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Film

10. August 2012

Kino Robert De Niro "Red Lights": Hellseher gegen Psychologen

 Von Daniel Kothenschulte
Dämonisch: Robert De Niro als Hellseher Simon Silver. Foto: Wild brunch

Sigourney Weaver legt zwielichtigen Gauklern das Handwerk und Robert De Niro verführt als Hellseher die Massen: „Red Lights“ ist ein liebevoll altmodischer Thriller, dessen Personen sich mit dem Übernatürlichen beschäftigen - ohne große Spezialeffekte.

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Sigourney Weaver legt zwielichtigen Gauklern das Handwerk und Robert De Niro verführt als Hellseher die Massen: „Red Lights“ ist ein liebevoll altmodischer Thriller, dessen Personen sich mit dem Übernatürlichen beschäftigen - ohne große Spezialeffekte.

Film ist Schaustellerei, ist „Make Believe“, wie die Amerikaner sagen. Und selbst als die Fotografie das Laufen noch nicht gelernt hatte, konnte sie schon in das Jenseits schauen: Im 19. Jahrhundert gab es einen regelrechten Boom für Geisterbilder. In einer bemerkenswerten Szene erinnert „Red Lights“ an dieses versunkene Kapitel der Mediengeschichte. Es ist ein Thriller über Akademiker, die versuchen, Hellsehern in die Karten zu schauen. Als sich der berühmte Parapsychologe Simon Silver für Tests in der Universität einfindet, setzt man ihn vor drei Fotoapparate: eine Digitalkamera; eine Kamera, die 35-mm-Rollen verarbeiten kann; und eine Veteranin, die Polaroids ausspuckt. Bei dem Experiment ist die Polaroidkamera die einzige, die Geisterbilder aufnimmt: Verschwommene Eindrücke, angeblich aus der Geisteswelt des Probanden Silver kommend. Könnte es sein, dass dem alten Zelluloidfilm eine Magie innewohnt, die der Digitalwelt fehlt? Man kann es auch anders sehen. Der Regisseur David Lynch zum Beispiel glaubt, dass sich die Geister heute zwischen den Pixeln verstecken.

Die gute alte Kinozeit

„Red Lights“ ist allerdings kein Film, der sich bei der Darstellung des vermeintlich Übersinnlichen in experimentelle Bildwelten begeben würde. Der spanische Regisseur Rodrigo Cortés (u.a. „Buried“) erinnert in schönen, altmodischen CinemaScope-Bildern an Genreklassiker der 1970er-Jahre, besonders an „Der Schrecken der Medusa“. Um so mehr, als nun mit Sigourney Weaver und Robert De Niro zwei Stars mitwirken, die in dieser guten alten Kinozeit auf ähnliche Art mit außergewöhnlichen Kräften konfrontiert waren. Weaver bewahrte auch in der Gegenwart von fiesen Aliens einen kühlen Kopf. Und De Niro durchlebte zwischen „Taxi Driver“, „King of Comedy“ und „Angel Heart“ alle Varianten des psychopathologischen Größenwahns.

Wer Sigourney Weaver liebt, freut sich mit ihr über die schöne Rolle in „Red Lights“. Als Dr. Margaret Matheson legt sie seit zwei Jahrzehnten immer neuen Uri Gellers das Handwerk und hat die Hoffnung auf einen echten Spökenkieker lange aufgegeben. Anders als ihr Gegenspieler Dr. Shackleton (Toby Jones), dessen Abteilung sich vor privaten Spendengeldern kaum retten kann: Der Wundergläubige hat die Massen auf seiner Seite. Aber dann ist da noch die eigentliche Hauptfigur, Mathesons treuer Assistent Tom Buckley (Cillian Murphy). Sein Skeptizismus grenzt ans Fanatische – weshalb man sich bald fragt, worin denn seine eigene Beziehung zum Übersinnlichen bestehen mag. Für seine Chefin ist die Sache klar: Der gefeierte Hellseher Silver (De Niro) ist ein Massenverführer, zwar nicht der Wunder mächtig, aber doch psychologischer Tricks, derer man sich schlecht erwehren könne.

Übersinnliches in der Schaustellerei

Den Film mag man konventionell nennen, und ja, Robert De Niro chargiert fürchterlich als teuflischer Magier – der junge Mann im Regiestuhl ließ ihn gewähren. Aber das ist es ja gerade: Man fühlt sich bei diesem rührend-altmodisch erzählten Film, dessen einzige Spezialeffekte ein paar explodierende Scheinwerfer sind, umso wohler in seiner Sitzreihe.

Tatsächlich ist es gerade das Konventionelle an der Regie von Cortés, sein Gespür für Licht und Theatralik, das uns wünschen lässt, es stecke vielleicht doch etwas Übersinnliches in der Schaustellerei. Nicht zufällig waren zwei der größten Filmkünstler, Orson Welles und George Méliès, versierte Zauberkünstler. Es ist wie im Schlager „Paper Moon“: Der Mond mag aus Papier sein, der Himmel aus Leinwand. Aber all das ist so liebevoll gemacht, dass man gern daran glaubt.

Red Lights USA 2012. Buch & Regie: Rodrigo Cortès, Kamera: Xavi Gimenez; 119 Minuten, Farbe. FSK o. A.

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