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Film

30. März 2011

Filmstart "Sucker Punch": Die übernächste Generation

 Von Michael Kohler
Zwischen Girl Power und Männerfantasie: Emily Browning als Baby Doll im Film Sucker Punch.  Foto: Warner Bros.

Eine Kreuzung der Filme "Inception" und "Shutter Island" mit dem Video-Clip einer Girlie-Band: Ein Mädchen vom Stiefvater ins Irrenhaus gesteckt flieht vor ihrer bevorstehenden Lobotomie in die Welt ihrer Fantasie. Zack Snyders „Sucker Punch“ muss man gesehen haben

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Zack Snyder trieb den empfindsamen Teil der Kritik schon mit dem markigen Bilderbombast von „300“ auf die Barrikaden und lässt sich in dieser Hinsicht abermals nicht lumpen. In „Sucker Punch“ wird eine Halbwaise mit Schmollmund von ihrem stiernackigen Stiefvater ins Irrenhaus gesteckt, damit ein korrupter Aufseher sie dort per Lobotomie endgültig aus dem Weg räumt. Gerade noch rechtzeitig fällt sie in eine andere Realität, aus der Psychiatrie für aufsässige Mädchen wird ein Edelbordell mit angeschlossener Balletschule und aus diesem wiederum die Bühne für mehrere Ebenen eines virtuellen Action-Rollenspiels. Auf der ersten zerlegt Babydoll mit Schwert und Revolvern drei grimmige Golems, auf der zweiten pflügt ihre fünfköpfige Girlband die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs um, und dann geht’s auch schon ins mittelalterliche Drachenschloss. Alles um die fünf Schlüssel zur Freiheit in die Hände zu bekommen, bevor die süße Babydoll vom High Roller entjungfert wird.

#video

Ganz offensichtlich handelt es sich hier um die genau kalkulierte Herzensangelegenheit eines Autorenfilmers. Zack Snyder hat sich gefragt, wem – außer ihm selbst – ein Film gefallen würde, in dem die verfolgte, leicht geschürzte Unschuld durch finstere Fantasywelten saust, alles kurz und klein schießt und sich am Ende reif für einen Erholungsurlaub in der Matrix glaubt. Die Antwort lautet: Männern, Genrefans (falls das nicht das gleiche ist) und postfeministischen Feministinnen. Ob alle gleich gut bedient werden, wage ich zu bezweifeln, am fehlenden Aufwand hat ein mögliches Nicht-Gefallen jedenfalls nicht gelegen. „Sucker Punch“ sieht aus, als hätte jemand „Inception“ und „Shutter Island“ mit dem Musikclip einer Girlieband gekreuzt und den daraus entstandenen Bilderwust an der übernächsten Playstation-Generation montiert. Man kann es auch anders sagen: Dies ist ein Film, den man gesehen haben muss, um an seine Existenz zu glauben.

Sucker Punch, Regie: Zack Snyder, USA 2011, 110 Minuten.

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