerliteratur – fast eine männliche Version von Disneys Belle in „Die Schöne und das Biest“.

Gleich zu Beginn verteidigt er eine holde Prinzessin (Neuentdeckung Eleanor Tomlinson ist ein Typ wie die junge Cate Blanchett) vor ein paar Rüpeln, was diese ihm noch am selben Abend mit einem Überraschungsbesuch dankt. Leider ist kurz zuvor eine Wunderbohne, die er sich im Tausch gegen sein Pferd hatte andrehen lassen, in eine Fußbodenritze gerutscht. Nun katapultieren deren Triebe die Prinzessin über alle Wolken. Der zurückgebliebene Jack wird am nächsten Morgen zum Rettungskommando beordert, das vom zwielichtigen Verlobten der Verschwundenen angeführt wird. Doch der interessiert sich mehr für die zurecht in diesen Höhen vermuteten Riesen. Mit ihrer Hilfe würde er gern das Königreich beherrschen.

Unterhaltsamer als "Oz"

Es ist ein schöner Zufall, dass „Jack and the Giants“ zeitgleich mit „Die phantastische Welt von Oz“ ins Kino kommt. So hat man die Auswahl zwischen zwei surrealen Reiseerzählungen. Sam Raimis „Die phantastische Welt von Oz“ mag die geistreichere Variante sein, aber dies hier ist der unterhaltsamere Film.

Und Augenschmaus ist er dabei nicht weniger: Die Landschaften im Riesenreich erinnern an Gemälde von Dalí, während man beim ersten Auftritt eines der Giganten an Goyas Gemälde „Saturn verschlingt eines seiner Kinder“ denken muss. Und obwohl Bryan Singers Leinwand schon zu Anfang voller Details ist, gelingt ihm eine kontinuierliche Steigerung bis zum erwartbaren Angriff der Riesen auf das beschauliche Königreich, der abgewehrt werden muss.

Zur Dramaturgie gehört auch, dass die 3D-Effekte hier erst allmählich den Zuschauerraum erobern – am eindrucksvollsten, wenn man das Gefühl hat, um ein Haar vom Riesen verspeist zu werden, dessen Gesicht sich schließlich in Nahaufnahme aus der Leinwand wölbt. Das klingt albtraumhafter, als es ist; stets überwiegt der Cartoon-Charakter vor dem Naturalismus. Was „Jack and the Giants“ durchaus zu einem würdigen Nachfolger der vielen klassischen Trickfilm-Adaptionen dieses Märchens macht.

Jack and the Giants (Jack the Giant Slayer) USA 2013. Regie: Bryan Singer, Drehbuch: Christopher McQuarrie, Darren Lemke, Dan Studney, Kamera: Newton Thomas Sigel, Darsteller: Nicholas Hoult, Eleaonor Tomlinson, Ewan McGregor, Stanley Tucci u. a.; 114 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

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