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Film

26. Oktober 2012

James Bond - „Skyfall“: Ein Bond mit Charakter

 Von Anke Westphal
James Bond (Daniel Craig) in „Skyfall“. Foto: dpa

James Bond ist 50 und besser denn je - Patriotismus, Pillen und Alkohol halten ihn zusammen. Neben 007 glänzen in „Skyfall“ vor allem Judi Dench als M und Javier Bardem als Cyber-Terrorist.

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James Bond ist 50 und besser denn je - Patriotismus, Pillen und Alkohol halten ihn zusammen. Neben 007 glänzen in „Skyfall“ vor allem Judi Dench als M und Javier Bardem als Cyber-Terrorist.

Überall ist es dasselbe: Redliche Menschen müssen sich vor irgendwelchen Bürokraten dafür rechtfertigen, dass sie ihre Arbeit tun und dabei älter werden. Mit „Skyfall“, dem neuen James-Bond-Film, haben Jugendwahn und Evaluierungsirrsinn auch den britischen Geheimdienst MI6 erreicht. Und so steht dessen Grande Dame M vor einem Mann namens Mallory und soll erklären, weshalb sie gewisse Dinge so und nicht anders entscheidet. Und warum eine geheime Liste mit den Namen aller Nato-Agenten, die in Terror-Netzwerke eingeschleust wurden, einem unbekannten Gegenspieler in die Hand fiel. Mallory legt M die Pensionierung nahe. Dabei ist M (Judi Dench) noch lange nicht 80! M hat sich nichts vorzuwerfen. Ihre Agenten haben sich keineswegs geschont, als sie dem Feind den Datenträger abzujagen versuchten. Bond fing dabei sogar einen Schuss ein, der dem Dieb galt.

Bond – tot? Das kann nicht sein, denn sonst wäre dieser Film schon zu Ende nach den ersten 25 Minuten, die eine der spektakulärsten Verfolgungsjagden der Bond-Geschichte zeigen. Es macht doch immer was her, wenn Agenten einander auf einem Basar jagen; viel farbenfrohes Obst und Gemüse muss dran glauben, während die Kunden mit schreckgeweiteten Augen zur Seite hechten. Durch Istanbul verfolgt Bond, James Bond, den Datenräuber. Auf schmalen Dachstegen rasen beide mit Mopeds dahin, bevor sie aufs Oberdeck eines nicht gerade langsam fahrenden Zugs springen und Agent 007 eben dort eine Planierraupe kapert zum Zwecke der Feindbekämpfung. Im Improvisieren war der Mann schon immer unschlagbar. Doch dann fällt dieser Schuss, und M hat ihn angeordnet. Nun beginnt „Skyfall“ erst, und zwar mit einem der gruftigsten Vorspänne, die man je gesehen hat. Knochen, Kreuze, Blut.

Der Anzug sitzt figurbetont

Dies ist der 23. Bond-Film und der dritte, in dem Daniel Craig als 007 agiert. Das tut er längst nicht mehr so superheldenhaft wie früher, was nicht allein an der Verletzung liegt, die Bond natürlich überlebt. Jetzt ist er nun mal runde 50 Jahre alt. Da mag der Anzug so figurbetont sitzen wie bei einem 30-jährigen Investmentbanker – Bonds Körper erinnert sich an all die harten Einsätze. Und diese Erinnerungen wollen ausgehalten werden. Nach dem Vorspann sehen wir Bond ein Glas Whisky – eins von vielen – leeren, während ein Skorpion auf seinem Handrücken lauert. Wir sehen, wie Bond vor dem Spiegel blaue Pillen einwirft, garantiert keine Vitamine. Wir sehen, wie seine Hand zittert beim Schützentest in Churchills ehemaligem Bunker, nachdem er in den Dienst zurückgekehrt ist. Obwohl er sauer ist auf M wegen des Schusses, der ihn traf. Aber was zählt das schon. Ein Bombenanschlag sollte M töten, doch andere Kollegen kamen dabei um.

Die Geheimdienstchefin ist denn auch der eigentliche Mittelpunkt von „Skyfall“, nicht Bond. Aber der Agent ist ja auch keine innen und außen verchromte Bang-Bang-Figur mehr, sondern ein Mensch, sogar ein Charakter. Bond hat eine Heimat und eine Geschichte (nicht nur eine mit M); auf beides bezieht sich dieser Film immer wieder wunderbar beiläufig. Ja, Bonds Aston-Martin kommt vor, aber über das sonstige althergebrachte Agenteninventar macht sich der neue Q eher lustig: „Explodierende Kugelschreiber? Machen wir nicht mehr!“

Nicht nur ironisch, aber durchweg souverän wird in „Skyfall“ mit der langen Geschichte der Bond-Serie und ihres Helden umgegangen. Verglichen mit Q (Ben Wishaw), der noch Pickel hat, ist Bond ein alter Mann und dazu derart unfit, dass er den Gesundheitstest beim MI6 nicht besteht. M fälscht das Ergebnis, denn es geht hier nicht allein um die Arbeit zweier Veteranen, sondern um die Existenz ein Institution. Der MI6 soll umgestaltet, wenn nicht in Teilen aufgelöst werden. In einer großartigen Szene argumentiert M vor einem Ausschuss mit der Lyrik Tennysons – es ist eine geradezu heroische öffentliche Anrufung jener Traditionen, auf denen Großbritannien, der Geheimdienst und M selbst gründen, very british.

Wunderbare Ästhetik

Dieser Bond wird, so sagt er selbst, von Patriotismus, Pillen und Alkohol zusammen gehalten. Und noch nie hat ein Bond-Film so viel Spaß gemacht! Das Team von „Skyfall“ hat nämlich ein Kulturgut vom Fluch der Folklore erlöst. Die Regie von Sam Mendes („American Beauty“) ist ästhetisch; das Drehbuch von John Logan, Neal Purvis, Robert Wade und Paul Epworth vermittelt die viele Action, die ja nicht fehlen darf, mit Freudianischen Motiven, die wiederum für einen triftigen erzählerischen Hintergrund sorgen. Javier Bardem gibt als Cyber-Terrorist Silva einen alptraumhaften Bösewicht. Judi Dench hat viel zu spielen! Und der große Albert Finney darf James Bond einen „hochnäsigen kleinen Scheißer“ nennen!

Dazu kommt die überwältigende Kamera von Roger Deakins. Irgendwann gibt es in diesem Film eine Kampfszene zwischen Bond und einem Handlanger Silvas in einem Wolkenkratzer in Shanghai: Vor einem nachtblauen Himmel, in dem weiße Lichter gleißen, sieht man zwei schwarze Silhouetten miteinander ringen, fast wie Schattentheater. Man hält den Atem an ob der schieren Schönheit dieser Szene. M weiß: Aus dem Schatten kommen die Gegner.

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