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Filmfestspiele Venedig: Bilder von Tod und Tätern

Wie stehen israelische Soldaten, die aus Vergeltung gemordet haben, zu ihren Taten? Wie verarbeiten Frauen den Genozid im Kosovo? Mehrere Regisseure suchen nach Antworten. Von Heike Kühn.

Der israelische Regisseur und Video Künstler Avi Mograbi beleuchtet seit langem das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern. Das Licht der Aufklärung geistert durch seine von Zweifel und Verzweiflung handelnden Filme und hinterlässt in den Abgründen ideologischer Verbohrtheit Leuchtfeuer der Vernunft.

Die Hoffnung, dass sich Israelis und Palästinenser an diesen Signalen orientieren, überstrahlt auch in "Z 32" die düsteren realen Ereignisse, die seinem neuen Film zugrunde liegen. Eine "musikalische Dokumentartragödie" nennt Avi Mograbi den Film, der tatsächlich alle Kategorien sprengt.

In der Sektion "Orizzonti" der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig, die bislang den internationalen Wettbewerb an ästhetischen Reichtum überbietet, wurde "Z 32"sechs Minuten mit Standing Ovations bedacht. Wenn man bedenkt, dass Festivaliers schon beim Abspann aufspringen, um in den nächsten Film zu rennen oder noch einen lebensrettenden Kaffee zu trinken, weiß man diese Huldigung erst richtig zu schätzen.

Der Titel des Films erklärt sich als Archivierungsmethode. Shovrim Shtika, eine Organisation junger israelischer Ex-Soldaten, die in den besetzten Gebieten ihren obligatorischen Wehrdienst geleistet haben, gibt Aussagen über Menschenrechtsverletzungen fortlaufende Nummern. Mehr als dreihundert "Vorgänge" sind bis jetzt gemeldet worden. Shovrim Shtika bedeutet in etwa: Das Schweigen brechen.

"Z 32"ließe sich rasch erzählen: Der Ex-Soldat, der im Schutz der Anonymität bezeugte, bei einem Vergeltungsschlag unbewaffnete palästinensische Polizisten erschossen zu haben, gibt auch vor Avi Mograbis Kamera Auskunft über die ebenso sinnlose wie gesetzlose Aktion.

Doch so funktioniert das nicht, aus vielerlei Gründen. Der Mörder, der Soldat, der Zeuge, der Reuige: Wer spricht aus dem Mund des Selbstdarstellers? Wie kann der Film ihm ein Gesicht geben, wenn er unerkannt bleiben will? Und wie verhält sich der Regisseur angesichts eines furchtbaren Geheimnisses, das ohne juristische Folgen, nur zur Gewissenserleichterung offenbart wird? Soll er die brisante Geschichte ausbeuten, dem Mörder eine tränenreiche Medien-Absolution erteilen und als Beichtvater der Nation berühmt werden?

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Autor:  Heike Kühn
Datum:  4 | 9 | 2008
Seiten:  1 2 3
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