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„Das letzte Schweigen“: Die Traurigkeit der Triebtäter

Der deutsche Kriminalfilm „Das letzte Schweigen“ ist wie sein Plakat - und trägt schwer an seiner Ambition

        

Ratlos: Burghart Klaußner als Ex-Kommissar.
Ratlos: Burghart Klaußner als Ex-Kommissar.
Foto: nfp

Der deutsche Thriller „Das letzte Schweigen“ ist wie sein Filmplakat: In streng symmetrischer Bildkomposition macht sich dort jemand in einem herbstlichen Feld an einer verpackten Kinderleiche zu schaffen. Der eigentliche Blickfang aber ist ein unscheinbares rotes Auto mit offenen Türen. Fast gespenstisch steht es da, als wolle es von seiner Alltäglichkeit ablenken.

Es gehört nicht viel dazu, im Kino auch das Banale groß und bedeutungsvoll erscheinen zu lassen. Ein ganze Branche hat sich darauf spezialisiert: die Werbung.

„Das letzte Schweigen“ trägt seinen Titel nicht zu Unrecht. Es ist ein Film, der nichts zu sagen hat und dafür möglichst große Worte sucht. Es beginnt mit einem Sexualmord vor mehr als zwei Jahrzehnten, dem Plakatmotiv. Nach dem Betrachten eines Kinderpornos suchen sich zwei Männer ihr Opfer. Der jüngere, ein Student, bleibt als angestifteter Voyeur im roten Auto sitzen. Der ältere, ein Hausmeister, vergewaltigt ein Mädchen und tötet es. Die Männer trennen sich, und der jüngere lebt fortan ein normales Leben.

Erst als sich 23 Jahre später am selben Ort in der Gegenwart eine ähnliche Tat ereignet, zieht es den Familienvater zum Schauplatz der Verbrechen. Aber ist er wirklich der späte Wiederholungstäter, wie es der von Burghart Klaußner gespielte Ex-Kommissar vermutet? Regisseur Baran bo Odar bereitet dem Star aus Michael Hanekes „Das weiße Band“ eine große Bühne. Sogar das zusätzliche Adjektiv im Titel der Verfilmung von Jan Costin Wagners Roman „Das Schweigen“ ist ein diskreter Hinweis: Nach „Das weiße Band“ kommt nun: „Das letzte Schweigen“.

Klaußner ist immer sein Geld wert, doch wenn ein Ermittler das Geschehen allzu sehr bestimmt, ist der Fernsehkrimi nicht mehr weit. Und es ist dann doch ein gewaltiger Unterschied, ob man wie Haneke einen komplexen Stoff in eine anspruchsvolle Form bringt oder nur nach Überhöhung sucht für eine schwache Handlungs-skizze.

Baran bo Odar zeigt seine Filmfiguren als Traumatisierte. Bei der Mutter des ersten Opfers ist das verständlich, beim pensionierten Kommissar schon etwas übertrieben. Aber die Traumata der Triebtäter? Seit Fritz Langs „M“ gibt es großartige filmische Psychogramme von Sexualverbrechern. Hier aber ist die Anteilnahme nur vorgeschoben. Selbst das Tragische ist hier nur eine weitere Geste der Übertreibung.

Das letzte Schweigen. D 2009, Regie: Baran bo Odar. 122 Min.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  18 | 8 | 2010
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