kalaydo.de Anzeigen

Fantasy-Kino für Kinder: Im Feuerland

„Die Legende von Aang“ überzeugt mit einer spannenden Geschichte. Nur von der 3D-Version ist dringend abzuraten.

        

Miese Effekte, urteilten amerikanische Kritiker – aber Tricktechnik kann nicht alles sein.
Miese Effekte, urteilten amerikanische Kritiker – aber Tricktechnik kann nicht alles sein.
Foto: Industrial Light

In einer Zeit, die selbst die Ältesten nur noch vom Hörensagen kennen, lebten die Menschen in Harmonie. Es gab vier Stämme, deren Mitglieder jeweils eines der Elemente beherrschten, und einen Gott in Menschengestalt, der Luft, Wasser, Feuer und Erde gleichermaßen bändigen konnte und darüber wachte, dass keine Nation zu mächtig wurde. Dann verschwand die jüngste Wiedergeburt des Gottes, der Avatar, und machte den Weg frei für die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts. Seitdem kreuzen die Schiffe der Feuerbändiger über die Meere, um mit ihren Rußschwaden ein noch weitaus giftigeres Machtstreben in alle Himmelsrichtungen zu spucken. Grausam haben sie die anderen Nationen unterjocht und das Bändigen der übrigen drei Elemente unter Strafe gestellt.

Im Fantasy-Genre sind finstere Mächte mehr als nur die halbe Miete. Ohne die Ausgeburten Mordors wäre die „Herr der Ringe“-Trilogie ein nicht auszuhaltendes Ringelspiel, und die „Narnia“-Verfilmungen erweisen sich auch deswegen als so langweilig, weil es in ihnen zwar einen Jesus mit Löwenmähne gibt, aber niemanden, dem man den Teufel abnehmen würde.

Das ist in M. Night Shyamalans „Die Legende von Aang“, dem ersten Teil einer geplanten Fantasy-Trilogie, zum Glück ganz anders. Hier herrscht der von Cliff Curtis gespielte Feuerlord Ozai so unnachgiebig, dass er seinen Sohn verstößt, als dieser einen leisen Anflug von Gewissen zeigt.

Nun irrt der gebrandmarkte Prinz über die Meere, um seinem wenig väterlichen Vater das einzige zu bringen, was ihn in dessen strengen Augen rehabilitieren kann: den Avatar. Da trifft es sich gut, dass dieser gerade aus seinem hundert Jahre währenden Schlaf erwacht.

Für die US-Kritiker war nicht der grimmige Ozai der Schurke der Saison, sondern sein Regisseur. Zwar spielt M. Night Shyamalan schon lange nicht mehr den Heilsbringer des Kinogeschäfts, aber so einhellig wie in diesem Sommer wurde der Stab denn noch nicht über ihn gebrochen.

Miese Effekte wurden moniert, dazu eine esoterisch verbrämte und holprig erzählte Kindergeschichte und vor allem die Idee, die bunte Nickelodeon-Anime-Serie „Avatar – Der Herr der Elemente“ in einen düsteren Realfilm zu verwandeln.

Tatsächlich sehen die Effekte nicht so aus, als sollten sie das kindliche Publikum überwältigen. Man muss schon daran glauben wollen, dass die Elemente hier dem menschlichen Geist aufs Wort gehorchen. Aber seit wann entscheidet die Tricktechnik über die Qualität einer Geschichte? Und diese hier ist weit besser, als es im Fantasy-Genre üblich ist.

Ausdrücklich gewarnt sei allerdings vor der überall beworbenen 3D-Fassung des Films. „Die Legende von Aang“ wurde in herkömmlicher Aufnahmetechnik gedreht und nach Fertigstellung auf den dreidimensionalen Effekt „hochgerechnet“. Dieser Transfer ist leider so schlecht gelungen, dass die fantastische Fremdheit dieser Welt unter dem rußigen Schleier der Feuerbändiger unterzugehen scheint. Wer 2D schaut, spart deswegen nicht nur Geld, sondern sieht auch den schöneren Film.

Die Legende von Aang. USA 2010, Regie: M. Night Shyamalan, 99 Min.

Autor:  Michael Kohler
Datum:  18 | 8 | 2010
Kommentare:  2
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Video

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

FR-Spezial

Alle Hintergrundberichte, Filmkritiken, Interviews und Schlagzeilen rund um die 62. Berlinale im FR-Spezial.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

TV-Kritik
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Indianer-Squaw in Türkis: Für Joan Franka und die Niederlande hat es nicht gereicht.
ESC 2012 Halbfinale 
Höhepunkt des 1. ESC-Halbfinales: der Auftritt der Buranowski Babuschki.
Eurovision Song Contest in Baku 
Jogger an der Außenalster in Hamburg.
TV-Kritik "Der adidas Check"