Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Film

20. April 2011

Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung“: Mondschein über brauner Soße

 Von Daniel Kothenschulte

Wie so oft, wenn man Neonazis ein Forum bietet, dominieren sie wie im Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung“ von Thomas Frickel irgendwann die Szene. Dabei fehlt dem Film eine Struktur, die Zusammenhänge deutlich werden lässt.

Drucken per Mail

Das beste Versteck für rechtsextremes Gedankengut, man ahnte es lange, ist der Esoterik-Buchladen um die Ecke. Was immer dort in den Regalen steht – es kommen ohnehin kaum Skeptiker vorbei, um es zu bemerken. In seinem Film „Die Mondverschwörung“ schickt Thomas Frickel den neugierigen Reporter eines kleinen amerikanischen Kabelsenders, der keine Schwellenängste kennt: Dennis Mascarenas.

Zu dem vielen Unglaublichen in diesem Film gehört zunächst einmal dieser Protagonist. Der stets freundliche und etwas korpulente Mascarenas ist so echt und dennoch irreal wie die Menschen, die er trifft: Martin Jürgens etwa, der auf Grund eines geerbten Dokuments von Friedrich dem Großen den Besitz des Mondes für sich reklamiert. Ein Vertreter der „Ariosophie“ erzählt von einer „jüdischen Weltverschwörung“ gegen die „Nordvölker“, und davon, dass man Angela Merkel in den USA mit Hilfe von Plutonium zur Jüdin umgepolt habe.

Zu allem nickt der Reporter artig, der schon in Frickels früherem Film „Deckname Dennis“ die Hauptrolle spielte, interessiert mit dem Kopf. Doch wie so oft, wenn man Neonazis ein Forum bietet, dominieren sie irgendwann die Szene. Und wirken durch die arglose Form der Begegnung selbst ein gutes Stück verharmlost. Viel wichtiger wäre jetzt ein Überblick: Wie viel Geld wird tatsächlich auf dem Buchmarkt mit dem gefährlichen Gedankengut erwirtschaftet? Sind auch bekannte Verlagshäuser unter den Profiteuren?

Doch in der episodischen Struktur dieses Films fehlt eine Struktur, die Zusammenhänge deutlich werden ließe. So weit sich Frickel in imponierender Kleinarbeit vorgearbeitet hat, so wenig kommt er doch auf den Punkt. Darin könnte immerhin eine noble Absicht liegen: Der Propaganda nicht mit Propaganda beikommen zu wollen wie das Vorbild Michael Moore.

Die Mondverschwörung, Regie: Thomas Frickel, D 2010, 95 Minuten.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Rubrik

Für welche Filme lohnt sich der Weg in Kino? Lesen Sie die Rezensionen der FR-Filmkritiker und sehen Sie die aktuellen Trailer.

Service
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:

Sommerferien

Bücher, Musik, Filme für die Sommerferien

Und wenn ungeheuer oben eine sehr weiße Wolke ist, dann zeigt das auch nur wieder, dass Lesen in jeder Situation den Horizont erweitert.

Das FR-Feuilleton empfiehlt Bücher, transportable Musik und auch einige Filme auf DVD für den Sommer. Mehr...

Anzeige

Filmtipps
Medien