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Film

01. September 2010

Filmstart "Duell der Magier": Besen, Besen, seid’s gewesen

 Von Michael Kohler
Nikolas Cage und Jay Baruchel in "Duell der Magier".  Foto: Warner Bros.

Weltuntergangsgedöns, amüsant, aber auch dämlich: „Duell der Magier“ mit Nicolas Cage. Natürlich drückt Produzent Jerry Bruckheimer auf die Tube, weil Logik nicht seine Stärke ist.

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In der Wartezeit auf das Harry Potter-Finale kommt dieser kleine Muggel gerade recht. Dave ist zehn Jahre alt, ein angenehmer Schlaumeier und ganz furchtbar in Becky Barnes verknallt. Die hat gerade angekreuzt, ob sie mit ihm gehen will, als ein Windstoß den Liebesbrief davonträgt. Dave stürzt ihm panisch hinterher, gerät immer tiefer in die Schattenseite von New York, bis er allein und verlassen in einem Geschäft für Antiquitäten steht.

Hinter dem Tresen lauert ein Typ, vor dem Eltern ihre Kinder warnen. Doch es ist nur ein jahrhundertealter Zauberer, der in Dave den kommenden Retter der Welt erkennt. Für den Jungen nimmt der Ausflug trotzdem ein böses Ende: Eine magische Keilerei raubt ihm den letzten Nerv, er läuft schreiend auf die Straße, wo er sich vor seiner Klasse und der feschen Becky bis auf die Knochen blamiert.

Nach dieser traumatischen Erfahrung gönnt Jon Turteltaub seinem Helden erst einmal eine zehnjährige Erholung. Als wir Dave wiedersehen, bastelt er gerade eine Blitze schleudernde Maschine wie vom Erfinder Nikola Tesla, traut sich nicht mal in die Nähe eines Mädchens und will vor allem nichts von Magiern hören.

Pech für ihn, dass Balthazar, ein Gefährte Merlins, ihre Begegnung nicht vergessen hat. Er sucht immer noch nach dem Zauberlehrling, der es mit der bösen Hexe Morgana und ihrem Jünger, dem finsteren Horvath, aufnehmen kann. Im Moment sind beide in einer russischen Puppe gefangen, doch wer weiß, wie lange das magische Schloss noch hält.

Man kann es schamlos, verwegen oder ausnehmend gerissen finden, wie Jerry Bruckheimer, einer der erfolgreichsten Produzenten Hollywoods, den Windschatten von Harry Potter sucht. „Duell der Magier“ ist eine effektgeladene Zauberposse mit reichlich Endzeitstimmung, einigen komödiantischen Abschweifungen und einem Auserwählten, der nach der Einschulung einfach die restlichen Klassen bis zur Heldenreife überspringt.

Alles geht hier im Schnelldurchlauf: die aus der Artussage entlehnte Vorgeschichte, die Einführung von Gut und Böse und natürlich die Lektionen in höherer Magie. Lediglich die apokalyptische Hexe Morgana lässt das Publikum bis zum großen Finale warten; die Katze Valdemor springt dagegen deutlich früher aus dem Sack.

Natürlich lässt Bruckheimer auch deswegen aufs Tempo drücken, weil Logik nicht unbedingt die starke Seite seiner Filme ist. Mal verfügen die verfeindeten Magier Balthazar und Horvath über Superkräfte, dann liefern sie sich wie Otto-Normalgauner eine motorisierte Verfolgungsjagd; und das ganze Weltuntergangsgedöns wirkt vor allem deswegen so dämlich, weil man im gedehnten Finale reichlich Zeit hat, hinter den gedanklichen Kulissenzauber zu sehen. Allerdings haben derlei Mängel noch keinem Bruckheimer-Film geschadet, so lange das Spektakel stimmt und es ein paar schräge Einfälle als Garnierung gibt. Und da hat Turteltaubs „Duell der Magier“ tatsächlich etwas zu bieten.

Es gibt zum Beispiel eine schöne Szene, in der Horvath von Balthazar in den Spiegel gezaubert wird. Da steht er dann, kann nicht raus und jagt einem Normalsterblichen dafür den Schrecken seines Lebens ein. Geradezu köstlich ist der Auftritt eines zweitklassigen Las-Vegas-Zauberers, der sich dann als echter Magier entpuppt; lausige Kunststücke und schmieriges Imponiergehabe sind in diesem Gewerbe offenbar die beste Tarnung.

Womit wir auch schon bei Nicolas Cage und Alfred Molina, den magischen Gegenspielern, wären. Beide plustern sich als Verkörperungen von Gut und Böse mächtig auf, ergänzen sich in ihrer Exzentrik aber erstaunlich gut. Jay Baruchel kommt ihnen als Zauberlehrling nicht weiter in die Quere und erfüllt damit wie Daniel Radcliffe seinen Part.

Allerdings fehlt dem Film etwas ganz entscheidendes: die Magie. Am deutlichsten wird dies, als Jon Turteltaub das Trickfilm-Meisterwerk „Fantasia“ zitiert und Dave frei nach Goethe ein paar Besen zum Putzen schickt. Da mühen sich die Tricktechniker redlich, das ganze Haus absaufen zu lassen, und Baruchel mimt passabel Mickey Maus. Gegen den alten Meister Disney ist das alles aber nur brave Stümperei.

Duell der Magier, Regie: Jon Turteltaub, USA 2010, 109 Minuten.

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