Blutrote Buchstaben, schnelle Schnitte, Totenkopfabzeichen und Stroboskopblitze zu schreiend lautem Rap, der Vorspann von "Tropa de Elite" gibt sich alle Mühe, den Adrenalinspiegel im Kinosaal angemessen zu erhöhen. Denn dem Thrill, den die Arbeit bei der Polizei-Elite-Truppe BOPE in Rio de Janeiro verspricht, scheinen all die schwer bewaffneten jungen Männer erlegen zu sein, die der brasilianische Regisseur José Padilha nachfolgend in den Kampf gegen die Drogenkriminalität in die Favelas schickt.
In Brasilien, so hat es Unicef gerade gemeldet, ist die Gefahr, als Jugendlicher durch eine Gewalttat ums Leben zu kommen, dreißig Mal höher als in Europa, 5000 Kinder und Jugendliche starben 2007 bei Tötungsdelikten. Notwendig ausgeblendet bleibt in dem Zahlenwerk die Brutalität, die den schmutzigen Krieg begleitet, eine Auslassung, die im Spielfilm die bewegten Bilder von Mord und Folter nachreichen.
Tropa de Elite (Elite Squad), Regie: José Padilha, Brasilien 2007, 115 Minuten.
Längst hat sich die chronisch unterfinanzierte Polizei mit den Gegebenheiten arrangiert, nicht Recht und Gesetz, sondern "das Gleichgewicht aus Korruption und Munition" gilt es aufrecht zu erhalten.
Tropa de Elite (Elite Squad). Brasilien 2007
Diese unheilige Allianz will in "Tropa de Elite" der effiziente BOPE-Vorgesetzte Captain Nascimento zerschlagen - ein Leben im bio-chemischen Dauerausnahmezustand, welches seine Spuren hinterlässt: Ohne Beruhigungsmittel ist er längst nicht mehr einsatzfähig. Es ist seine Perspektive, die der Film einnimmt. Aus dieser Warte müssen die mit dem Segen der Drogenbosse in den Favelas gemeinnützig tätigen Studenten, die über Polizeigewalt und repressive Institutionen räsonnieren, als naive und arrogante Spinner gelten. Als Drogenuser unterstützen sie zudem das inhumane System.
Während die Studie der Hilfsorganisation davon ausgeht, dass auch die Mehrheit der unterprivilegierten Opfer eher Konsumenten als Dealer sind, konzentriert sich der Film auf Letztere und verweigert damit einen verstehenden Blick auf die Bewohner der Armenviertel. Diese anfechtbare, aber gleichwohl legitime Sicht auf eines der großen sozialpolitischen und ethischen Probleme Brasiliens gewann bei der Berlinale 2008 den Goldenen Bären.