Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Film

13. Februar 2014

"Madame empfiehlt sich": Vielleicht wollte Madame nur Zigaretten holen

 Von Cornelia Geissler
Catherine Deneuve mit Film-Enkel.  Foto: dpa

Catherine Deneuve als souveräne Restaurantbesitzerin, die ihrem langweiligen Leben entflieht. Madame empfiehlt sich heißt der neue Film von der französischen Regisseurin Emmanuelle Bercot.

Drucken per Mail

Catherine Deneuve als souveräne Restaurantbesitzerin, die ihrem langweiligen Leben entflieht. Madame empfiehlt sich heißt der neue Film von der französischen Regisseurin Emmanuelle Bercot.

Wieder fällt eine Männerbastion: Waren es bisher nur die Kerle, die ein langweiliges Dasein unter dem Vorwand verließen, nur mal kurz Zigaretten zu holen, füllt nun eine Frau diese Rolle aus. Und was für eine Frau! Catherine Deneuve, der Weltstar aus Frankreich, schließt in einem bretonischen Nest bei laufendem Betrieb die Tür zu ihrem Restaurant von außen, setzt sich in ihr angejahrtes Auto und fährt los.

„Madame empfiehlt sich“ heißt der Film von Emmanuelle Bercot treffend, Madame ist es nämlich von einem Moment zum nächsten ziemlich egal, was aus ihrem – defizitären – Lokal wird, aus den Mitarbeitern, der alten, besserwisserischen Mutter.

Madame heißt Bettie, ist Anfang 60, und hat offenbar bis dahin funktioniert. Das Restaurant-Gewusel hätte sie vielleicht auch weiterhin ertragen. Doch am Abend zuvor hatte ihr die Mutter mit unschuldslämmchenhafter Beiläufigkeit eröffnet, dass Betties Liebhaber zwar endlich seine Frau verlassen habe, doch nur – Kunstpause – um sich einer Jüngeren zuzuwenden.

Vielleicht wollte die höchst souveräne Dame nur mal kurz an die Luft. Vielleicht wollte sie dann wirklich nur Zigaretten holen, um den Ärger wegzupusten. Doch heutzutage gibt es Zigaretten nicht mehr überall, zumal nicht in dieser dünn besiedelten Gegend. Außerdem ist Wochenende. Die Kamera folgt der Restaurantchefin bei ihrer Suche. Und der Film ordnet sich ganz der Diva Deneuve unter.

Lehrstunden in Geduld

Ein klappriger Alter kann Bettie dann auch nicht den Weg zu einem Laden weisen, bietet ihr aber an, ihr eine Zigarette zu drehen und sorgt für den ersten Rhythmuswechsel. Seine Finger wollen nicht mehr so richtig, der Tabak krümelt, seine Spucke klebt nicht. Bettie sitzt neben ihm, schaut, wackelt auf dem Stuhl herum, schließt die Augen, zwingt sich zur Geduld. Die Heldin rutscht aus der Geschäftigkeit in einen neuen Zustand, der Film wird zum Roadmovie.

Bettie trifft bei der Weiterreise lustige Frauen und einen Mann mit Interesse an (sex-)erfahrenen Damen; sie stößt auf einen liebenswürdigen Helfer in der Nacht und begegnet beinahe ihrer Tochter, aber immerhin ihrem Enkel. Der ist nun Anlass dafür, dass Madame definitiv nicht beabsichtigt, ins Restaurant zurückzukehren. Denn ihre nie ganz erwachsen gewordene Tochter (sympathisch zerfahren gespielt von der Musikerin Camille) beauftragt Bettie, das Kind zum Großvater zu bringen, zum Vater ihres Ex, der irgendwo anders lebt.

Die Tochter hat endlich einen Job, bei dem der Junge nur stören würde. Am Telefon mit schlechtem Gewissen überfrachtet, fügt sich Bettie in den Fahrdienst. Es entstehen zauberhafte Szenen zwischen Oma und Enkel, ein Abtasten zunächst, ein Interesse bald, Gefühle sogar.

Man kann in diesem Film Catherine Deneuve dabei zusehen, wie langsam alles Damenhafte von ihr abfällt, hat ihre Bettie doch keine Garderobe zum Wechseln, kein Frisierbesteck. Wegen der finanziellen Misere ihres Restaurants kann sie auch nicht in ein Hotel einkehren. Ihr Ausweg ist eine Veranstaltung, gegen die sie sich gewehrt hatte: die Jubiläumsparty einstiger Schönheitsköniginnen.

Zwischen schlimm operierten, auf jung geschminkten und einigen natürlich gealterten Damen hockt nun auch Bettie als einstige Miss Bretagne. Dem Enkel gefällt’s. Bettie aber greift das Ganze buchstäblich ans Herz, sodass Charlys Großvater nicht nur das Kind abholen, sondern auch sie mit in sein Haus nehmen muss.

Der Zuschauer darf bei dieser Wendung anfangen, sich vor lauwarmen Schlussszenen zu fürchten. Die Regisseurin hat ihre Heldin durch alle möglichen Stadien des Vergnügens, der Tatkraft und Verzweiflung geschickt, um sie am Ende sanft in Liebe zu betten.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Rubrik

Für welche Filme lohnt sich der Weg in Kino? Lesen Sie die Rezensionen der FR-Filmkritiker und sehen Sie die aktuellen Trailer.

Service
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:

Anzeige

Filmtipps
Medien