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Film

08. Juli 2009

"Tote schlafen fest": Wen kümmert schon der Mörder

 Von Daniel Kothenschulte
Humphrey Bogart und Lauren Bacall 1951. Nach "The Big Sleep" wurden sie auch im wahren Leben ein Paar. Foto: dpa

Humphrey Bogart und Lauren Bacall sind in dem Klassiker "Tote schlafen fest" wieder im Kino zu sehen. Auch nach 63 Jahren ist immer noch nicht klar, wer eigentlich der Mörder ist. Von Daniel Kothenschulte ( mit Video)

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Die Mühen, erfolgreiche Romane in Drehbücher zu verwandeln, werden gern unterschätzt. Als sich William Faulkner und Leigh Brackett daran machten, Raymond Chandlers Krimi "The Big Sleep" für die Leinwand zu adaptieren, konnten sie nicht feststellen, wer eine bestimmte Figur ermordet habe.

In ihrer Not riefen sie den Autor an, der den beiden wütend erklärte, die Antwort stehe doch im Buch. Kurze Zeit später rief Chandler zurück. Er hatte das Buch noch einmal zur Hand genommen, und die Antwort darin ebenfalls nicht gefunden. Sollten die beiden doch selbst entscheiden.

Es gehört zu den Kuriositäten von "Tote schlafen fest", das sogar der von Howard Hawks inszenierte Film diese Antwort manchmal preis gibt und es manchmal nicht tut. Denn es kursieren zwei Fassungen: In der ersten, die nur für Soldaten im Einsatz war, aber vor einigen Jahren wieder entdeckt wurde, ist sie dagegen noch enthalten.

The Big Sleep, Tailer (englisch), USA 1946

In der bekannteren Version aber bleibt das Schicksal des Chauffeurs der Familie Sternwood ungeklärt und niemanden stört es. Dafür erhält die von Lauren Bacall gespielte attraktive Tochter des Hauses wesentlich mehr Glanzauftritte. Längst war sie auch im wirklichen Leben mit ihrem Filmpartner Humphrey Bogart zusammen, der sich als Philip Marlowe freilich lange die Zähne an ihr ausbeißen muss. In dieser bekannteren Fassung kann man den Klassiker ab heute wieder in den Kinos sehen, in nagelneuen 35mm-Kopien.

Schwarzweißfilme sind inzwischen im Fernsehen so selten geworden, dass die Kinos hier eigentlich eine Chance wittern müssten. Gleichzeitig hat sich der Altersdurchschnitt in den deutschen Art-House-Kinos in den letzten Jahren um zehn Jahre erhöht , was vielleicht auch ganz gut passt. Nur ist dieser hinreißende Film seit 1946 keinen Tag älter geworden.

Er stürzt uns in die herrlichste Verwirrung, weil wir der Krimihandlung selbst dann nicht mehr folgen wollten, wenn wir es könnten. Wie so oft lehrt Howard Hawks darin, dass Kino so viel mehr ist als das bloße Geschichtenerzählen. Hier entsteht das Wunder des Kinos aus dem Verhältnis zwischen dem unterkühlt-sexualisiertem Dialog und der ausladenden Glamourfotografie. Obwohl eine äußerst strenge Zensur darüber wachte, ist die Erotik so wenig aufzuhalten wie die Wirkung von Eis auf nackter Haut. Tote könnte man wecken mit der damals 21-jährigen Lauren Bacall.

Tote schlafen fest, Regie: Howard Hawks, USA 1946, 114 Minuten.

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