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Film

27. März 2008

Actionfilm "Jumper": Das Leben im Zeitraffer

 Von DANIEL KOTHENSCHULTE
Szene aus Jumper....mit Samuel L. Jackson.  Foto: kinowelt

Der erste aller Filmtricks war der Stopp-Trick. Der Franzose Georges Méliès hat ein ganzes Zauberreich auf seiner Macht errichtet. Um die Jahrhundertwende

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Der erste aller Filmtricks war der Stopp-Trick. Der Franzose Georges Méliès hat ein ganzes Zauberreich auf seiner Macht errichtet. Um die Jahrhundertwende bewegte er durch simples Anhalten und wieder Anstellen der Kamera alles, was nicht niet- und nagelfest war. Menschen reisten durch die Zeiten und sogar zum Mond. Es waren die Zuschauer, die sich irgendwann nicht mehr rühren wollten. Sie verlangten nach anspruchsvolleren Geschichten, und der große Méliès endete als jener arme Zauberkünstler, der er einmal gewesen war.

Doch das Spektakel kam wieder. Doug Liman, der in seiner "Bourne"-Trilogie Matt Damon in atemberaubendem Tempo durch die Lande reisen ließ, hat nun auch Méliès wieder entdeckt. In der Verfilmung von Steven Goulds Science-Fiction-Roman "Jumper" entdeckt ein junger Mann den Stopptrick in seinen Genen. Ein Gedanke genügt, und schon ist er an einem anderen Ort. Wie oft hat man sich das als Kind gewünscht. Auch Regisseur Doug Liman mochte sich zwischenzeitlich dazu aufgefordert fühlen - "Jumper" wurde in den USA einhellig verrissen. Dabei ist sein Film ein atemloses, unbeschwertes Vergnügen.

Zu Beginn erweist sich Hayden Christensen in der Hauptrolle als würdiger Nachfolger Heinz Rühmanns im Film "Ein Mann geht durch die Wand". Aber er ist natürlich beim kriminellen Erproben seiner Gabe weit weniger spießig. Seine Wanderlust übersteigt sogar noch die jüngsten Luxusreisen von Jack Nicholson in "Das Beste kommt zum Schluss". Jumper hüpft wie Peter Pan auf die Uhr von Big Ben, diniert auf der Spitze der Cheops-Pyramide und plündert Banken für ein bisschen Hartgeld. Oder sieht seine von der wunderhübschen Rachel Bilson gespielte, liebenswerte Freundin eben gerade mal so lange, wie es ihm passt. Keine Frage, der Mann braucht einen Tritt ins Gesäß. Den bereitet ihm eine von Samuel Jackson angeführte Killerbande, und die übliche Verfolgungsjagd nimmt ihren Lauf.

Es ist die Primitivität dieses simpelsten aller Spezialeffekte, die diesem Film seinen besonderen Charme verleiht. Der Avantgarde-Filmer René Clair erzählte in Filmen wie "Paris schläft" von der märchenhaften Lust, sich über die Grenzen von Zeit und Ort schlafwandlerisch hin weg zu setzen. Darin steckte eine ungezügelte Anarchie, die man auch in diesem sinnlosen, aber eben dadurch auch hemmungslosen Film wiederfinden kann. Es gibt keinen Grund, sich aus dem Kino weg zu wünschen. Die 88 Minuten vergehen sowieso im Zeitraffer.

Jumper, Regie: Doug Liman, USA 2007, 88 Minuten.

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