Amerika wäre gerne ein Schmelztiegel, der seine vielen Bevölkerungsgruppen vereint, und wer Hollywoods Gangsterfilme sieht, weiß auch warum. Da sind es die geschlossenen Milieus, in denen sich Gewalt und Hoffnungslosigkeit wie in einem Druckkessel stauen, um irgendwann zu explodieren. In Ben Afflecks zweiter Regiearbeit „The Town“ schaut die Kamera nur selten über die Dächer eines irischen Viertels in Boston.
Dort leben, verrät ein Schriftzug, mehr bewaffnete Bankräuber als sonstwo im Land und vererben ihr Handwerk mit größter Selbstverständlichkeit an die nächste Generation. Gleich zu Beginn erlaubt uns Affleck einen grandios inszenierten Einblick in diese Tradition: Ein martialisches Quartett stürmt eine Bank und zieht den Überfall auf eine professionelle Weise durch, dass nicht nur Jon Hamm als FBI-Chefermittler die Kinnlade runterfällt. Zwar gibt es zwischendurch ein kleines Problem, und die Bande nimmt sicherheitshalber die Bankmanagerin als Geisel. Doch man kann sehen, dass diesen schweren Jungs nichts über die Berufsehre geht.
Der von Affleck selbst gespielte Anführer würde trotzdem lieber heute als morgen aussteigen und sucht sich ausgerechnet die ahnungslose Geisel – und einzige Zeugin – als liebende Begleitung in eine bessere Zukunft aus. Natürlich setzt das den Kessel nur noch stärker unter Druck: Afflecks bester Freund und Komplize sieht die Liebelei mit steigendem Verdruss, ein Hintermann will ihn partout nicht gehen lassen, und die Polizei legt die Hände auch nicht in den Schoß.
So erhält Affleck Gelegenheit, sein beachtliches Talent in zwei weiteren Actionsequenzen zu beweisen, die allerdings nicht ganz darüber hinwegtäuschen können, dass er weder die Romanze noch das Milieu so richtig in den Griff bekommt. Sein Film gibt genug Stoff für eine Miniserie her und ähnelt dem Glaubenssatz des Bankraub-Metiers: Schnell rein und ganz schnell wieder raus.
The Town, Regie: Ben Affleck, USA 2010, 124 Minuten.