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Film

05. Januar 2011

Filmstart "Burlesque": Korsage gegen den Konsum

 Von Michael Kohler
Cher als Tess (links) und Christina Aguilera als Ali in dem Drama "Burlesque" von Steven Antin.  Foto: dapd

Ein Backstage-Musical mit hochkarätiger Starbesetzung: Christina Aguilera und Cher als gelenkige Hupfdohlen in „Burlesque“. Leider ist der Film wenig mehr als eine üppig ausgestattete Musikclip-Kompilation mit glattgebügelten Songs.

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Ein Backstage-Musical mit hochkarätiger Starbesetzung: Christina Aguilera und Cher als gelenkige Hupfdohlen in „Burlesque“. Leider ist der Film wenig mehr als eine üppig ausgestattete Musikclip-Kompilation mit glattgebügelten Songs.

Mit dem Hintern zu wackeln kann eine hohe Kunst, ein feministischer Akt oder auch nur eine plumpe Einladung ins Separee sein. Etwas von allem steckt in Steven Antins Tingeltangel-Musical „Burlesque“. Christina Aguilera spielt eine Kellnerin vom Land, die singen kann, dass sich die Balken biegen, ein Busticket nach L.A. löst und in einer Kaschemme eine überirdische Erscheinung hat. Letztere heißt Cher und säuselt auf der Bühne ihres Amüsierbetriebs einen verführerischen Tango. Das will ich auch, denkt sich Christina, doch weil das übrige Abendprogramm darin besteht, dass gelenkige Hupfdohlen die Lippen zu Playback-Musik schürzen und die Beine schwingen, muss sie erst einmal kellnern.

In den frühen Tagen des Tonfilms produzierte Hollywood derlei Backstage-Musicals am laufenden Band, weshalb auch „Burlesque“ in eine vielleicht nicht bessere, aber zumindest unschuldigere Zeit zurückführen soll. „Ist das hier so eine Art Stripclub“, fragt das Landei beim Eintritt ehrlich erstaunt und erntet einen tadelnden Blick vom Kartenverkäufer. Nein, hier wird die weibliche Verführungskunst nicht ausgebeutet, sondern zelebriert und mit Korsage und Glitzerkram den Klauen des schnöden Konsums entrissen. Klar, dass dieses Paradies durch einen Immobilienhai bedroht und in letzter Sekunde durch weibliche Solidarität gerettet wird.

So viel zur Theorie. In der Praxis ist „Burlesque“ wenig mehr als eine üppig ausgestattete Musikclip-Kompilation – und eine Bühne für den Gesangsstar. Ob die erschreckend glattgebügelten Songs wenigstens den Aguilera-Fans gefallen? Ähnliche Kostüme trug sie schon im Clip zu „Lady Marmalade“ und der war schmissiger. Bleibt als letzte Ausfahrt zum Erfolg möglicherweise das Queer Cinema. Die schmachtenden Blicke, mit denen die Hauptfigur die Tänzerinnen verfolgt, lassen Spielraum für Fantasie.

Burlesque, Regie: Steven Antin, USA 2010, 118 Minuten.

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