Das deutsche Kinopublikum will Komödien, und es will seine Stars. Das ist keine aufreizend neue Erkenntnis, aber nach zwei Millionen Zuschauern stellt man nun mal die Systemfrage. So viele sahen den ersten Teil von „Männerherzen“. Für Neulinge: Dieser Film ist eine schwankhafte Erzählung großstädtischer Paarprobleme in Episodenform. An so vielen, man halte sich fest, wurde ausnahmsweise nicht vorbeiproduziert. Und jetzt die Pointe: Til Schweiger hat noch nicht mal Regie geführt! Er spielte nur mit.
Vom großen Staraufkommen mal abgesehen war „Männerherzen“ aber auch ein unvorhergesehener Glücksfall: eine an britischen Vorbildern geschulte Mainstream-Komödie aus Deutschland, ideenreich und sorgfältig gearbeitet, pointensicher um ein paar männliche Stereotype kreisend, die man aus der Realität irgendwie kennt. Es gab echte Knaller wie den schwulen Schlagersänger Bruce Berger („Alle Kinder dieser Erde“), exzessiv verkörpert von Justus von Dohnanyi, sowie ruhigere Gesellen wie den gehemmten Gewerbeaufseher Günther, eine Paraderolle für Christian Ulmen. Frauen waren annähernd gleichberechtigt – wieder wie im richtigen Leben, dessen schmerzliche Seiten keineswegs ausgespart wurden. Und das nicht nur, weil Christian Ulmen in ein Krokodilbecken fiel.
Soll man da böse sein, dass auf den einzigartigen Erfolg nun nach Hollywood-Manier das Sequel folgt? Nein! Gerade angesichts des erneut reüssierenden Testosteron-Kintopps (siehe „What a Man“ von Matthias Schweighöfer) verspricht „Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe“ das richtige Antidot. Erinnert sich noch jemand daran, dass all die Machos und Gewinnertypen im ersten Teil kräftig zurückgestutzt wurden? Ist nicht so wichtig im Auf und Ab des Lebens, aber hier setzt der zweite nun nahtlos an.
Neue Klischees
Der schöne Jerome (also Til Schweiger) fängt zu Hause bei den Eltern wieder ganz klein an. Um seine ganz ganz große Liebe zu gewinnen, reitet er auf einem Pony. Was hat Til Schweiger eigentlich immer mit Tieren? Schlagerbarde Bruce ist gleich komplett am Ende: Keiner will seine Lieder. Nach einem Alkoholskandal („Imagewechsel!“) sattelt er um auf HipHop. Niklas (Florian David Fitz), der Werber, hat weder Job noch Freundin. Die letzte betrog ihn mit dem Paartherapeuten. Was tut man in so einem Fall? Eine der wenigen wirklichen Neuerungen des zweiten Films ist eine ulkige Internetseite namens Spacebook, auf der sich angeblich Freunde finden lassen.
Das haben die Loser von einst nicht mehr nötig. Günther hat Susanne (Nadja Uhl) klargemacht und plant nach sechs Monaten den ersten Sex. Der glücklose Philipp (Maxim Mehmet) ist da schon weiter: Seine Freundin Nina (Jana Pallaske) erwartet Zwillinge. Nach dem rasenden Erfolg seines Bio-Cafés hat Philipp das Prekariat verlassen und plant schon als Alleinverdiener. Nina allerdings plant anders. Und damit sind wir schon beim Punkt: Vom Themenkomplex neue Eltern, Altbauwohnungen und Hechelkurs über moderne Geschlechter- und Patchworkmodelle bis zum Bio-Terror wird alles durchgenudelt, was das Land – oder wenigstens Berlin, wo wir uns im Film befinden – bewegt. Wie im strukturell gar nicht soo unähnlichen Til-Schweiger-Gesamtkunstwerk („Keinohrhasen“) geht es um Klischees, aber: Es sind neue Klischees! Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.
Da der Regisseur und Autor Simon Verhoeven aber schon nach den Regeln spielt, ist festzuhalten: Auch ein deutsches Sequel ist nur ein Sequel. Sind die Charaktere bereits bekannt, wird Originalität verzichtbar. Die Transformers vom Prenzlauer Berg geben ihr Programm, die Pointen rollen zahlreicher, aber auch flacher. Wie Bruce seinen Hetero-Freund Jerome in immer neue Schwulitäten bringt, wird zum Riesenwitz ausgewalzt. Günthers Unbedarftheit im Liebesspiel – muss er Susanne gleich das Ohr abbeißen? – wirkt schon pathologisch. Aber klar, je sensibler die Männer, desto härter treffen die Schläge. Sie werden es aushalten, und das Publikum hat noch mal seinen Spaß. Danach ist aber bitte Schluss mit lustig. Zu viel Aufregung, kluge Männer wissen das, schlägt aufs Herz.
Männerherzen ... und die ganz ganz große Liebe Deutschland 2011. Buch & Regie: Simon Verhoeven, Kamera: Jo Heim, Musik: Darsteller: Florian David Fitz, Maxim Mehmet, Til Schweiger, Nadja Uhl, Christian Ulmen, Justus von Dohnanyi u.a.; 112 Minuten, Farbe. FSK ab 6 Jahre.
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