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Film

20. Februar 2008

"Sweeney Todd": Köpfe werden rollen

 Von DANIEL KOTHENSCHULTE
Teufel im Leib, Splatter-Schalk im Nacken: Johnny Depp und Helena Bonham Carter.  Foto: Verleih

Tim Burton verfilmt Sondheims schaurige Geschichte um einen blutdürstenden Barbier. Ein Splatter-Musical zwischen Oper, Brecht-Weill-Theater und Kino. Mit Trailer

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Der Film

Sweeney Todd - der teuflische Barbier aus der Fleet Street. USA 2007. Regie: Tim Burton. 116 Minuten.

Der Regen tropft bleischwer aus wattigen Wolken, wie sie immer über dem Vorspann eines Dreamworks-Films einschweben. So dicke Tropfen gibt es nur im Trickfilm, was uns ein wenig milde stimmt, selbst als sie sich in sattes Blut verwandeln: Solange Tim Burton die schaurige Geschichte vom Londoner Barbier, der seine Opfer etwas zu glatt rasierte und dann zu Fleischpasteten verarbeitete, im Disneystil erzählen möchte, soll uns das recht sein.

So schlimm wird es dann wohl nicht werden. Die Kamera folgt dem wandernden Tropfen weiter zum Fleischwolf, dessen Stahlwellen einiges zu zermalmen haben. Dann wandert die Aufnahme zum Ofen und den appetitlichen Küchlein. Ihr warmer Dampf vermischt sich mit dem obligatorischen Londoner Nebel.

Nicht nur Musicals, auch Filme hatten einmal Ouvertüren. Wer das Kino liebt, schwärmt von den Vorspännen, die der legendäre Saul Bass für Hitchcock, Preminger und Wilder drehte. Und wer Musicals liebt, der liebt sie schon vom ersten Takt der Ouvertüre an.

Wenn der Komponist Steven Sondheim seine Themen zum ersten Mal vorsichtig auspackt, zeigt Burton schon mal den Sack, in dem die Katze steckt. Auch wenn es nur der finstere Schauplatz des versunkenen Dickens'schen London ist, ein Fleischwolf und ein dickes Tröpfchen Blut.

Steven Sondheims mit dem Terminus Musical nur unzureichend beschriebenes Musiktheaterwerk "Sweeney Todd" spannt einen denkbar weiten Radius zwischen Oper, Brecht-Weill-Theater und Kino. Dabei fasst der Komponist eine ganze Kulturgeschichte der Faszination mörderischen Wirkens in musikalische Formen: Wenn der Barbier sein tödliches Messer zieht, spielen die Streicher harte, dissonante Akkorde, die unwillkürlich Bernard Herrmans legendäre Filmmusik zu "Psycho" evozieren. Tim Burton hat nun wieder Kino aus dieser cinephilen Musik gemacht.

Zu den schrecklichen Höhepunkten synchronisiert er Bild und Musik so eng, wie man es nur aus Disneys Trickfilmen kennt. Zugleich aber zeigt er alles, was eine aufwändige Broadway-Produktion nur suggerieren kann in einer Deutlichkeit, die auch das schaurige Grand-Guignol-Theater hinter sich lassen dürfte. "Köpfe werden rollen", hieß einmal der Slogan seines Films "Sleepy Hollow".

Nun fallen sie in Serie, das Blut spritzt wie im Splatterkino. "Sweeney Todd" ist das erste Splatter-Musical. Auch wenn Filmemacher wie Peter Jackson, Quentin Tarantino oder Eli Roth längst das Mainstream-Publikum Blut lecken ließen an ihrem Lieblingsgenre. Es ist schon etwas anderes, diesen Effekt an einem Produkt der Hochkultur exerziert zu sehen.

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