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"Wiedersehen mit Brideshead": Auch ich war nicht in Arkadien

Julian Jarrold weiß mit dem Verfall des Hauses Flyte herzlich wenig anzufangen.

Julian Jarrold ist weiter kreativ und verblüfft seine Fans.
Julian Jarrold ist weiter kreativ und verblüfft seine Fans.
Foto: dpa

Der Titel von Evelyn Waughs berühmtestem Roman bekommt in dieser Verfilmung eine doppelte Bedeutung. Denn natürlich kehrt nicht nur der Erzähler, Charles Ryder, auf den palastartigen Stammsitz der tragisch zerrissenen Familie Flyte zurück, sondern auch der Zuschauer, sofern er sich noch an die buchstabengetreue Fernsehadaption von 1981 erinnert oder sein Gedächtnis rechtzeitig mit den im laufenden Jahr erschienenen Silberscheiben auffrischte.

Ein nicht geringer Teil des Publikums dürfte sich dem ebenfalls auf Castle Howard gedrehten Film deshalb mit einer bangen Erwartung nähern, die der Charles Ryders in manchem ähnelt. Und wie den Helden befällt ihn schon bald eine Schwermut, die mit bloßer Sentimentalität für die verlorene Vergangenheit wohl nicht allein zu erklären ist.

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Wiedersehen mit Brideshead, Regie: Julian Jarrold, Großbritannien 2008, 133 Minuten.

Das zwischen den beiden Weltkriegen angesiedelte "Wiedersehen in Brideshead" bietet Stoff für ganze Bibliotheken. Waugh schildert darin zunächst die Freundschaft zwischen Sebastian Flyte, exzentrischem Spross einer reichen katholischen Familie, und Charles Ryder, einem angehenden Landschaftsmaler, der dem mondänen Charme und eleganten Lebensstil der Flytes erliegt. An seiner Seite betreten wir ein großzügiges Gesellschaftspanorama und erleben, wie die bewunderte Familie am strikten Glauben der Mutter langsam zerbricht.

Julian Jarrold ist dazu wenig mehr eingefallen, als Waughs zwiespältige Haltung zum Katholizismus einseitig zuzuspitzen und die Handlung auf teilweise entstellende Weise zu raffen. Vom Geist des Romans und seiner Fernsehadaption bleibt lediglich der modische Aspekt erhalten: der lässige Schick der Oberklasse, die feinen Manieren und subtilen Komplimente, eben das typisch Britische auf seinem letzten, bereits dem Untergang geweihten Höhepunkt. Ob dies genügt, um ein von Waugh noch unbelecktes Publikum zu faszinieren, weiß der Kritiker nicht zu sagen. In Kenntnis der Serie wurde ihm der Film nach einer guten Stunde zum rasant anwachsenden Ärgernis.

Autor:  MICHAEL KOHLER
Datum:  20 | 11 | 2008
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