Abo | ePaper | App | Newsletter | Facebook | Anzeigen | Trauer

Film

13. Dezember 2012

„Lola gegen den Rest der Welt“: Weg mit den Erwartungen!

 Von Daniel Kothenschulte
Paar-Gespräche in New York: Greta Gerwig als Lola und Hamish Linklater als ihr Ersatz-Freund.  Foto:  20th Cent. 2Fox

Daryl Weins Selbstfindungsgeschichte „Lola gegen den Rest der Welt“ ist weder besonders erheiternd noch rebellisch und zeichnet sich durch die völlige Abwesenheit von Romantik aus. Genau darin liegt seine besondere Qualität.

Drucken per Mail

Daryl Weins Selbstfindungsgeschichte „Lola gegen den Rest der Welt“ ist weder besonders erheiternd noch rebellisch und zeichnet sich durch die völlige Abwesenheit von Romantik aus. Genau darin liegt seine besondere Qualität.

Geheiratet wird immer, das weiß man auch in Hollywood. Und so kommen jedes Jahr gleich ein paar Filme ins Kino, in denen sich Ehen anbahnen, platzen und meist dann doch noch über einige Umwege geschlossen werden. Diese Filme sind meist nicht teuer, aber auch nicht wirklich billig; sie haben attraktive Hauptdarsteller, reichlich Kuschelrock und ein oder zwei nicht wirklich überraschende Wendungen. Sie sind, um es mit dem Titel einer klassischen Familienkomödie zu sagen, „Im Dutzend billiger“.

„Lola gegen den Rest der Welt“ scheint auf dem selben Strom in die Multiplexe zu schwimmen, aber das ist wohl nur die Verpackung. Es beginnt damit, dass eine sympathische Frau in ihren späten Zwanzigern kurz vor dem großen Tag den Laufpass bekommt: Ein typischer Beginn für eine romantische Komödie, an deren Ende doch noch zwei Menschen Händchen halten. Doch es kommt dann doch ein wenig anders. Greta Gerwig als Lola ist mit ihrer offenen, aber etwas biederen Natürlichkeit das Gegenteil einer Draufgängerin. Doch wer sie in Ben Stillers „Greenberg“ oder in Woody Allens „To Rome with Love“ gesehen hat, spürte auch eine innere Unruhe hinter der Anmut. Nun, in ihrer ersten echten Hauptrolle, bricht sich diese endlich Bahn.

Der Regisseur und Autor Daryl Wein lässt Lola in dieser Selbstfindungsgeschichte Szene um Szene durchexerzieren, was man in moralischeren Zeiten einen Unschuldsverlust genannt hätte. Ermuntert vom männermordenden Sarkasmus ihrer besten Freundin (Zoe Lister Jones) beginnt Lola ein exzessives Party- und Liebesleben, ohne dabei freilich die Liebe zu entdecken.

Kein erbaulicher Liebesfilm

Sie schläft mit dem besten Freund des Verflossenen, dem Sänger einer Garagenband und durchaus interessanteren der beiden Männer (Hamish Linklater). Sie schläft aber auch wieder mit dem Ex (Joel Kinnaman), was sie sexuell beglückt, aber auch schrecklich traurig macht. Und sie teilt das Bett mit einem jungen Architekten (Ebon Moss-Bachrach), der viel Geschmack besitzt, aber sein Luxusleben leider mit dem Entwerfen von Gefängnissen bestreitet. Als sie gegenüber ihrem Beinahe-Freund, dem Rocksänger, das Abenteuer zugeben muss, will sie ihn damit trösten, dass der Sex mit dem Architekten nicht gut gewesen sei – was allerdings ausgerechnet an der Übergröße seines Penis gelegen habe. „Das ist ja so tröstlich“, jammert der Gehörnte. „Du solltest Grußkarten mit diesem Satz verkaufen.“

Bitter aber ist auch diese Szene vor allem für Lola selbst, die sich im Leben mehr und mehr verliert. Bis sie den Mut findet, das Suchen aufzugeben und eine Dissertation über das Schweigen zu beginnen.

Anders als es der deutsche Titel assoziiert, ist dieser Film weder besonders erheiternd noch rebellisch. Und von einer romantischen Komödie unterscheidet ihn schon die vollkommene Abwesenheit aller Romantik. Aber genau darin liegt die besondere Qualität. Wer einen erbaulichen Liebesfilm erwartet, ist hier ebenso fehl am Platz wie Anhänger erfrischender Feel-Good-Movies.

Unabhängigkeit von den Erwartungen anderer

Dennoch wird kaum jemand behaupten können, er habe sich nicht im einen oder anderen Augenblick wiedererkannt. Allerdings gehören die geschilderten Erfahrungen nicht unbedingt zu jenen, über die man gern spricht.

Die Machart mag einem etwas zu geradlinig erscheinen; offenbar wurde hier ein Independent-Stil etwas auf Mainstream getrimmt. Dafür fehlen auch gängige Klischees: So wird keiner der Männer lächerlich gemacht, um die weibliche Hauptfigur aufzuwerten. Niemand ist, wie sich Lola eingesteht, schuld an ihrer Misere. „Lola Versus“, heißt der Film im Original, „Lola gegen…“ wie eine nicht zu Ende ausgefüllte Scheidungsklage. Gemeint ist damit nichts anderes als der einzige Lebensweg, der langfristig glücklich macht: der in die Unabhängigkeit von den Erwartungen anderer.

Und das ist schon ein weit besserer Ratschlag, als ihn Hollywoods romantische Liebesfilme für gewöhnlich ihrem jugendlichen Publikum zu geben haben.

Lola gegen den Rest der Welt USA 2012. Regie: Daryl Wein, Darsteller: Greta Gerwig, Joel Kinnaman, Bill Pullman u. a.; 87 Min., Farbe. FSK ab 12.

Jetzt kommentieren

Oscar 2014
Kino: Neustarts
Service
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
TV-Kritik
Filmtipps
Medien