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Film

14. März 2013

Im Kino: „Hai-Alarm am Müggelsee“: Wegwerfhumor zum Gähnen

 Von Philipp Bühler
Benno Fürmann spielt den Lokalfürsten.  Foto: X-Verleih

Leander Haußmann und Sven Regener liefern eine Parodie auf den "Weißen Hai" ab - das Ergebnis schreit nach einer Neudefinition des Wortes "lustig".

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Der Filmtitel will uns aufscheuchen, doch Panik wäre der falsche Weg. Auch, ja gerade in Fällen größter Not, möglicherweise nationaler Katastrophen wie zum Beispiel einer neuen Komödie von Leander Haußmann heißt es: Ruhe bewahren, Fakten sichten, Schaden lokal begrenzen. Sorry, Berlin-Friedrichshagen!

Hier, wo Haußmann lebt, hat er auch seinen neuen Film gedreht. Mit im Boot ist der Sänger und Autor Sven Regener, dessen Roman „Herr Lehmann“ er im Jahr 2003 fürs Kino adaptierte. Für „Hai-Alarm am Müggelsee“ haben die beiden Kumpels eine eigene Produktionsfirma gegründet, die Müggelfilm, mit einem eigenen Logo, auf dem sie recht lustig dreinschauen. Im Film machen sie nahezu alles selbst, auch die lustige Musik.

Lustig ist übrigens ein Wort, über das man nach diesem Film sehr viel nachdenkt. Ob die beiden das auch getan haben, ist allerdings fraglich. Mit belasteten Begrifflichkeiten wie Klamauk, Nonsens oder auch Zumutung lässt sich schwer beschreiben, was das Duo Haußmann und Regener hier treibt. Offensichtlich ist ihr Film eine Parodie auf den Klassiker „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg. Merkwürdige Ereignisse im und am Müggelsee, der sich in Berlin-Friedrichshagen befindet, rufen das entsprechende Personal auf den Plan. Dazu gehören Michael Gwisdek als Bademeister mit abgebissenem Arm, quasi das Opfer; Tom Schilling als neunmaldummer Fischexperte; eine großbusige Expertin für Marketing und der obligatorische Hai-Jäger. Als Bürgermeister müht sich Henry Hübchen im kommunalpolitischen Interessenabgleich, derweil Detlev Buck als Polizist das Badeverbot bewacht, für ältere Damen aber gern eine Ausnahme macht. So weit, so zotig.

Was aber macht die alte Frau da vor dem Rathaus? Sie hält ein obszönes Schild („Ficken“) in der Hand und schweigt. Es ist Katharina Thalbach. Irgendjemand hat sie hierhin gestellt. Die Verweigerung jeglichen Schauspiels freilich ist Teil des Programms. Haußmann und Regener haben gar nicht vor, irgendwelche Genrekonventionen durch den Kakao zu ziehen oder durch Übertreibung kenntlich zu machen. Von Kinovorbildern wie „Die nackte Kanone“, aber auch aus Fernsehserien wie den „Simpsons“ klaut man sich lediglich ein paar Humortechniken wie die Wiederholung ein- und desselben Gags, der durch seine Wiederholung überhaupt erst zum Gag wird. So zerstört Benno Fürmann als Lokalfürst eine Kamera, das heißt: Er zerstört sie ein geschätztes Dutzendmal. Wie durch ein Wunder ist die Szene kein einziges Mal lustig! Aber die Autoren haben ihren Punkt gemacht. Ihr Film ist Trash um des Trashs willen. Doch schlampig hingerotzte Witzimitate und dilettantisches Schauspiel, nur allzu leicht als brechtscher Verfremdungseffekt missdeutet, sind einfach zu wenig.

Behaupten können sich lediglich Henry Hübchen und Friedrichshagen: Haußmann widmet dem Berliner Ortsteil eine wirklich schöne Plansequenz, in der sich der Bürgermeister mitsamt Entourage, Luftballons verteilend und ansonsten völlig planlos, durch den halben Ort krakeelt. Ähnlichkeiten zu real Regierenden sind garantiert unbeabsichtigt. Zu kommunalpolitischen Brandherden wie einem unfertigen Großflughafen hat dieser müde filmische Bubenstreich so wenig Bezug wie zu irgend etwas sonst. Es ist eben nur ein Hai-Alarm. Kein Grund zur Aufregung.

Hai-Alarm am Müggelsee Dtl. 2013. Buch & Regie: Leander Haußmann, Sven Regener, Kamera: Jana Marsik; 103 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

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