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Der Film "Effie Briest": Immerhin, nackt ist sie

Scheuer Rehblick über frischen Wangen mit hitzigem Gefühl vor kühler Meeresbrandung: Das sit Hermine Huntgeburths "Effi Briest". Von Uwe Mies

Romantische Gefühle am Ostseestrande… Eben noch ergötzte sich Toni Buddenbrooks am Anblick eines strammen Burschen aus der Region, da öffnet sich der Vorhang schon wieder und diesmal ist es Effi Briest, die bebenden Busens in die Arme des stattlichen Majors von Crampas sinkt. Hitzige Gefühle vor kühler Meeresbrandung, das ist nicht der einzige peinliche Moment in der mittlerweile fünften Filmadaption von Theodor Fontanes Gesellschaftsroman.

Was sich in der jüngsten Produktion des Altvorderen deutschen Förderkinos, Günter Rohrbach, als Amphibienzwitter aus Film und Fernsehen unter der Regie von Hermine Huntgeburth vollzieht, ist eine gediegene Literaturverfilmung. Die Akteure tragen zeitgenössische Garderoben spazieren, die immergleiche Kutsche rollt über mecklenburgisches Kopfsteinpflaster, in den Salons wird Tee mit Gebäck kredenzt. Das sind Konventionen, die ein Kostümfilm auch zu berücksichtigen hat.

Interessant ist, was darüber hinaus passiert, um die Tragödie einer 17-jährigen Jungfrau in unglücklicher Ehe mit einem 21 Jahre älteren Karrierepolitiker und die Ungeheuerlichkeit der Affäre zum verheirateten Major für ein Publikum unserer Zeit nachvollziehbar auszugestalten: Huntgeburths vornehmliche Vision erfüllt sich in ausgeprägten Liebesszenen; noch nie hat eine Kino-Effi derart viel nacktes Fleisch gezeigt.

Jenseits solcher Attraktionen blüht biederer Realismus, wobei Sebastian Kochs Mimik so steif ist wie sein Geheimratskragen und Julia Jentsch sich allzu sehr auf die Wirkung scheuen Rehblicks über frischen Wangen verlässt. Dass sie wie schon ihre Vorgängerinnen Marianne Hoppe, Ruth Leuwerik, Angelica Domroese und Hanna Schygulla zu alt für die Titelrolle ist, soll verziehen sein. Dass sich diese Effi Briest im Schlussbild dann allerdings aller familiären Zwänge entledigt und als selbstbestimmte, moderne Frau nun ihren eigenen Weg geht - das hat weder mit gutem Kino noch mit Fontane zu tun.

Effi Briest, Regie: Hermine Huntgeburth, Deutschland 2009, 117 Min.

Autor:  UWE MIES
Datum:  12 | 2 | 2009
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