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Film

30. Mai 2012

„Snow White and the Huntsman“: Charlize Theron als böse Königin

 Von Peter Uehling
Nie war sie so schön wie heute: Charlize Theron. Foto: dapd

Hollywood nimmt sich des Märchens "Schneewittchen" an - in opulenter und zugleich elementarer Form. „Snow White and the Huntsman“ ist ein bemerkenswerter Schinken. Nur der Zauberspiegel irrt, wenn er behauptet Kristin Stewart sei schöner als Charlize Theron.

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Hollywood nimmt sich des Märchens "Schneewittchen" an - in opulenter und zugleich elementarer Form. „Snow White and the Huntsman“ ist ein bemerkenswerter Schinken. Nur der Zauberspiegel irrt, wenn er behauptet Kristin Stewart sei schöner als Charlize Theron.

Die Märchenonkelstimme brummt. Von einer Königin erzählt sie, die mitten im winterlichen Schlossgarten eine rote Rose entdeckte. Da sehen und hören wir auch schon, wie sie sich an den Dornen sticht und drei Tropfen Blut verliert. Leinwandfüllend und in Zeitlupe platschen sie zu Boden, spritzen auf, dringen in den Schnee. In den ersten Minuten von „Snow White and the Huntsman“ ist die Tonlage klar: Die Sache ist opulent und zugleich elementar – und Zeit spielt keine Rolle. Braucht man wirklich mehr als zwei Stunden, um die Geschichte von Schneewittchen zu erzählen?

Nein, man hätte diesen Film, an dessen wortkargem Drehbuch immerhin Hossein Amini („Drive“) mitgeschrieben hat, auch gedrängter fassen können. Es handelt sich um eine Jagd: Nach dem Tod der Königin heiratet der König eine schöne Frau ominöser Herkunft, Ravenna, die ihn im Brautbett ersticht. Ihre Stieftochter, die legitime Prinzessin Snow White, wird im Turm gefangen gesetzt. Just als der die Flucht gelungen ist, erfährt Ravenna aus ihrem Zauberspiegel, dass sie Snow Whites Herz essen muss, um ihre Jugend und Schönheit – und damit ihre Macht – zu erhalten. Nun hetzen Heerscharen von Rittern und Pferden aus brandigen Schlösser an meerbedrängten Steilküsten, in verzauberte Wälder mit Monstern, Elfen und Zwergen. Snow White wird auf ihrer Flucht nur unterstützt vom Huntsman, der sie ursprünglich im Auftrag der Königin suchen sollte, sich dann aber auf ihre Seite schlägt.

Ausschweifend und sorglos

„Snow White and the Huntsman“ hat epischen Rhythmus. Der Film schweift ab in Episoden und berichtet dabei von fremdem Ländern und Menschen. Er ist breit, aber tragfähig erzählt in Bildern von oft archetypischer Ausdruckskraft und dabei frei von der Sorge um Glaubwürdigkeit. Wenn Snow White bei ihrer Flucht aus erheblicher Höhe ins tosende Wasser springt, wider alle Wahrscheinlichkeit lebend wieder herauskommt und dann auf einen weißen Hengst trifft, der nur auf sie gewartet hat, dann könnte das äußerst lächerlich wirken – aber im Zusammenhang dieser elementaren Geschehnisse hat es symbolische Wucht.

Wuchtig symbolisch ist etwa die Besetzung der bösen Königin mit Charlize Theron. Der Werbe-Ikone eines Duftwässerchens nimmt man die härteste Eitelkeit sofort ab. Befeuert von Neid und Rachegelüsten reibt man sich die Hände, wenn dieses schöne glatte Gesicht im digitalen Trick altert und verfällt.

„Snow White and the Huntsman“ ist in seiner Konsequenz ein durchaus bemerkenswerter Schinken. Was können läppische oder zu pathetische Dialoge alles verderben in diesem Fantasy-Genre! Zumindest die Originalversion trifft hier meist den rechten, lapidaren Ton. Wie oft hat man gesehen, dass die Effekte gegen die Geschichte arbeiten und alles zuwuchern! Aber so brillant etwa die Zwergenschar aus normalwüchsigen, trickreich geschrumpften Schauspielern ist, so wenig gibt der Film damit an. Bis auf die allzu Disney-haften Elfen sind die eingefügten Animationen geschmacklich sicher. Und wie oft werfen sich Fantasyfilme auf die Liebesgeschichte, um den Mädchen etwas zu bieten – hier wird kühn auf das Thema Liebe verzichtet und überhaupt auf jede Psychologie, die über einfachste Motivationen hinausgeht.

Aber so schlüssig das Regiekonzept in diesem Spielfilmdebüt von Rupert Sanders ist, so wenig lassen sich Schwächen der Konstruktion übersehen. Der Huntsman (Chris Hemsworth) mag notwendig sein, damit Snow White während ihrer Flucht jemanden hat, der sie zur Not auch raushauen kann. Jenseits dieser Funktion bleibt die aber Figur farblos. Nicht sonderlich interessant sind die Kampfszenen zwischen Jägern und Gejagten, denn im letzten Moment vor dem Zugriff auf Snow White befällt die Jäger stets eine seltsame Starre, dank der Huntsman ihnen bequem eins auf die Nase geben kann. Und dass der Zauberspiegel wirklich Kristin Stewart meint, die als Snow White schöner sein soll als Charlize Theron, spricht nicht für sein Urteilsvermögen!

Snow White and the Huntsman USA 2012. Regie: Rupert Sanders, Buch: Even Dougherty, John Lee Hancock, Hossein Amini, Kamera: Greig Fraser, Darsteller: Charlize Theron, Kristin Stewart, Chris Hemsworth u.a.; 127 Min., Farbe, FSK ab 12. Ab morgen im Kino.

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