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Film

20. Dezember 2012

Florian David Fitz in "Jesus liebt mich": Dann kommt noch Satan angehumpelt

 Von Peter Uehling
Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Sänger - und jetzt auch Jesus: Florian David Fitz in "Jesus liebt mich". Foto: dapd

In "Jesus liebt mich" stoßen gleich am Anfang Drama, Satire und Sat.1-Idylle derart schroff aufeinander, dass der Zuschauer seinen Augen nicht trauen mag - selbst wenn er es aufgibt, hinter den zahlreichen Handlungssträngen eine stringente Geschichte zu entdecken, und sich nur von den Bildern berieseln lässt.

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In "Jesus liebt mich" stoßen gleich am Anfang Drama, Satire und Sat.1-Idylle derart schroff aufeinander, dass der Zuschauer seinen Augen nicht trauen mag - selbst wenn er es aufgibt, hinter den zahlreichen Handlungssträngen eine stringente Geschichte zu entdecken, und sich nur von den Bildern berieseln lässt.

Marie presst statt des Ja-Worts nur ein Stöhnen heraus und fällt in Ohnmacht. Der trauende Pastor erhält am Abend Besuch von Jesus Christus, der ihm mitteilt, dass am nächsten Dienstag die Welt untergeht. Marie zieht wieder zu ihrem Vater; dabei lernt sie ihre Stiefmutter kennen, jünger als sie, russisch, offenbar eine Katalogbestellung. Während Maries zur geplatzten Hochzeit angereiste Mutter ihre alte Affäre mit dem Pastor wieder aufnimmt. Und Marie verliebt sich in Jesus Christus, den sie nicht erkennt, sondern für einen aufregenden Typen namens Jeshua hält. Dann kommt auch noch Satan angehumpelt, nach Scheiße duftend.


Was, um Gottes Willen, soll das werden?! Selbst wenn es der Zuschauer aufgibt, hinter den zahlreichen Handlungssträngen von „Jesus liebt mich“ eine stringente Geschichte zu entdecken, und sich stattdessen nur von den Bildern berieseln lässt, stoßen gleich am Anfang Drama, Satire und Sat.1-Idylle derart schroff aufeinander, dass er seinen Augen nicht trauen mag. Offenbar wurde zu Ehren des illustren Personals an Mitteln herangezogen, was immer verfügbar ist. Übrigens auch an Darstellern: Henry Hübchen spielt den Pastor Gabriel, Hannelore Elsner seine Geliebte, Jessica Schwarz ihre Tochter, Michael Gwisdek ist kurz als Gott mit von der Partie.

Ambitioniertes Chaos nach Safier

Wenn man ein ambitioniertes Chaos einem hingerotzten Chaos vorzieht, dann ist „Jesus liebt mich“ besser als „3faltig“, der letzte deutsche Film, in dem Christus auftauchte, um das Weltende zu verkünden. Aber auch nur dann. Florian David Fitz hat nach einem Roman von David Safier ein Drehbuch geschrieben, Regie geführt und auch noch den Jesus gespielt – und dabei vollkommen die Kontrolle über das Ganze verloren.

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Schwer zu sagen, worum es überhaupt im Innersten geht, wenn dem Film Maries Suche nach Liebe, Gabriels Weltüberdruss und Christi Mission gleichermaßen am Herzen liegen – all diese Handlungen behindern sich gegenseitig, statt im Sinne einer Idee zusammenzuwirken.

Genres schlagen Purzelbäume

Die Genres schlagen Purzelbäume: Wenn es komisch sein soll, teilt Jeshua in der Pizzeria unter den entsetzten Blicken des Kellners sein Essen mit einem Fremden und wäscht ihm dann noch die Füße. Wenn es dagegen dramatisch werden soll, fährt Marie ganz schnell Fahrrad durch den Wald, aber man weiß gar nicht, was eigentlich davon abhängt, dass sie so schnell wie möglich irgendwo eintrifft. Und was der Satan eigentlich genau will, erfährt man auch nicht. Er ist der Satan, okay, der amtliche Gegenspieler Gottes – aber er und Jesus wollen ja das Gleiche: den Weltuntergang. Angesichts dessen wirkt die Kulmination ihrer Auseinandersetzung während der Apokalypse ziemlich lachhaft.


Das Modell Bully Herbig und Til Schweiger – Autor, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion – hat trotz seiner künstlerisch zuverlässig desaströsen Ergebnisse mit Florian David Fitz einen weiteren Vertreter erhalten. Man kann es immerhin sympathisch finden, dass Fitz etwas sehr Eigenes gewollt hat und nicht nur Schwulenwitze verfilmt oder sich am deutschen Genrekino versucht hat. Aber das hilft einem über seine eigenen Beine gestolperten Film nun auch nicht mehr auf die Füße.

Jesus liebt mich Dtl. 2012. Regie & Drehbuch: Florian David Fitz, Kamera: Stefan Unterberger, Darsteller: Florian David Fitz, Jessica Schwarz, Henry Hübchen u.a.; 100 Min., Farbe. FSK ab 12.

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