Film

15. Dezember 2010

Filmstart Teil 3 "Die Chroniken von Narnia": Christliche Seefahrt

 Von Daniel Kothenschulte
Das Schiff "Morgenröte" im dritten Teil der Chroniken von Narnia. Foto: 20th Century Fox

Schon wieder muss das Inselreich Narnia von Minderjährigen gerettet werden: „Die Reise auf der Morgenröte“. Hier ist das Kino der Attraktionen wieder bei sich, es geht zu wie in den frühen Trickfilmen des Stummfilmpioniers Georges Méliès. Nur muss man sich heute 3D-Brillen aufsetzen.

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Paulchen, wie der „rosarote Panther“ im ZDF genannt wurde, begann seine wöchentlichen Abenteuer mit dem Geraderücken eines Seestücks an der Wand. Doch kaum war der Bilderrahmen in der Waagerechten, ergoss sich schon das gemalte Wasser auf den Fußboden. Schade, dass das nicht auch mit dem Fernseher funktionierte, wenn „Flipper“ lief.

Auch die kindlichen Protagonisten des neuesten „Narnia“-Abenteuers bekommen es mit der Tücke maritimer Malkunst zu tun. Als sich das Meer des Bildes urplötzlich ins Zimmer ergießt, verstehen sie dies als Einladung. Ein prächtiges Segelschiff wartet schon darauf, sie an Bord zu nehmen. Als wäre es in der christlichen Seefahrt alltäglich, dass man Landratten aus der Seenot ihres Zimmers rettet.

Wieder auf

Es gehört zur Poesie der Erzählkunst von C. S. Lewis, dass er mit seinen Einfällen geradezu mit der Tür ins Haus fällt. Seine bewundernswert kompakt geschriebene Saga „Die Chroniken von Narnia“ beginnt ohne Umschweife damit, dass Kinder die Tür zum Paralleluniversum in ihrem Kleiderschrank entdecken. Ihre Schnörkellosigkeit lässt diese Geschichten über das Meer obskurer Fantasy-Literatur so nobel hinwegsegeln wie das abenteuerliche Schiff in diesem dritten Narnia-Film. Nach einem recht ausufernden zweiten Teil mit langen Schlachtenszenen ist die Serie jetzt wieder auf Kurs.

Kein geringerer als Michael Apted führt Regie, dem wir „Gorky Park“ verdanken oder den James-Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“. Letzteres muss auch für das Paralleluniversum von Narnia gelten, das schon wieder auf die Hilfe von Minderjährigen angewiesen ist. Schon an Bord werden sie von einer eleganten Ratte mit Degen in die Problematik eingewiesen, einem rechten Mausketier: Irgendwo gibt es eine „Dunkle Insel“, deren üble Mächte Narnia bedrohen.

Urtümliche Direktheit

Sieben magische Schwerter, die Aslan der Löwenkönig einmal dem friedlichen Inselvolk von Narnia geschenkt hat, müssen wieder zusammengebracht werden. Mit solchen Dingen verhält es sich wie mit Bankkarten und ihren Geheimzahlen: Obwohl man mit dem einen ohne das andere wenig anfangen kann, werden die Sachen doch meist getrennt aufbewahrt – so etwas denken sich nur Erwachsene aus. Andere Sorgen jedoch sind erst einmal dringlicher: Ein böses Seemonster zum Beispiel, von dem auf dem Gemälde noch nichts zu entdecken war, bedroht die jungen Seeleute.

Der Charme dieses Films liegt in seiner urtümlichen Direktheit. Was er im Sack hat, das schüttet er auch aus. Lewis schreibt Bilder in Worten, eines gibt das nächste wie in einer Nummernrevue. Hier ist das Kino der Attraktionen wieder ganz bei sich, es geht zu wie in den frühen Trickfilmen des Stummfilmpioniers Georges Méliès. Nur, dass man sich heute 3D-Brillen aufsetzen muss.

Manche Bilder sollen eine religiöse Lesart haben. Wenn, dann ist das sehr dezent. Die „Dunkle Insel“ die von weitem an Peter Pans Totenschädel-Felsen erinnert, ist dann wohl die Hölle. Warum auch nicht? Auch die Bibel ist ein Buch in Bildern, es gibt schlechtere Vorlagen für Fantasy-Filme. „Die Chroniken von Narnia – Die Reise in die Morgenröte“ ist ein Film ohne Gebrauchsanweisung, ein vorweihnachtlicher Familienausflug, der hält, was er verspricht. Ich tausche fünf „Harry Potter“ für einen „Narnia“.

Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte, Regie: Michael Apted, USA 2010, 115 Minuten, 3D

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