Wie süß!" rufen die koreanischen Touristen angesichts der putzigen Hundewelpen im Vorgarten. Wie meinen die das jetzt?- so fragt sich die deutsche Zuschauerin angesichts der unterschiedlichen (Essens-)Kulturen beider Länder. Um Essen, Religion, Sprache und deren doch recht unterschiedliche Ausprägung in beiden Nationen und die daraus resultierenden, offensichtlich schwer zu überbrückenden, Verständigungsschwierigkeiten geht es dann auch in dem Dokumentarfilm "Endstation der Sehnsüchte. Ein deutsches Dorf in Südkorea".
Buddha und der Gartenzwerg
Endstation der Sehnsüchte, Regie: Cho Sung-Hyung, Deutschland 2009, 99 Minuten.
Ein Jahr lang ist die in Deutschland lebende koreanische Filmemacherin Sung-Hyung Cho bei den Bewohnern des "Deutschen Dorfs" (Dogil Maeul) auf einer entlegenen Insel Südkoreas mit ihrer Kamera zu Gast gewesen, um das ungewöhnliche Altersruhemodell dreier deutsch-koreanischer Paare zu begleiten. Dabei lässt schon die Ankündigung zum Film auf vertraute Klischees hoffen, ist hier neben der in Meditation versunkenen Buddhafigur doch auch ein vollbärtiger, mit vor der Brust verschränkten Armen seltsam ins Ungewisse blickender Gartenzwerg zu sehen.
Die Gartenzwerge gab es im Deutschen Dorf wohl tatsächlich einmal. Nachdem sie von den koreanischen Touristen aber gern als Andenken eingesackt wurden, sind aus dem Straßenbild verschwunden. Nicht verschwunden sind bislang dagegen die als Fotomotiv ebenfalls begehrten "Langnasenopas" Willi, Armin und Ludwig, die deutschen Ehemänner der ehemaligen koreanischen Arbeitsemigrantinnen Chun-Ja, Young-Sook und Woo-Za. Letztere waren Ende der 60er- und zu Beginn der 70er-Jahre, wie über 10 000 weitere Südkoreanerinnen, von der BRD als Krankenschwestern angeworben worden und haben dann nicht nur ihr gesamtes Arbeitsleben dort verbracht, sondern eben auch deutsche Männer geehelicht.
"Endstation der Sehnsüchte" Trailer, D 2009
Obschon also gut integriert, ist ihnen die BRD nie wirklich Heimat geworden, es blieb die Sehnsucht nach der südkoreanischen Lebenswelt. Als sie vor knapp zehn Jahren dann von der geplanten Errichtung des Deutschen Dorfes hörten, siedelten die Rentnerinnen mit Mann, Maus und Eichenschrankwand auf den Hügel mit dem malerischen Blick auf die schöne Bucht. Ein findiger Stadtrat hatte das Projekt für die gut situierten, rückkehrwilligen Landsleute geplant. Wie erhofft ist ganz offensichtlich wenigstens der touristische Nebeneffekt voll aufgegangen: Die Koreaner sind ganz hingerissen von den dreißig typisch deutschen Einfamilienhäusern mit ihren roten Ziegeldächern. Ohne Scheu latschen sie über die Privatgrundstücke, zum Ärger der Bewohner.
Landestypische Pedanterie
Und dies ist beileibe nicht der einzige Konfliktstoff, der sich zwischen den alten und neuen Bewohnern ergibt. Denn nicht nur die deutschen Ehemänner, auch ihre Frauen pflegen bisweilen eine als deutsch geltende Pedanterie, die ihnen als Arroganz ausgelegt wird. Dass die drei Männer kaum ein Wort koreanisch sprechen, verstärkt einerseits den Argwohn gegen sie und führt andererseits zu einer enormen Abhängigkeit von den dolmetschenden Gattinnen.
Sung-Hyung Cho, die zu Recht viel Applaus für "Full Metal Village" erhielt, porträtiert auch dieses Mal ihre Protagonisten mit zurückgenommener Sympathie. Dieser generellen Menschenfreundlichkeit ist es zu verdanken, dass wir uns trotz aller kulturellen Differenzen für das Schicksal dieser auswandernden Heimkehrer interessieren.