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Film

25. August 2010

„The Expendables": Rüstige Basterds

 Von Michael Kohler
Führerschein vergessen? Jason Statham, (l), Giselle Itié und Sylvester Stallone in einer Szene aus "The Expendables"  Foto: dpa

Sylvester Stallone ist auch schon 64. Nun trägt er im Verbund mit Haudegen wie Mickey Rourke und Dolph Lundgren seine ehrliche Haut zu Markte.

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In Würde altern heißt für Sylvester Stallone, so lange auf Fleischhälften einzuprügeln, bis die Kritik die Waffen streckt. In „Rocky Balboa“ hat das erstaunlich gut geklappt, in „John Rambo“ schon weniger, weil die Fleischhälften gegnerische Soldaten waren und an den Haken eines südostasiatischen Schlachtfelds hingen. Nun folgt mit dem Kleinkrieg gegen einen Inselstaat der dritte Streich, und wieder krachen die Fäuste wie Explosionen, regnet es Blut aus geplatzten Leibern und gebärdet sich die Gerechtigkeit wie ein nordischer Weltuntergang. Immerhin feiert Stallone dieses Mal keinen von ihm selbst geschaffenen Mythos, sondern nur das Actionkino der 80er Jahre. Es darf also gelacht werden, wenn gerade mal nicht gestorben wird.

Für die „Expendables“ hat der 64-jährige Regisseur, Ko-Autor und Hauptdarsteller eine Riege alter und nicht mehr ganz junger Haudraufs um sich geschart: Mickey Rourke und Dolph Lundgren, Jason Statham und Jet Li, dazu Eric Roberts als verschlagener CIA-Deserteur und ein paar Brutalos aus der zweiten Reihe. Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis absolvieren Gastauftritte und müssen sich Witzchen über ihre Figur gefallen lassen. Doch das ist nichts gegen die in Stein gemeißelte Mimik eines Stallone oder die Schwermut Mickey Rourkes. Mit jeder Großaufnahme der vom jahrzehntelangen Töten gezeichneten Helden sehen die Rolling Stones ein bisschen mehr nach Boygroup aus.

Am Anfang knattern die Motoren, und die „Expendables“ rollen auf ihren Maschinen in ein Lagerhaus. Im nächsten Moment entern sie ein von somalischen Piraten entführtes Frachtschiff, ballern nach halbherzig geführten Verhandlungen einmal fröhlich in die Runde und treffen auf wundersame Weise nur die, die es verdienen. Inszeniert ist dieses Scharmützel wie in der Steinzeit, also in den Filmen der berühmt-berüchtigten Cannon Group. Der Humor ist rustikal, die Dialoge bodenständig, und wer zu lange blinzelt, hat entweder eine Prügelei oder eine Verfolgungsjagd verpasst.

Auch sonst trägt Sylvester Stallone seine ehrliche Haut durchaus geschickt zu Markte. Er bekennt sich in Interviews dazu, seine Muskelberge mit Steroiden aufzuplustern, gibt sich keinerlei Illusionen über seine Schauspiel- und Inszenierungskünste hin und stänkert gegen die digitale Tricktechnik wie Großvater über den Wandel der Zeit.

Bei den handverlesenen Machoklischees wird die Losung „Selbst ist der Mann“ auch nicht wirklich hinterfragt. Außer Jet Li, der ständig mehr Geld verlangt, weil er wegen seines kleinen Wuchses angeblich mehr als die anderen arbeiten muss, meinen es die „Expendables“ mit ihrem Selbstbild bitter ernst. Mögen sie ein dreckiges, desillusioniertes, käufliches, mordgieriges halbes Dutzend Söldner sein, es gibt immer noch welche, die tausendmal schlimmer sind und nur darauf warten, dass ihnen endlich einer den Kopf wegschießt. Dank Stallone kann diesen bösen Jungs auch weiterhin geholfen werden.

The Expendables, Regie: Sylvester Stallone, USA 2010, 103 Minuten.

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