Gerda Schrage, geborene Rother, hat Auschwitz überlebt. Zwei Jahre nach dem Krieg ist sie nach Amerika ausgewandert, hat geheiratet, einen Sohn bekommen und geschwiegen. Als Kind gehörte Gerda beinahe zur Familie des 1960 geborenen Journalisten Knut Elstermann. Unter abenteuerlichen Umständen entkam Gerda dem Tod in Auschwitz, nicht aber das kleine Mädchen, das sie im KZ zur Welt brachte. Das Kind dürfe man vor Gerda nicht erwähnen, hat man Knut Elstermann als Achtjährigem eingeschärft. Dieses Verdikt hat ihn nicht losgelassen.
Er suchte die über Achtzigjährige in New York auf und schrieb ein Buch über ihr Geschick. Neben furchtbaren Erkenntnissen vermittelt das Buch vor allem einen langwierigen und schmerzhaften Erinnerungsprozess.
Britta Wauer hat mit ihrem nicht minder einfühlsamen Dokumentarfilm über "Gerdas Schweigen" Knut Elstermanns zutiefst integere Reflexion über die Konsequenzen des Erzählens adaptiert. Zwar ist die alte Dame, die den Film mit ihrer Zurückhaltung prägt, erleichtert, ihr Geheimnis preisgegeben zu haben. Doch ihr Sohn, den sie nicht in ihr Trauma einbezogen hat, ist verstört und gekränkt.
Es sei seltsam, sagt Knut Elstermann einmal, dass man Holocaust-Überlebende als "gläserne Menschen" betrachte, von denen jederzeit rückhaltlose Auskunft erwartet werde. Neben den unendlich berührenden Facetten von Gerdas Schweigen ist es vor allem die selbstkritische Haltung des Buchautors und der Filmemacherin, die beeindruckt.
Gerdas Schweigen, Regie: Britta Wauer, Deutschland 2008, 95 Minuten.