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Film

13. April 2011

Disneys "Winnie Puuh": Walt wäre stolz

 Von Daniel Kothenschulte
Elf Uhr morgens? Zeit für ein wenig Honig.  Foto: Walt Disney

Mit „Winnie Puuh“ und dem Vorfilm „Nessie“ kehrt Disney zurück zu seinen Wurzeln: Anders als das meiste, das Kindern derzeit an Kinounterhaltung zugemutet wird, ist dies ein kindgerechter Film, der sein Publikum so zärtlich und leichthändig anspricht wie er gezeichnet ist.

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Mit „Winnie Puuh“ und dem Vorfilm „Nessie“ kehrt Disney zurück zu seinen Wurzeln: Anders als das meiste, das Kindern derzeit an Kinounterhaltung zugemutet wird, ist dies ein kindgerechter Film, der sein Publikum so zärtlich und leichthändig anspricht wie er gezeichnet ist.

Disneys Zeichentrickwelt könnte eine lustige Welt sein, aber sie ist es schon lange nicht mehr. Nach dem Siegeszug der Computeranimation und der engen Verbindung mit dem führenden Pixar-Studio läuten in der alten Trickfilmabteilung im kalifornischen Burbank die Totenglocken. Inzwischen ist es ausgerechnet Pixar-Gründer John Lasseter, der die weltberühmten Zeichner am Leben hält. In seinem zweiten Chef-Sessel als künstlerischer Leiter der Disney-Animationsabteilung sichert er dem handgezeichneten Film zwar ein Überleben in Würde. Doch was nützen kunstvolle Schaustücke wie zuletzt „Küss den Frosch“, wenn die digitale Konkurrenz den Bedarf an sprechenden Tieren billiger und erfolgreicher deckt? So muss man jeden neuen Disney-Zeichentrickfilm mit Freude und Wehmut genießen – es könnte der letzte sein.

Der neue „Winnie Puuh“-Film und sein Vorfilm, „Die Ballade von Nessie“, sind Boten aus vergangener Zeit. Selbst Disney-Skeptiker und ehemalige Fans, die vom Glauben abfielen, müssen zugeben: Diese beiden Filme hätten auch dem Firmengründer Walter Elias zur Ehre gereicht. Das konnte man lange nicht mehr sagen.

Ein lange vergessenes Format

Beginnen wir mit dem Vorfilm: Diese liebevoll-naive Annäherung an den schottischen Seebewohner ist ein Bravourstück des in Deutschland aufgewachsenen Animators Andreas Deja. Er orientierte sich an einem lange vergessenen Disney-Format, jenen 8-15-minütigen „Specials“, die in den 40er und 50er Jahren neben den Micky- und Donald-Filmen entstanden: Leuchtenden Bilderbüchern, die mit Figuren und Techniken experimentierten. Nessie, ein echter „Disney-Charakter“, begegnet uns als kindlich-verspieltes, aber zur Einsamkeit verdammtes Seemonster, das im Quietsche-Entchen McQuack einen treuen Freund gefunden hat. Anders als das meiste, das Kindern derzeit an Kinounterhaltung zugemutet wird, ist dies ein kindgerechter Film, der sein Publikum so zärtlich und leichthändig anspricht wie er gezeichnet ist.

Das gilt auch für den Hauptfilm: Freunde der Bilderbücher von A.A. Milne und E.H.Shepard mussten Disneys Umgang mit Puuh, dem Bären, oft als ausbeuterisch empfinden. Doch anders als die spätere Fernsehserie waren die drei kurzen, zwischen 1966 und 1974 entstandenen „Winnie Puuh“-Kurzfilme noch mustergültige Literaturverfilmungen. Dieser Langfilm schließt sich ihnen bruchlos an.

Wieder tapert der kleine Bär überdie Buchseiten, deren Lektüre er jungen Zuschauern so schmackhaft erscheinen lässt, als seien zwischen den Buchstaben Honigtöpfe versteckt. Tatsächlich aber ist es gerade seine recht unterentwickelte Lesefähigkeit, die den Bären in ein verrücktes Abenteuer stürzt: Muss er doch nach einer schlecht entzifferten Nachricht glauben, man habe den kleinen Christopher Robin entführt. Eine Rettungsaktion nimmt ihren Lauf, die wie so oft zwar wenig nützt, aber dennoch etwas Wertvolles rettet: Den Zusammenhalt von Freunden.

Winnie Puuh, Regie: Stephen J. Anderson, Don Hall, USA 2011, 63 Min.Die Ballade von Nessie, Regie: K. Deters, S. Wermers, USA 2011, 15 Min.

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