Film

01. November 2012

James Bond: Britischer als jede Bulldogge

 Von Barbara Klimke
Hommage an Großbritannien - und an James Bond: Ein Model präsentiert eine Leder-Kreation des Modedesigners Daniel Rodan aus der "Bond-Kollektion". Foto: dpa

James Bond kehrt in Skyfall - very British - zu seinen Wurzeln zurück. Der Geheimdienst MI6 profitiert in der Realität von der neuen Bond-Welle - und wirbt mit dem Kult-Agenten neue Mitarbeiter an.

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Ein Nachrichtensprecher der BBC ist vermutlich das Letzte, was das Publikum im neusten James-Bond-Film erwartet hätte: Sonore Stimme, öffentlich-rechtliche Seriosität und Silberhaar sind Stimmungskiller für jeden Spionage-Thriller. Und dennoch ist es eindeutig der Moderator der 10-Uhr-News Huw Edwards der in „Skyfall“, dem 23. Bond-Film, in einer unvergleichlichen Mischung aus Betroffenheit und Distanz berichtet, dass gerade das Hauptquartier des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 in die Luft geflogen ist.

Auch die gute, alte BBC spielt somit eine kleine Rolle in „Skyfall“. Das ist nur konsequent für einen Bond-Film, der diesmal britischer als jede britische Bulldogge ist. „Zurück zu den Wurzeln“, wollte Sam Mendes, der britische Regisseur mit seinem 007. Und so lässt er ihn, nach den üblichen Abstechern in exotische Gefilde, das Vereinigte Königreich retten.

Welcher Bond-Film ist der beste?

Patriotischer Einsatz

Der patriotische Einsatz erstreckt sich von der National Gallery in London bis ins schottische Hochmoor, er führt ihn an mehr Postkarten-Motiven vorbei als zuletzt der olympische Marathon.

Von Gangstern und Geliebten

Sam Mendes wurde 1965 im englischen Reading als Sohn eines Schriftstellerehepaars geboren. Er studierte an der Universität Cambridge Englisch.

Zunächst inszenierte Mendes am Theater. Doch gleich sein erster Spielfilm „American Beauty“ (1999) katapultierte den Regisseur in Hollywoods erste Liga. Mit fünf Oscars und drei Golden Globes (beide Male auch für die Regie) ausgezeichnet, wurde „American Beauty“ sofort ein Klassiker.

Mendes’ zweiter Film, „Road to Perdition“ (2002), ist eine aus der Sicht eines Jugendlichen erzählte Gangstersaga aus den 1930ern im Umkreis irischer Mobster. Als dritte Kinoarbeit legte der Brite das Irak-Kriegsdrama „Jarhead“ (2005) vor.

Den Roman „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates adaptierte der Regisseur im Jahr 2008 für das Kino.

Im Grunde war das zu erwarten, nachdem James Bond bei der Olympia-Eröffnungsfeier schon mit der Queen aus dem Hubschrauber sprang. Der Fremdenverkehrsverband jedenfalls ist entzückt: Erstmals wurde ein Bond-Film für eine Werbekampagne eingespannt, weil „Skyfall“ den Touristen nach Meinung der Behörde zeigen kann, „was groß an Großbritannien ist“.

Noch erstaunlicher aber ist, dass sogar der Geheimdienst mit 007 wirbt. „Wir wissen ja, wie Spione arbeiten, nicht wahr? Verdeckte Ermittlungen, Verfolgungsjagden und Schießereien in Casinos“, heißt es in Anspielung auf „Skyfall“ in ganzseitigen Annoncen, die der Dienst in Tageszeitungen schaltet.

Der MI6 sucht neues Personal, indem er auf clevere Weise mit dem Mythos spielt. Agenten, heißt es da, müssen keinesfalls dem weißen, männlichen Stereotyp entsprechen, und sie müssen auch keine Egoisten oder Globetrotter sein. Tatsächlich könnte ihre aufregendste Reise darin bestehen, täglich in die Londoner Innenstadt zu pendeln: Viele Jobs im Hauptquartier seien ausgesprochen „familienfreundlich“.

Dass James Bond beim familienfreundlichen MI6 Anstellungschancen hätte, erscheint zweifelhaft. Aber der langweile Büroalltag von 007 in einer Behörde würde weder Kinobesucher noch Touristen hinterm Ofen hervorlocken.

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