Film

31. Mai 2012

Dokumentation „Bulb Fiction“: Energiesparlampen sind eine Katastrophe

 Von Harald Jähner
Gefährliche Beleuchtung mit Quecksilber.  Foto: Farbfilm

Die Botschaft der mitreißenden Dokumentation ist klar und deutlich: Der ökologische Nutzen von Energiesparlampen ist reine Propaganda der Lampenindustrie. Greenpeace & Co. haben sich dabei, berauscht vom Gefühl ihres Einflusses, zu nützlichen Idioten der Industrie machen lassen.

Drucken per Mail

Die Botschaft der mitreißenden Dokumentation ist klar und deutlich: Der ökologische Nutzen von Energiesparlampen ist reine Propaganda der Lampenindustrie. Greenpeace & Co. haben sich dabei, berauscht vom Gefühl ihres Einflusses, zu nützlichen Idioten der Industrie machen lassen.

Energiesparlampen sind Bleichmacher und Grünfärber. Ihr Licht ist hässlich, weil es Farben verfälscht. Aber dieser Preis könnte vielleicht noch entrichtet werden, um unseren Energieverbrauch zu reduzieren. Sehen wir halt fahl aus, Hauptsache, es nutzt dem Klima. Schwerer wiegt, dass die Energiesparlampe giftig ist. Hochgiftig sogar. Sie enthält soviel Quecksilber, dass ihr ökologischer Nutzen durch die Umweltschäden, die sie anrichtet, mehr als vernichtet wird.

Die Alternative, die eingangs in dem Dokumentarfilm „Bulb Fiction“ von Christoph Mayr gestellt wird – „Soll ich die Gesundheit meiner Familie aufs Spiel setzen oder die des Planeten?“ – ist deshalb gar keine: Die Energiesparlampe ist für den Planeten wie für den einzelnen Menschen eine Katastrophe. Ihr ökologischer Nutzen ist eine propagandistische Chimäre, die die Lampenindustrie verbreitet hat, um mit dem behördlich angeordneten Technologiewechsel Gewinne zu machen. Greenpeace und andere Umweltschutzinitiativen haben sich dabei, berauscht vom Gefühl ihres Einflusses, zu nützlichen Idioten der Industrie machen lassen.

Giftige Verordnung

Das ist kurz gefasst die Botschaft dieses geradezu mitreißenden Dokumentarfilms. Er lässt einen erschüttert zurück angesichts der aufgezeigten Angriffsflächen, die die europäische Bürokratie den Wirtschaftslobbyisten bietet. Der Film versucht herauszufinden, wie es passieren konnte, dass ohne parlamentarische Abstimmung in Brüssel handstreichartig die absurde Verordnung Nr. 244/2009 erlassen werden konnten, nach der flächendeckend die harmlose Glühlampe durch die gefährliche quecksilberhaltige Leuchtstofflampe zu ersetzen ist, nur um gerade mal 0,4 Prozent des europäischen CO2-Ausstoßes reduzieren zu können – trotz eines zuvor beschlossenen weltweiten Verbots der technischen Anwendung von Quecksilber.

Die beste Antwort darauf liefern nicht die Kritiker der Energiespartechnik, sondern ihre Befürworter. Selten hat man so eindrucksvoll vorgeführt bekommen, wie hässlich der Mensch wird, wenn er lügt, Phrasen drischt, herumeiert oder plump seine Macht ausspielt. Vorneweg die Greenpeace-Funktionärin Mahi Sideridou, die in den Brüsseler Kommissionssitzungen dabei war und noch heute wie besoffen scheint vom Hochgefühl, mittels Verordnungen und Verboten zwischen Nordkap und Gibraltar die Beleuchtung regeln zu können. Ein Apparatschik des Klimaschutzes. Oder Per Stolz, Nachhaltigkeitsbeauftragter von Ikea, der Firma, die von Beginn an auf Leuchtstofflampen setzte. Es gibt keine direkte Gefahr, wenn eine Energiesparlampe zerbricht, behauptet er. Der Filmschnitt erspart ihm nicht, dies gerade dann zu erzählen, nachdem der Zuschauer den vierjährigen Max aus dem bayrischen Linden kennengelernt hat, dem keine Haare mehr wachsen, seit eine eingeschaltete Leuchtstofflampe im Schlafzimmer zerbrach. Noch heute leidet er an Zitteranfällen als Folge der eingeatmeten Quecksilberdämpfe.

Der Film interviewt Wissenschaftler, Wirtschaftshistoriker, Politiker, Ökologen. Er besucht Recyclingfirmen und Fabriken – immer wieder nach Brüssel führt der Weg, wo die Demokratie mangels öffentlicher Kontrolle schnell mal baden gehen kann. „Bulb Fiction“ ist ein Lehrstück über scheinrationalen Irrsinn und die Risiken der Großmacht EU.

Bulb Fiction Österr./Dtl. 2011. Regie: Christoph Mayr, Kamera: Moritz Gieselmann. 106 Minuten, Farbe. FSK ab 6.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Oscar 2014
Kino: Neustarts
Service
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
TV-Kritik
Filmtipps
Medien