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Film

22. Dezember 2012

Bin Laden-Film "Zero Dark Thirty": Die Jagd nach Osama Bin Laden

 Von Sebastian Moll
Der Film "Zero Dark Thirty" handelt von der Jagd nach Osama Bin Laden. Foto: dapd

Politisch korrekt ist das nicht - aber dafür ungeschönt: Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" über die Jagd auf Osama Bin Laden.

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Barack Obama hat nur eine Komparsenrolle in dem Thriller „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow. Der Film ist diese Woche in New York angelaufen und handelt von der Jagd nach Osama Bin Laden. Der Auftritt des Präsidenten kommt erst nach etwa zwei Stunden des epischen Werks und dauert keine halbe Minute: Das Jahr 2008, Obama hat gerade die Wahl gewonnen und sagt einem Interviewer, dass er ein für alle Mal die Folter im Namen der Terrorbekämpfung beenden will, um Amerikas moralische Glaubwürdigkeit in der Welt wieder herzustellen.

Als in diesem Frühjahr bekannt wurde, dass Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow einen Film über die Jagd nach Bin Laden dreht und dafür von der Obama-Regierung Zugang zu geheimen Akten bekam, befürchteten die amerikanischen Konservativen das Schlimmste. Ein solches Werk konnte nur ein Obama-Propagandastreifen werden, eine Zelebration des vielleicht triumphalsten Augenblicks von Obamas erster Amtsperiode. Doch nichts könnte der Wahrheit ferner sein.

Die hitzigen Debatten, die sich um „Zero Dark Thirty“ ranken, seit vor Wochen die ersten Pressevorführungen anliefen, laufen überraschenderweise in eine ganz andere Richtung. „Ich möchte wetten, Dick Cheney liebt diesen Streifen“, schrieb der Kolumnist der New York Times, Frank Bruni, in seinem Kommentar. Ganz entgegen dem Klischee der Linkslastigkeit Hollywoods erzürnt das Werk weniger die Konservativen als die Liberalen in den USA.

Schonungslose Deutlichkeit

Stein des Anstoßes sind die ersten 45 Minuten des Films, in denen mit schonungsloser Deutlichkeit die Foltermethoden der CIA in den Jahren unmittelbar nach dem 11. September 2001 gezeigt werden. Eine Figur namens Ammar, ein aus verschiedenen historischen Personen zusammen gesetzter Charakter, wird in einem geheimen CIA-Lager in Pakistan sexuell erniedrigt, der Wasserfolter unterzogen, in eine Kiste von der Größe eines Kindersarges gesperrt. Ammar nennt den CIA-Agenten schließlich den Namen eines Kuriers von Bin Laden, ein Hinweis, der zum bislang sichtbarsten Triumph im langen und kostspieligen „Krieg gegen den Terror“ führt – der Exekution des Al-Kaida-Anführers durch eine US-Sondereinheit im Mai 2011.

Die Weigerung von Kathryn Bigelow und ihres Drehbuchschreibers Mark Boal, sich an die Vorgaben der politischen Korrektheit zu halten, hat vorhersehbar deren Hüter auf die Barrikaden gebracht. Der Film, schrieb etwa der Kritiker des New York Magazine, David Edelstein, „grenze an das moralisch und politisch Verwerfliche.“ Bigelow lege nahe, dass Folter tatsächlich ein effektives Mittel der Terrorbekämpfung sei und öffne damit erneut eine nationale Wunde, die man seit dem Amtsantritt von Obama für geheilt hielt.

Dabei folgt Bigelow nur dem Stand der seriösen historischen Forschung. Zwei neue Studien zur Jagd nach Bin Laden kommen zu dem gleichen Ergebnis wie Bigelow, nämlich dass man die Nützlichkeit von Folter bei der Informationsbeschaffung nicht ausschließen kann. „Die Obama-Administration behauptet, dass Folter keine Rolle beim Auffinden von Bin Laden gespielt hat“, schreibt der Pulitzer-Preisträger Mark Bowden in seinem Buch „The Finish: The Killing of Osama Bin Laden“. „Aber diese Behauptung fällt schon bei den ersten Schritten der Nachforschung in sich zusammen.“

Hohes Maß an Glaubwürdigkeit

Der Film besitzt ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und moralischer Autorität, gerade weil er sich eines eindeutigen moralischen Urteils enthält. Außerdem bietet er einige Unterhaltung. Die letzten 45 Minuten des Films, die von dem Sturm auf die Behausung des Al Kaida-Chefs in Abbatabad ausgefüllt werden, sind pures Hochspannungskino. Doch es gibt kein triumphales Ende: Die Hauptfigur, eine Agentin namens Maya (Jessica Chastain), die 10 Jahre ihres Lebens der Suche nach Bin Laden gewidmet hat, sitzt alleine und verloren auf der Laderampe eines Militärtransporters. Sie ist erschöpft und ausgebrannt, Tränen laufen das blasse Gesicht herunter. Sieger sehen anders aus.

Aber wirkliche Sieger hat der Krieg gegen den Terror eben nicht hervor gebracht.

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