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Film

22. März 2013

Deutscher Filmpreis: „Cloud Atlas“ und „Oh Boy“ sind Favoriten

 Von Daniel Kothenschulte
Tom Schilling in „Oh Boy“, einer der Favoriten für den Deutschen Filmpreis. Foto: dpa

Der mit Unterstützung aus Hollywood gedrehte teuerste deutsche Film der Geschichte gegen ein kleines, schwarz-weißes Spielfilmdebüt. Zwei völlig gegensätzliche Filme gehen als Favoriten ins Rennen um den Deutschen Filmpreis 2013.

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Der mit Unterstützung aus Hollywood gedrehte teuerste deutsche Film der Geschichte gegen ein kleines, schwarz-weißes Spielfilmdebüt. Zwei völlig gegensätzliche Filme gehen als Favoriten ins Rennen um den Deutschen Filmpreis 2013.

Berlin –  

"Can’t Buy Me Love“, ein Schelm, der bei den Nominierungen zum Deutschen Filmpreis an die Beatles denkt. Wie leicht ist es, „Oh Boy“ zu lieben, diese mit bescheidenem Aufwand auf höchstem Niveau produzierte philosophische Berliner Tragikomödie in Schwarzweiß: Angesiedelt ist sie zwischen gestern und morgen – dort, wo die zeitlosen Filmklassiker spielen. Keine Frage, dass Jan Ole Gersters Debütfilm seine Entstehungszeit überdauert, man denkt ja jetzt schon immer wieder an ihn zurück.

Dennoch ist es eine schöne Überraschung, dass Marcos Kantis und Alexander Wadouh, die leidenschaftlichen Produzenten der „Schiwago“-Film dafür auf der Nominierungsliste für den Deutschen Filmpreis stehen, und Gerster zugleich als Regisseur und Drehbuchautor. Denn oft tun sich Preisgremien ja schwer, in den sogenannten „kleinen Filmen“ das Besondere zu entdecken.

Für die Komödie „Zur Sache, Schätzchen“, vielleicht eine Großtante von „Oh Boy“, erfand der Deutsche Filmpreis seinerzeit eigens die Kategorie der „besten Dialoge“ um den unorthodoxen Charme nicht ganz zwischen die Stühle fallen zu lassen. Dort liegt in diesem Jahr übrigens die andere große Berliner Komödie der Saison, „3 Zimmer, Küche, Bad“ von Dietrich Brüggemann. Den weisen Spötter , der mit der Ehre auch nicht gerechnet hätte, ließ man schon bei der Vorauswahl von 46 Filmen links liegen. Wer so viel junges Talent, wie vor und hinter der Kamera in diesem Film steckt, nicht sehen will und lieber „Schutzengel“ und „Schlussmacher“ in die Vorauswahl hebt, dem ist beim besten Willen nicht zu helfen. Vom Vorwurf, ihre Kritiker auszuschließen, wird sich die Deutsche Filmakademie so nicht jedenfalls befreien.

Wie schwer ist es dagegen, den jetzt auch nominierten „Cloud Atlas“ zu lieben. Nicht, weil er mit dem Budget von etwa 100 Millionen Dollar auch hundert Mal teurer sein dürfte als „Oh Boy“, diese Rechnung verbietet sich: Große Kinoträume sind teuer. Vielleicht hätten einige weitere Millionen dem Fantasy-Epos sogar gut getan und einige seiner digitalen Kanten noch verschwinden lassen. Vielleicht hätte sich die Technizität des Künstlichen, der Masken und der Spielräume, dann nicht so sichtbar vor die Kunst gestellt. In seinem Koproduktionsland China, wo der Film in einer kürzeren Version weit erfolgreicher ist, mag man sich über die „Lola“-Nominierung wundern – dort hält man „Cloud Atlas“ für chinesisch.

Das allein mag zeigen, wie relativ die nationale Vereinnahmung von Filmkunst heutzutage ist: Wäre nicht mit Tom Tykwer einer der drei Regisseure ein Deutscher, hätte die kostspieligste deutsche Produktion gar nicht beim „Lola“-Rennen konkurrieren dürfen. Herausragend ist „Cloud Atlas“ in der Jahresproduktion natürlich zweifellos, auch als einer der wenigen Welterfolge unserer jüngeren Kinogeschichte.

Dabei wird hierzulande ja genug produziert: Rund einheimische 120 Spiel- und 80 Dokumentarfilme kommen jedes Jahr ins Kino. Und dennoch wird die Auswahl für die „Lolas“ dann am Ende meistens dünn. Dieses Jahr kann man – nach den Fehlern bei der Vorauswahl – durchaus zufrieden sein. Mit „Die Wand“, der weltweit auf Festivals gefeierten Literaturverfilmung des Österreichers Julian Roman Pösler, steht sogar neben „Oh Boy“ noch ein zweiter radikaler Kunstfilm in der Endauswahl.

In mythische Wälder führt auch die Australierin Cate Shortland in ihrem Coming-of-Age-Film „Lore“: Es ist ein unkonventioneller Blick auf das besiegte Deutschland von 1945, durch das sich die 15-jährige Titelfigur mit ihren Geschwistern schlägt. Die Chancen sind nicht schlecht, dass dies der Gewinner des Deutschen Filmpreises 2013 ist, weil er zu allen Zuschauerschichten spricht. Und zugleich die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms gerade dort um eine Seite ergänzt, wo seine Wurzeln sind: beim Trümmerfilm. Aber auch das Erbe des Neuen Deutschen Films der 70er-Jahre ist unter den Nominierten gut vertreten: Margarethe von Trottas „Hannah Arendt“, auf internationalem Niveau produziert von Bettina Brokemper.

Oskar Roehlers autobiographisches Dreistunden-Epos „Quellen des Lebens“ ist dagegen die Sorte Film, auf der das Wort „Kunst“ weit größer darauf steht, als diese dann darin zu finden ist. Aber auch Roehler ist ein Maverick, ein Unangepasster, und von denen hatte das deutsche Kino nie genug. Einer der größten hat die „Lola“ schon sicher: Werner Herzog erhält am 26. April den Preis fürs Lebenswerk.

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