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Film

14. März 2013

Judd Apatow: Hollywood wollte er nicht verändern

Eine schrecklich nette Familie: Charlotte (Iris Apatow), Sadie (Maude Apatow), Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann, v. l.). Foto: AFP/Robyn Beck

Hinter vielen amerikanischen Komödienhits steckt ein Name: Judd Apatow hat als Regisseur, Autor und Produzent das Kino geprägt.

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Kein Name ist so eng mit Hollywoods Komödien-Boom der letzten Jahre verbunden wie der von Judd Apatow. Er begann seine Karriere mit Fernsehserien, bevor er mit „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ seinen ersten Kinofilm drehte. Als Autor oder Produzent zeichnet er allerdings für so ziemlich alles verantwortlich, worüber Fans und Kritiker gleichermaßen lachen: von Filmen wie „Superbad“ oder „Brautalarm“ bis hin zur Kultserie „Girls“. In Apatows vierter Regiearbeit, „Immer Ärger mit 40“ (ab heute im Kino), geht es um die Eheleute Debbie und Pete, die kurz vor ihrem 40. Geburtstag stehen und sich vorm Älterwerden fürchten.

Mr. Apatow, das Drehbuch zu „Immer Ärger mit 40“ soll autobiografisch inspiriert sein. Sehen wir im Film den Ehealltag von Ihnen sowie Ihrer Frau und Hauptdarstellerin Leslie Mann?

Gut ein Drittel der Ideen zum Film basiert auf unserem eigenen Leben, ein Drittel auf den Erfahrungen unserer Freunde, und all die wirklich peinlichen Sachen stammen aus der Ehe meines Hauptdarstellers Paul Rudd. Aber Spaß beiseite: Der Kern der Geschichte, ihre emotionale Wahrhaftigkeit, ist natürlich persönlich. Da geht es um Sorgen, Ängste und Probleme, die wir zu Hause auch haben. Und von denen ich glaube, dass sie vielen Ehepaaren und Familien unserer Generation bekannt vorkommen.

Hat Leslie Mann am Drehbuch mitgeschrieben?

Das nicht. Aber ich tausche mich von Beginn an mit ihr aus und will ihre Meinung hören. Nicht nur, aber auch aus der Sicht einer Frau. Nach all den Jahren sind wir auch beruflich ein Team. Bei „Immer Ärger mit 40“ basieren viele Szenen mit Debbie auf Einfällen von Leslie, selbst wenn ich sie zu Papier gebracht habe.

In all Ihren Filmen wirkt es, als würden die Schauspieler sehr viel improvisieren.

Der Eindruck stimmt nur bedingt, Das Entscheidende ist die enge Zusammenarbeit mit den Schauspielern. Schon für die erste, noch unausgegorene Drehbuchfassung hole ich sie mit ins Boot, um alles durchzuarbeiten. Die Gespräche und Improvisationen dabei lasse ich in die nächste Fassung einfließen. So wiederholt sich das immer wieder bis zu den Dreharbeiten. Am Set habe ich dann meist ein Drehbuch, aber auch unzählige zusätzliche Ideen, die auf dem Weg dahin entstanden sind, und die wir möglichst ausprobieren. Außerdem wissen meine Schauspieler, dass sie alle Freiheiten haben, wenn ihnen etwas Besseres als mir einfällt.

        

Er hört auf Frauen: Judd Apatow.
Er hört auf Frauen: Judd Apatow.

Ihre Filme sind fast immer über zwei Stunden lang – für Komödien eher ungewöhnlich.

Die Zuschauer sehen immer die extrem gekürzten Versionen. Es gibt immer so viele Szenen, die ich mag. Außerdem braucht man manchmal ein bisschen länger, um die Figuren im Film wirklich kennenzulernen und ihnen Tiefe zu verleihen. Abgesehen davon bin ich mit 134 Minuten noch harmlos. Bergmans’ „Szenen einer Ehe“ dauern sechs Stunden!

Sie haben als Regisseur wie Produzent stets einen wesentlich größeren Fokus auf starke und witzige Frauenrollen gelegt, als sonst in Hollywood-Komödien üblich. Wann wurde Ihnen klar, dass da Nachholbedarf besteht?

Das lief nicht bewusst, sondern eher organisch ab. In meinem ersten Job überhaupt schrieb ich Gags für die Komikerin Roseanne Barr, das wird mich schon mal geprägt haben. Meine erste Serie „Freaks and Geeks“ drehte sich um ein Mädchen in der High School. Ich mag Frauen besonders, wenn sie witzig sind. Und bei Leslie erlebe ich oft genug, wie schlecht die Angebote für Schauspielerinnen sind.

Halten Sie gezielt Ausschau nach weiblichen Talenten?

Nein, viele meiner Arbeiten verdanken sich einfach glücklichen Zufällen. Lena Dunham lernte ich vor ein paar Jahren kennen, fand sie brillant, und aus der Idee einer Zusammenarbeit heraus entstand ihre Serie „Girls“. Kristen Wiig begegnete ich beim Dreh zu „Beim ersten Mal“ und beschloss damals, mit ihr einen Film zu drehen, woraus dann „Brautalarm“ entstand. Aber da ging es immer mehr darum, dass ich gern mit diesen Menschen arbeiten wollte, und nicht in erster Linie darum, Hollywood zu verändern.

Interview: Patrick Heidmann

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