Film

01. November 2012

James Bond Regisseur Mendes: "Mit Craig wurde Bond neu erfunden"

Der Regisseur Sam Mendes (r.) bei den Dreharbeiten mit seiner Darstellerin Judi Dench in der Rolle von M. Foto: Sony Pictures

Mit Sam Mendes führte der erste Oscar-Gewinner in der 50-jährigen Bond-Geschichte Regie. Das Wagnis hat sich ausgezahlt - kommerziell wie künstlerisch. Ein Gespräch mit dem "Skyfall"-Regisseur.

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Der Hauptdarsteller Daniel Craig selbst war es, der seinen Freund Sam Mendes als Regisseur für den neuen Bond-Film „Skyfall“ ins Spiel brachte. Und weil die Produzenten der 007-Reihe spätestens seit deren Neustart mit „Casino Royale“ Gefallen gefunden hatten an unerwarteten Entscheidungen, ließen sie den in Sachen Action eher unerfahrenen Briten Mendes tatsächlich zum Zug kommen – übrigens als ersten Oscar-Gewinner in der 50-jährigen Bond-Geschichte. Ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat, künstlerisch wie kommerziell. Nicht nur die Kritiker jubeln; in Großbritannien spielte „Skyfall“ gleich am ersten Wochenende mehr Geld ein als jedes andere Bond-Abenteuer vor diesem Film.

Mr. Mendes, „Skyfall“ bricht bereits Rekorde und gilt vielen schon als eines der besten 007-Abenteuer aller Zeiten. Schade, dass Sie trotzdem keinen weiteren Bond-Film drehen wollen, wie man gerade lesen konnte.

Wo haben Sie das denn her? Das habe ich so nie gesagt. Ich habe zu der Frage nach einem möglichen weiteren Bond-Film bisher immer das gleiche gesagt, was ich jetzt auch Ihnen sage: Ich konnte in „Skyfall“ alles umsetzten, was ich mir immer für einen Bond-Film vorgestellt und vorgenommen habe. Sofern ich diese Möglichkeit noch einmal bekäme, könnte ich durchaus interessiert sein. Aber letztlich ist es mir auch ein bisschen zu albern, darüber jetzt schon zu sprechen, wo der aktuelle Film gerade erst in die Kinos kommt.

Welcher Bond-Film ist der beste?

Lustigerweise hatten Sie selbst ja Daniel Craig anfangs für eine Fehlbesetzung gehalten, nicht wahr?

Als ich hörte, dass er der nächste James Bond werden würde, konnte ich mir das damals einfach nicht vorstellen. Beim Gedanken an 007 hatte ich Roger Moore und Pierce Brosnan im Kopf. Dass Daniel besonders viel Spaß daran haben würde, sich diesem Bond-Image anzupassen, erschien mir zweifelhaft. Allerdings wusste ich natürlich nicht, dass Bond neu erfunden werden würde. Deswegen wusste ich schon nach den ersten 30 Sekunden von „Casino Royale“, dass ich mich geirrt hatte. Prompt war auch mein Interesse an Bond, dass viele Jahre lang eingeschlafen war, wieder geweckt.

"Alle die Dinge, die man von Bond erwartet"

Kam Ihnen damals schon der Gedanke, dass Sie mal einen der Bond-Filme selbst inszenieren könnten?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Bis zu jenem Moment, als Daniel – mit dem ich schon bei „Road to Perdition“ gearbeitet hatte – mich auf einer Party in New York fragte, ob ich nicht beim nächsten Bond-Film die Regie übernehmen wolle. Ohne dass mir in jenem Moment bewusst war warum, habe ich sofort ja gesagt. Das erfolgte instinktiv, denn ich wusste wohl irgendwie, dass ein solcher Film für mich etwas ganz Neues und eine echte Herausforderung werden würde. In jener Phase fühlte ich mich beruflich ein wenig festgefahren. Also wollte ich mich wohl selbst ein wenig schocken.

Und wie groß war der Schock? Das Bond-Universum wird ja mit sehr strenger Hand von den Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson geleitet. Es gibt ganz bestimmte Regeln zu beachten. Ist das für einen Regisseur wie Sie nicht furchtbar einengend?

Das hätte es womöglich werden können. Ich habe von Anfang an vor einer Katastrophe gewarnt, falls die beiden für Bond nicht die gleiche Richtung im Sinn gehabt hätten wie ich. Also habe ich eine Liste vorgelegt, was ich mit Bond und der Geschichte alles vorhatte.

Zum Beispiel?

Das meiste davon würde an dieser Stelle dem Leser zu viel von der Handlung verraten. Lassen Sie es mich so sagen: Die beiden haben alles akzeptiert, ich musste in dieser Hinsicht keine Zugeständnisse machen. Man war wohl wirklich nicht bloß an irgendeinem, sondern an meinem Bond-Film interessiert. Abgesehen davon wollte ich ja das Rad nicht neu erfinden, sondern hatte auch große Freude daran, all die Dinge, die man von einem Bond-Film erwartet, in die Geschichte zu integrieren.

Sind Sie dazu die Arbeiten Ihrer Vorgänger noch einmal durchgegangen, um gewisse Bond-Standards einzuhalten?

Nein, im Gegenteil. Ich wollte möglichst keine anderen Filme im Kopf haben, als ich mich an die Arbeit machte. Aber ich habe mir die Bücher von Ian Fleming vorgenommen. Von ein paar Schocks und etwas zusätzlich angerichtetem Schaden abgesehen, gibt es in unserer Geschichte im Grunde nichts, was man nicht auch schon bei Fleming findet. Unser Film atmet den gleichen Geist wie seine Bücher. Alles neu und anders machen zu wollen, kann eine schöne Idee sein. Aber meistens auch unmöglich, denn letztlich gibt es nicht mehr als fünf Geschichten, die man im Kino erzählen kann. Deswegen geht es um das Wie des Erzählens, weniger um das Was.

Was macht denn nun aber Ihre Art des Erzählens konkret aus?

Mir kommt es auf Details an, psychologische Details, Abgründe und verschiedene Ebenen in den Figuren und der Geschichte. Nur so kann man dafür sorgen, dass die Zuschauer sich wirklich für James Bond interessieren. Das war ja zuletzt nicht unbedingt immer der Fall; es gab Zeiten, da schien er kaum mehr als eine Requisite zu sein. Es war quasi eine Selbstverständlichkeit, dass er da war. Und daran, dass Bond am Ende überleben würde, zweifelte niemand mehr. Da ging es dann nur noch um die Welten, in denen er sich bewegte, nicht mehr um ihn als Person. Das wollte ich ändern. Aber wie gesagt: Dafür habe ich nichts hinzuerfinden oder mir ausdenken müssen, sondern mich einfach bei Fleming bedient.

50 Jahre alter Scotch

Bei diesem Versuch dringen Sie mehr als je zuvor in Bonds Psyche, in seine Biografie und Vergangenheit ein. Wie weit kann man da gehen, ohne dass man den Mythos 007 zerstört?

Ungefähr so weit, wie wir es nun tun. James Bond selbst spricht nicht über diese Dinge, auch in „Skyfall“ nicht. Das was man enthüllen kann, muss also darüber geschehen, was man zeigt. Die Diskussionen darüber, was in dieser Hinsicht alles möglich ist, waren lang. Wir sehen nun, wo er aufgewachsen ist, aber er selbst sagt dazu nur: Ich habe diesen Ort immer gehasst. Alles andere ergibt sich, wenn überhaupt, aus den anderen Figuren.

Solchen Neuerungen zum Trotz gibt es auch viele Verweise auf Elemente früherer Filme. Q taucht wieder auf, selbst den alten Aston Martin holen Sie aus der Garage. Ist das dem 50. Jubiläum dieser legendären Filmreihe geschuldet?

Die einzige echte Anspielung auf den runden Geburtstag ist ein 50 Jahre alter Scotch, der in einer Szene eine Rolle spielt. Alles andere war einfach meine Art, die Geschichte in der Bond-Tradition zu verankern. Es geht in „Skyfall“ um den Gegensatz von Alt und Neu. Dafür fand ich den Aston Martin als Symbol ideal. Wenn man einen Bond-Film inszeniert, muss man irgendwie die Begeisterung wieder wachrufen, die man als Zwölfjähriger für 007 verspürt hat. Für mich hat damals nichts so sehr James Bond ausgemacht wie dieses Auto. Also musste ich einen Weg finden, es in diesen Film einzubauen.

Interview: Patrick Heidmann

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