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Film

24. Dezember 2012

Kino: Nur französische Komödien?

 Von Gerhard Midding
Diane Kruger - das Gesicht einer Revolution auf dem deutschen Kinomarkt?  Foto: dapd

Französische Komödien erleben in deutschen Kinos ein bemerkenswertes Comeback. Allerdings: Die „Sch’tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ sind Phänomene, die sich nicht wiederholen lassen.

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In der französische Tageszeitung Le Figaro war kürzlich zu lesen, Diane Kruger sei gerade dabei, eine Revolution auf dem deutschen Filmmarkt einzuleiten. Um die Heiratskomödie „Liebe den Nächsten“ hier zu Lande besser bewerben zu können, soll die bei Braunschweig geborene Schauspielerin einen Bonus von 300.000 Euro erhalten. Ich weiß nicht, ob es in der Bundesliga üblich ist, Fußballern ein Heimspiel mit Zusatzprämien schmackhaft zu machen. Im hiesigen Filmgeschäft ist dies laut Le Figaro jedenfalls ein Novum.

Obwohl Diane Kruger bislang nicht durch nennenswertes komisches Talent aufgefallen ist, setzt der Verleih große Erwartungen in den Film. Allerdings ist Krugers Leinwandpartner auch Dany Boon, von dem man seit „Willkommen bei den Sch’tis“ weiß, dass er sehr ulkig sein kann.

Tatsächlich erleben französische Komödien nicht erst seit dem triumphalen Erfolg von „Ziemlich beste Freunde“ in deutschen Kinos ein bemerkenswertes Comeback. Nachdem ein Vierteljahrhundert lang die eiserne Regel galt, nichts ließe sich auf dem europäischen Binnenmarkt schlechter exportieren als Humor, sind Komödien aus dem Nachbarland wieder eine begehrte Alternative zur Hollywood-Ware geworden.

Begrenztes Angebot

Das wäre erfreulich, würden deutsche Verleiher nicht allzu oft auf die falschen Pferde setzen. Wenn man Pariser Kollegen berichtet, welche französischen Filme bei uns anlaufen, erntet man nur Kopfschütteln. Titel wie „Paris Manhattan“, „Und nebenbei das große Glück“ oder „Sag, dass du mich liebst“ sind Tageszeitungen wie Le Monde und Libération allenfalls eine kurze Notiz wert. Dort feiert man unbeirrt den Autorenfilm, dem das französische Kino seine internationale Ausstrahlung verdankt.

Was Frankreich an echten filmischen Ereignissen zu bieten hat, bildet das hiesige Angebot hingegen immer weniger ab. Deutschland ist der einzige wichtige Kinomarkt, auf dem nie ein Film des weltweit gefeierten Regisseurs Arnaud Desplechin lief.

Die „Sch’tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ sind Phänomene, die sich nicht wiederholen lassen. Bei aller Formelhaftigkeit besitzen sie doch eine Originalität, die viele Nerven trifft. Was in ihrem Fahrwasser in unsere Kinos gelangt, erschöpft sich in der Imitation seichter Hollywood-Muster.

#gallery

Der Film „Die Köchin und der Präsident“, der originär französische Vorstellungen von Tradition verhandelt, ist eine beinahe heroische Ausnahme des Trends. Diane Krugers Gratifikation ist übrigens auch ein Indiz schleichender Amerikanisierung: Seit Jahren beklagen sich französische Schauspieler, dass sie im Gegensatz zu ihren Hollywood-Kollegen für PR-Arbeit nicht extra bezahlt werden.

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