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Film

13. April 2011

Filmstart "Ohne Limit": Das richtige Bonbon

 Von Michael Kohler
Dank Drops geht es für Eddie (r.) karrieremäßig nach oben.  Foto: Concorde Filmverleih

Atemberaubende Kapriolen in luftiger Höhe: Neil Burgers Thriller „Ohne Limit“ mit dem blauäugigen Bradley Cooper stellt gewitzte Fragen. Zum Beispiel: Welche Droge treibt die Wall Street an?

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Atemberaubende Kapriolen in luftiger Höhe: Neil Burgers Thriller „Ohne Limit“ mit dem blauäugigen Bradley Cooper stellt gewitzte Fragen. Zum Beispiel: Welche Droge treibt die Wall Street an?

Hoch über den fiebrigen Lichtern von Manhattan balanciert Eddie Morra (Bradley Cooper) auf der Brüstung eines Balkons. Im Hintergrund sieht man ein luxuriöses Penthouse, gegen dessen gepanzerte Stahltür ein Elefant zu treten scheint. Der Dickhäuter flucht dazu mit osteuropäischem Akzent und malt Eddie schon mal die schönste Folter aus. Als die Tür nachzugeben beginnt, rutscht Eddie ein paar Zentimeter Richtung Abgrund und fragt sich konsterniert: „Warum habe ich das nicht kommen sehen?“

Wer seinen Film mit einem derartigen Drahtseilakt beginnt, hat besser ein gutes Sicherheitsnetz gespannt oder ist schwindelfrei. Und obwohl sich Neil Burger im Thriller „Ohne Limit“ noch als geborener Trapezkünstler erweisen wird, versucht er zunächst festen Boden unter die Füße zu bekommen. Statt einer Antwort auf Eddies berechtigte Frage, serviert er dem Publikum eine lange Rückblende. Da sieht man Eddie an den ersten Seiten seines lange überfälligen Romans herumdoktern, erlebt mit, wie ihm seine Freundin den Laufpass gibt, und versteht seinen Schmerz, als er auch noch seinem offenbar sehr erfolgreichen Ex-Schwager in die Arme läuft.

Eddie will ans große Geld

Vernon war mal Drogenhändler, arbeitet jetzt angeblich für einen Arzneimittelgiganten und hat für den niedergeschlagenen Eddie genau den richtigen Muntermacher parat. Man kann geradezu den Trommelwirbel hören, als ihm Vernon einen Drops hinhält: Der Stoff heißt NZT und verwandelt den Patienten für einen Tag in ein Superhirn, das sich an alles erinnert, was es mal gelesen hat, und es mit Sherlock Holmes, Casanova und dem Schachcomputer Deep Blue aufnehmen kann.

Als die Wirkung einsetzt, lässt Burger die Kamera von der Leine und die Farben explodieren; die Leinwand leuchtet wie ein Frühlingsfest, und Bradley Coopers Augen sind endlich so blau, dass sich jede Frau in ihnen verliert. Am nächsten Morgen besorgt sich Eddie einen schönen Vorrat der Lutschbonbons – irgendjemand hat Vernon totgeschlagen, das Versteck aber nicht gefunden – und dreht richtig auf. Der Jahrhundertroman ist allenfalls eine Aufwärmübung, dann will Eddie ans große Geld, leiht sich das Startkapital bei der russischen Mafia und landet bei einer der mächtigsten US-Investmentfirmen.

Eddies unaufhaltsamer Aufstieg zum Finanzgenie, Frauenmörder und möglichen Präsidentschaftskandidaten wirft einige gewitzte Fragen auf: Welche Droge treibt die Wall Street an? Wie bekommt man die verheerenden Nebenwirkungen in den Griff? Und wer produziert eigentlich den Wunderstoff? Grenzenlos sind in Burgers effektivem Thriller auch die Möglichkeiten der politischen Paranoia, wobei das Finale ausgerechnet in dieser Hinsicht leider etwas enttäuschend ausgefallen ist. Ansonsten gibt es aber einige atemberaubende Kapriolen in luftiger Höhe zu bestaunen – meistens ohne das Sicherheitsnetz realistischer Verknüpfungen, aber mit viel Sinn für Trommelwirbel zur rechten Zeit.

Ohne Limit, Regie: Neil Burger, USA 2011, 105 Minuten.

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