Alexander Kluge nennt es den "mittleren Realismus" des deutschen Fernsehens, wenn die Kostüme handgenäht sind, dafür aber die Figuren von der Stange kommen. Dieses Missverhältnis zwischen penibler Ausstattung und dürftiger Psychologie breitet sich auch im Kino immer weiter aus, wobei es eine hässliche Ironie ist, dass sich Joachim von Mengershausen ausgerechnet als freier Produzent den schlechten Gewohnheiten ergibt, denen er als Redakteur des verdienstvollen WDR-Fernsehspiels in immerhin dreißig Dienstjahren tapfer widerstanden hatte.
Im Fernsehprogramm wäre ein gut gemeintes Werk wie "Unter Bauern - Retter in der Nacht" wohl nicht weiter unangenehm aufgefallen. Auf der großen Leinwand erzählt es vor allem die Geschichte seines eigenen Scheiterns.
Der Film des niederländischen Regisseurs Ludi Boeken basiert auf den Lebenserinnerungen der deutschen Jüdin Marga Spiegel. In ihrem 1965 erschienenen Buch "Retter in der Nacht" berichtet sie davon, wie sie, ihr Mann und ihre kleine Tochter den Nationalsozialismus überlebten, weil mutige Bauern sie über zwei Jahre hinweg auf ihren Gehöften im Münsterland versteckten.
Hilflose Schauspielerführung
Es ist eine dramatische und bewegende Geschichte, zu der den immerhin drei Drehbuchautoren nichts anderes einfiel, als einige bei diesem Stoff unvermeidlich scheinende Motive jeweils Szene für Szene abzuhaken. Da lernt das blonde deutsche Mädel, dass auch Juden ganz normale Menschen sind, ein Hitlerjunge erwacht aus seiner Verblendung, als es bereits zu spät ist, und die wohlhabende Jüdin bewährt sich in der geteilten Not als patente Landfrau.
Die Entwicklung der Figuren wird im Film zwar oft behauptet, aber nur zu selten inszeniert, und was die hölzernen Dialoge der Handlung an Glaubwürdigkeit übrig lassen, erledigt eine bestürzend hilflose Schauspielerführung. Trotz solider Besetzung ist "Unter Bauern - Retter in der Nacht" ein Laienspiel mit Hakenkreuz, das nun möglicherweise sogar zum Unterrichtsstoff befördert wird.
Doch kommt es noch schlimmer: Denn so enttäuschend der Film selbst ist, wirklich ärgerlich ist das Prädikat "Besonders wertvoll", das ihm durch die Filmbewertungsstelle verliehen wurde.
Unter Bauern - Retter in der Nacht, Regie: Ludi Boeken, Deutschland/Frankreich 2009, 100 Minuten.