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Film

15. Januar 2013

Golden Globes: Jubel unter Elenden und Österreichern

 Von Patrick Heidmann
Glücklicher Gewinner Christoph Waltz.  Foto: dpa/Paul Drinkwate

Die Golden Globes der Auslandspresse gingen 2013 an Tom Hoopers „Les Misérables“, Michael Hanekes „Liebe“ und Ben Afflecks „Argo“. Zwar können es die Golden Globes an Prestige nicht mit den Oscars aufnehmen, doch als Event sind sie überraschend und abwechslungsreich.

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Gewinner gab es viele am Sonntagabend in Beverly Hills, wo zum 70. Mal die Hollywood Auslandspresse Foreign Press Association ihre Golden Globes verlieh. Numerisch der größte war die opulente Musical-Verfilmung „Les Misérables“, die in drei Kategorien erfolgreich war. Der Film des Regisseurs Tom Hooper, der in Deutschland im Februar in die Kinos kommt, wurde als Bester Film und für den Besten Hauptdarsteller (Hugh Jackman) in der Sparte Komödie/Musical ausgezeichnet. Außerdem erhielt Anne Hathaway den Preis als Beste Nebendarstellerin.

Dass man bei den Golden Globes die Filme aufteilt in die Bereiche Drama sowie Komödie/Musical hat Tradition – und macht einen Großteil des Reizes dieses Film- und Fernsehpreises aus, der es an künstlerischem Prestige zwar nicht mit dem Oscar aufnehmen kann, aber als Event meist sehr viel überraschender und abwechslungsreicher verläuft. Gleichzeitig birgt die Unterscheidung aber stets Irritationspotential: „Les Misérables“ etwa dürfte ohne Frage zu den dramatischsten Filmen der letzten Zeit gehören, musste sich aber als Musical mit deutlich leichtfüßigeren Komödien wie „Moonrise Kingdom“ oder „Best Exotic Marigold Hotel“ messen. Als mindestens ebenbürtiger Sieger darf sich daher Ben Afflecks „Argo“ fühlen, der als Bester Film/Drama geehrt wurde.

Trostpflaster für Affleck

Auch in der Kategorie Regie, wo man nicht nach Genres trennt, konnte sich Affleck für den CIA-Thriller durchsetzen. Vor den Augen des echten Tony Mendez, auf dessen Erlebnissen bei einer Geiselbefreiung im Iran der frühen Achtziger Jahre sein Film basiert, schien der Filmemacher und Schauspieler seinen Gewinn als Trostpflaster dafür zu sehen, dass er in einem Monat beim Oscar dieses Kunststück nicht wird wiederholen können: überraschend wurde er dort letzte Woche bei den Nominierungen übergangen.

Gejubelt wurde in der Nacht vom Sonntag auf Montag auch in Österreich. Michael Haneke setzte seinen Siegeszug fort und gewann für „Liebe“ nach der Goldenen Palme und dem Europäischen Filmpreis auch den Golden Globe für den Besten fremdsprachigen Film. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung passenderweise von Amerikas Lieblings-Österreicher Arnold Schwarzenegger. Wobei Christoph Waltz dem Ex-Gouverneur langsam diesen Rang ablaufen dürfte. Für „Django Unchained“ wurde der Wiener zum zweiten Mal in vier Jahren als Bester Nebendarsteller geehrt. Ob die Golden Globes allerdings als Wegweiser für die Oscar-Verleihung am 24. Februar zu verstehensind, bleibt fraglich. Dort wird nicht nach Drama und Komödie unterschieden, „Argo“, „Les Misérables“ und sieben weitere Filme konkurrieren direkt. Ganz zu schweigen davon, dass die 84 Auslands-Journalisten, die sich gern vom Glamour der Stars oder den PR-Geschenken blenden lassen, schon rechnerisch manchmal anders abstimmen als die fast 5800 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

2013 lassen sich anders als in den vergangenen Jahren auch im Endspurt des jährlichen Filmpreis-Marathons nicht ein oder zwei klare Favoriten ausmachen. Die Golden-Globe-Siegerliste bestätigt den Eindruck. Für Steven Spielbergs „Lincoln“ hatten sich zwar viele mehr Preise erwartet, doch immerhin setzte sich Daniel Day-Lewis als Bester Hauptdarsteller (Drama) durch. Für „Silver Linings“ und „Zero Dark Thirty“ siegten die Hauptdarstellerinnen Jennifer Lawrence und Jessica Chastain, „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ bekam den Globe für die Beste Musik. Und für „Django Unchained“ gewann neben Waltz auch Quentin Tarantino in der Drehbuch-Kategorie.

Spannende Oscarverleihung

So wahrscheinlich es also ist, dass Haneke, Day-Lewis sowie Adele (für ihren Bond-Song geehrt) auch im Februar wieder mit Dankesreden auf der Bühne stehen werden, so gut ist es möglich, dass sich Waltz doch Robert de Niro oder Tommy Lee Jones geschlagen geben muss. Viel spricht dafür, dass bei den Frauen Lawrence und Chastain die Sache unter sich ausmachen, doch auch die 85-jährige Emmanuelle Riva (für „Liebe“) oder die 9-jährige Quvenzhané Wallis (für „Beasts of the Southern Wild“), bei den Globes beide nicht nominiert, könnten für Überraschung sorgen. Als Bester Film dürfen sich neben den beiden Globe-Gewinnern auch „Lincoln“, „Zero Dark Thirty“, „Life of Pi“, womöglich gar „Liebe“ Chancen ausrechnen – das spricht für das hohe Niveau des Filmjahrgangs und für eine spannende Oscar-Verleihung.

Ob sie mit dem Unterhaltungswert der Golden Globes mithalten kann – deren TV-Preise gingen überwiegend an die Serien „Homeland“ und „Girls“ sowie den Fernsehfilm „Game Change“ – , ist nicht ausgemacht. Denn deren blendend aufgelegte, wunderbar alberne Moderatorinnen Tina Fey und Amy Poehler fehlen in Los Angeles ebenso wie Ex-Präsident Bill Clinton, der sich als „Lincoln“-Fan bekannte.

Und an die bewegende Ansprache von Jodie Foster, die den Cecil-B.-DeMille-Award für ihr Lebenswerk bekam und erstmals öffentlich ihre Homosexualität thematisierte, wird ohnehin lange keine Dankesrede herankommen.

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