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Film

05. November 2014

Christopher Nolan "Interstellar": Die Relativitätstheorie der Liebe

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Radikale Liebe: Anne Hathaway und Matthew McConaughey.  Foto: dpa/Melinda Sue Gordon/WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Mit „Interstellar“ hat Christopher Nolan einen hoch emotionalen Weltraumfilm gedreht, in dem es nur vordergründig um das Finden einer zweiten Erde geht. Aus dem Weltraumdrama entwickelt sich eine berührende Geschichte über Liebe und Verlust.

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Bis der Erfolg von „Gravity“ es wachküsste, befand sich das Weltraum-Epos lange im Dornröschenschlaf. Das schöne Genre von „2001 – Odyssee im Weltraum“ – es schien sich selbst in eine jener Schubladen gebettet zu haben, in denen man in Science-Fiction-Filmen Langzeitflüge übersteht. Wenn es dabei auf bessere Zeiten gehofft hat, dann ist jetzt Zeit zum Aufstehen. „Interstellar“ ist ein Liebhaberprodukt von einem Film, wie ihn sich nur glückliche Regisseure leisten können.

Nach seinen ebenso erfolgreichen wie hoch gelobten Batman-Filmen hat Christopher Nolan hier offensichtlich die carte blanche eingelöst, die Hollywood in solchen Fällen ausstellt. In den 169 Minuten, die einem recht kurz verkommen, obwohl genau besehen nicht allzu viel darin passiert, lassen wir gerne Raum und Zeit zurück.

Es beginnt wie eines der in letzter Zeit so beliebten Endzeitdramen: In naher Zukunft blickt eine bedrückte, aber erstaunlich gesittete Menschheit dem Ende entgegen: Der Sauerstoffgehalt in der Luft geht zurück, dafür steigt der Anteil Stickstoff. Und die Landwirtschaft ist unter einer Staubglocke begraben, wie man sie aus Fotografien aus den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts kennt. Das ist umso tragischer, als ein merkwürdiges, neokommunistisches System den hochqualifizierten Ingenieur-Astronauten Cooper (Matthew McConaughey) in die Landwirtschaft beförderte.

Doch die Nasa operiert noch immer, wenn auch im Geheimen. Coopers einstiger Mentor, Professor Brand (Michael Caine), holt ihn zurück, um gemeinsam mit Brands Tochter (Anne Hathaway) zu einer letzten Entdeckungsreise ins All zu starten. Dass er dafür seine beiden Kinder zurücklassen muss, nimmt Cooper hoffnungsvoll in Kauf.

Ein Wurm – als Schlupfloch

Ein sogenanntes Wurmloch, gleich neben dem Saturn, dient als Schlupfloch, um in einem anderen Sonnensystem nach einem zweiten Heimatplaneten zu suchen. Vielleicht hat Joan Baez ja doch recht behalten, als sie sagte, wir gingen mit unserer Erde um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum. Und die muss ja irgendwo sein.

Das ist die äußere Geschichte, aber wie es in diesem Genre oft so ist, hat sich die eigentliche darin versteckt.

In Windeseile sind zwei Erdenjahrzehnte vergangen, und Cooper und seine Reisegefährtin erwachen aus ihren Schlaf-Schubladen. In Videobotschaften, die sich über die Jahre angehäuft haben, sieht Cooper nun seine beiden Kinder zu traumatisierten Erwachsenen heranreifen. Seine Tochter (Jessica Chastain) kommt irgendwann zu der nicht gerade abwegigen Überzeugung, dass eine Aussicht auf Rückkehr nie bestanden haben kann.

Kaum besser ergeht es an Bord der von Anne Hathaway gespielten Co-Pilotin, die sich von ihrem Vater zu diesem Himmelfahrtskommando überreden ließ – in der Hoffnung, ihren bei einer früheren Mission verschollenen Geliebten wiederzufinden. Aus dem Weltraumdrama entwickelt sich so eine berührende Geschichte über Liebe und Verlust, die Fantastisches und Romantisches zusammenführt.

In seiner zweiten Hälfte reift „Interstellar“ zu einem radikalen Liebesfilm, wie man sie in Hollywood nur noch sehr selten macht. Deutlich inspiriert von Tarkowskijs „Solaris“, aber aufgeladen mit einer unschuldigen Sentimentalität, begibt sich Nolan zugleich auf die Spuren der fantastischen Liebesfilme des Altmeisters Frank Borzage. Dem gelang es in seinem Weltkriegs-Drama „7th Heaven“, allein durch die Macht der Liebe einen Toten aufzuwecken.

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Christopher Nolan möchte zu diesem Kunststück gern die Relativitätstheorie bemühen, weiß aber selbst, dass das nicht wirklich funktionieren kann. Aber es beschert uns immerhin einen hoch emotionalen Science-Fiction-Film, und die gibt es nicht alle Tage.

Interstellar. USA 2014. Regie: Christopher Nolan. 169 Min.

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