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Coen-Film: Wer den Schaden hat…

Joel und Ethan Coen sind in ihrer neuen Komödie der Weltverschwörung auf der Spur: "Burn After Reading". Von Michael Kohler

Entweiht es die US-Flagge, wenn man in ihr fremdgeht? George Clooney und Tilda Swinton haben weit größere Sorgen.
Entweiht es die US-Flagge, wenn man in ihr fremdgeht? George Clooney und Tilda Swinton haben weit größere Sorgen.
Foto: ddp

Gegen die menschliche Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen, und schon gar nicht, wenn die Brüder Joel und Ethan Coen vom Olymp ihrer Komödien auf die Welt herabschauen. Gleich zu Beginn lassen sie die Kamera aus himmlischer Perspektive zur Erde stürzen, wo sie sicher auf den Fluren des CIA-Hauptquartiers in Langley landet.

Hier heftet sie sich an die Beine des Balkan-Experten Osborne Cox (die Coens sind die Kalauerkönige Hollywoods), der über graue Flure in ein schmuckloses Büro eilt, um von seiner beruflichen Degradierung zu erfahren. Mit den Worten "Fick dich, du bist Mormone" versucht Cox den Vorwurf zu parieren, er habe ein Alkoholproblem, quittiert den Dienst und beginnt, befeuert durch reichlich Wodka, eine Abrechnung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber zu verfassen.

Der Film

Burn After Reading, Regie: Ethan Coen, Joel Coen, USA 2008, 95 Minuten.

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Durch Zufall fällt das auf CD-ROM gespeicherte Manuskript der eigentlichen Filmheldin in die Hände: Die Fitness-Trainerin Linda Litzke (Frances McDormand) träumt davon, sich durch kosmetische Operationen zu verschönern, und erpresst, als ihre Krankenkasse die horrenden Kosten des Eingriffs nicht übernehmen will, den von Szene zu Szene cholerischer werdenden Memoiren-Schreiber. Doch Cox denkt gar nicht daran zu bezahlen und treibt Litzke mit wüsten Verwünschungen geradewegs in die Arme des russischen Geheimdiensts.

Dies ist nur der Auftakt zu einem heillos verwickelten und heilsam absurden Spaß, den sich die Coens in "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger" mit dem amerikanischen Schönheitswahn, Hollywoods Starkino und den Erzählkonventionen des Paranoia-Thrillers erlauben. Ganz wie zur Hochzeit des Genres in den siebziger Jahren sind die Brüder einer großen Verschwörung auf der Spur: Die der Idiotie, welche auch den amerikanischen Geheimdienst längst unterwandert hat.

Stars zum Fraße

Den kritischen Einspruch, in ziemlich schamloser Manier auf die Schadenfreude eines sich überlegen dünkenden Publikums zu spekulieren, federn die Coens in gewohnt eleganter Manier ab: Sie werfen ihren Zuschauern nicht nur selten trottelige Figuren zum Fraße vor, sondern auch deren Darsteller - und die sind allererste Wahl.

Wenn John Malkovich einen krankhaften Narziss spielt, Brad Pitt als dümmlicher Schönling über die Leinwand turnt und George Clooney sich als erbärmlicher Schürzenjäger freimütig der Lächerlichkeit preis gibt, wird damit auch Hollywoods moderner Götzenkult lustvoll bloßgestellt. Passend zur Anbetung des Oberflächlichen sucht man innere Wert bei fast allen Figuren des Films vergeblich.

Am Ende von "Burn After Reading" macht sich die Kamera wieder in luftige Höhen davon und hinterlässt ratlose Agenten. In regelmäßigen Zwischenspielen hat ein CIA-Mann seinen Abteilungsleiter über die von Außen betrachtet reichlich verworrenen Ereignisse auf dem Laufenden gehalten, zuletzt müssen sich beide eingestehen, dass sie nicht wissen, was vorgegangen ist - und klappen die Akte erleichtert zu. Das ist die letzte Pointe eines in Pointen verliebten Films: Gerade der amerikanische Geheimdienst muss die Waffen strecken, wenn es die Irrwege der menschlichen Hybris zu ergründen gilt.

Autor:  MICHAEL KOHLER
Datum:  2 | 10 | 2008
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