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Film

11. Oktober 2012

Drogenfilm: Die Geschichte der O.

 Von Daniel Kothenschulte
Lado (Benicio del Toro) und O (Blake Lively) in einer Szene des Kinofilms "Savages".Foto: dpa

Schwarz ist noch nicht cool: In „Savages“ spielt Oliver Stone mit Motiven des Film Noir. Der Regisseur entwickelt jedoch einen Übereifer, der dem Film viel Coolness austreibt.

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Die Tatsache, dass ich Ihnen das jetzt hier erzähle“, sagt eine Frauenstimme zu Beginn des Films, „bedeutet noch nicht, dass ich am Ende noch am Leben bin.“ Es wäre schade um die Inhaberin dieser Stimme, denn Ophelia (Blake Lively), genannt O, ist die gemeinsame Geliebte zweier eng befreundeter Drogenhändler und gehört zu den wenigen positiven Figuren in dieser finsteren Geschichte. Wenn künftige Leichen etwas zu erzählen haben – ob das in diesem Fall so sein wird, sei dahin gestellt –, ist der Film Noir nicht weit. So tauften französische Intellektuelle in den 1940er-Jahren eine bestimmte Sorte von Thrillern, deren Pessimismus sie an die schwarzen Einbände ihrer liebsten Taschenbuchkrimis erinnerten. Gerade kann man im Filmmuseum Frankfurt eine Ausstellung dazu sehen. Oliver Stones Film „Savages“ wäre eine originelle Ergänzung.

Am nötigen Pessimismus für einen modernen Film Noir mangelte es dem US-Amerikaner Stone noch nie, und mal abgesehen von den knallbunten Farben qualifiziert sich sein neues Werk in vieler Hinsicht für das Genre. Eine schöne Frau zwischen zwei Männern, ob das wohl gut geht? Eifersucht ist zunächst jedoch nicht die Spielfläche dieses Dramas. Vertrauensbrüche und wechselnde Allianzen sind es schon. Denn das Glück des Trios ist auf Sand – oder besser gesagt: auf Gras gebaut.

Edles Gras macht Spaß

Chon, ein hartgesottener Irak-Veteran, und Ben (Aaron Johnson), ein genialer Botaniker, produzieren mit hohem Qualitätsanspruch teures Edel-Marihuana. Dass sie dabei nicht unter die Räder kommen, verdankt sich vor allem Chons handfester Geschäftspolitik. Doch als ihnen Aufnahmen abgeschlagener Köpfe der Konkurrenz aus Mexiko zugespielt werden, läuten die Alarmglocken. Die Drogenbaronin Elena (Salma Hayek) plant die feindliche Übernahme von Chons und Bens Firma. Und sie ist wirklich feindlich, daran lässt ihr brutaler, von Benicio Del Toro gespielter Helfer keinen Zweifel. Insbesondere als sie O als Geisel nehmen.
Mit Beginn der ungleichen Verhandlungen um Prozente vom Profit tauscht Oliver Stone, der Regisseur von „Natural Born Killers“ und „U-Turn“ den Hut mit Oliver Stone, dem „Wall Street“-Macher. Die Fronten verwischen sich sehr reizvoll, wenn John Travoltas Dennis an Profil gewinnt: Dieser Agent der Drogenvollzugsbehörde DEA treibt ein doppeltes Spiel, und das lässt sich durchaus symbolhaft lesen – als Karikatur des schneidigen, opportunistischen Politikers, eines Feindbilds von Oliver Stone.

Erstklassig besetzt und unvorhersehbar in seinen Wendungen, macht diese Verfilmung des gleichnamigen Romans von Don Winslow leider dennoch zusehends weniger Spaß. Stone entwickelt wieder jene Art von Übereifer, die schon bei „U-Turn“ zu einem Pseudo-Avantgardismus führte. Das Tempo wirkt künstlich angezogen, gerade so, als hätte man eine ganz andere Droge als Marihuana intus. Das treibt dem Film viel von der Coolness der Geschichte aus, bevor sie zur Wirkung käme.

Radikal künstlicherische Geste

Verwirrende Entwicklungen waren noch nie ein Problem im Film Noir, solange denn die Grundstimmung stimmte. Doch Stones Spiel mit den Erwartungen geht so weit, dass er am liebsten das Gezeigte gleich wieder auswischen und neu erzählen würde. Das konnte in seinen früheren Filmen durchaus reizvoll sein, doch hier kulminiert es in einem angehängten Schluss, der noch einmal alles auf den Kopf stellt. Nur wirkt das nicht wie eine radikale künstlerische Geste, sondern eher so, als habe man es nun wirklich jedem im Publikum recht machen wollen, den Happy-End-Romantikern genauso wie den Nihilisten.

Savages USA 2012. Regie: Oliver Stone, Drehbuch: Oliver Stone, Shane Salerno, Don Winslow, Kamera: Daniel Mindel, Darsteller: Chon Taylor Kitsch, Blake Lively, Aaron Johnson, John Travolta, Benicio Del Toro, Selma Hayek u. a.; 129 Minuten, Farbe. FSK ab 16.

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