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Kino: Teufelsaustreibung

Aus einem ungewöhnlichen Buch wurde ein Teenagerfilm: Marco Kreuzpaintners Preußler-Adaption "Krabat". ( mit Trailer)

Ausstattung und Personal lassen bei Krabat eher an eine Harry-Potter-Verfilmung denken.
Ausstattung und Personal lassen bei "Krabat" eher an eine Harry-Potter-Verfilmung denken.
Foto: Fox

Ottfried Preußlers wohl anspruchsvollster Roman "Krabat" bereitete schon immer den Buchhändlern Sortierprobleme. Als Märchen kann man diese Variation einer Volkssage um einen Müllerlehrling im Südsachsen des 17. Jahrhunderts gut ins Kinderregal stellen. Immerhin lernt man dort nicht nur das Müllern, sondern auch das Zaubern. Doch schon im ersten Drittel stirbt der einzige Freund des Titelhelden, der Altgeselle Tonda, eines unnatürlichen Todes. Zauberei ist eine nette Sache, doch hier finden satanistische Rituale statt. Der Müller, der tatsächlich der Teufel ist, verjüngt sich alljährlich durch ein Menschenopfer. Also wohin mit diesem Buch? Wahrscheinlich ist ein Jugendbuch ganz einfach ein Buch, dass man als Jugendlicher liest - und idealerweise nicht vergisst.

Zur Unvergesslichkeit von "Krabat" gehört auch die Erstverfilmung durch den Prager Trickfilmkünstler Karel Zeman. "Kongenial" ist ein leichtfertig gebrauchtes Adjektiv für gelungene Literaturverfilmungen, hier allerdings war es zur Abwechslung einmal angebracht. Denn Zemans mit bescheidenen Mitteln hergestellter Legetrickfilm steht in seinem Genre ebenso allein auf weiter Flur wie Preußlers Buch. Einerseits erklang da wieder dessen schnörkellose Sprache, die das phantastische Geschehen so nüchtern bezeugt, wie es das Ethos der großen Märchensammler verlangt. Anderseits lebten die blaugrauen Aquarelle von ihren Auslassungen und dem Rätsel zwischen den Bildern. Leider lässt sich dieses Filmerlebnis nicht leicht wiederholen - auf DVD ist Zemans "Krabat" nie erschienen.

Im Jahr seiner Herstellung, 1977, wurde der Regisseur des neuen "Krabat" gerade erst geboren. Auslassungen, imaginative Freiräume, sind Marco Kreuzpainter fremd. Er setzt auf das neudeutsche Zauberwort der "production values", hebt den Film mit aufwändigen Digitaleffekten, einem satten Filmorchesterklang und Soundeffekten rein äußerlich auf Harry-Potter-Standard. Und empfiehlt ihm dem breiten Publikum der "all agers" - so das zweite Zauberwort, das Kinderfilme für Erwachsene umschreibt.

Erstaunlich lückenhaft

Dieses Wort aber missversteht das Geheimnis generationsübergreifender Filmerlebnisse. Sie gelingen, wenn sich eine Generation etwas für sich erobert, das für andere gemacht zu sein scheint: Erwachsene ein Kinderbuch oder Kinder einen Erwachsenenstoff. Und wenn darüber hinaus die Ansprache, der Ton des Ganzen jenen allgemeinen Zugang schafft, der für einen Autor wie Preußler selbstverständlich war.

Kreuzpaintner hat einen sanften Teenie-Horrorfilm gedreht, der sein Publikum schon wegen seiner vorzüglichen jungen Besetzung (darunter Daniel Brühl als Tonda) finden wird. Er übernahm das Projekt von Hans-Christian Schmid, der sich mit der Produktionsgesellschaft verkracht hatte und seinen Lebenstraum vom Krabatfilm begraben musste. Bekannt für seinen psychologischen Realismus und sein dokumentarisches Interesse am Aberglauben hätte er vielleicht gerade den Realismus des Märchenhaften betont. Ein scheinbarer Widerspruch - aber auch ein Wesensmerkmal von Preußlers Kunst. Obwohl der nicht zu den Autoren gehört, die sich gerne durch Interviews erklären, nannte er "Krabat" die "Geschichte meiner Generation" - womit er die Motiv von Verführbarkeit und Gruppenzwang anspielte. Kreuzpainter wollte nicht einmal mehr den Teufel einen Teufel bleiben lassen. Dieses faustische Element zähmt er, indem er seinen Schurken zu einem schlichten Gevatter Tod verkürzt. Reduziert wird trotz erheblicher Laufzeit auch die ursprüngliche Abfolge der Jahreszeiten, der Film wirkt erstaunlich lückenhaft in den Details. Doch es ist nicht die Sorte von Auslassungen, die die Imagination beflügeln. So einzigartig Buch und Erstverfilmung in ihren Genres waren, der neue "Krabat" - und das ist eigentlich das Schlimmste - sieht aus wie alles andere auch.

Krabat, Regie: Marco Kreuzpaintner, Deutschland 2008, 120 Minuten.

Der Trailer zum Film:

Autor:  DANIEL KOTHENSCHULTE
Datum:  9 | 10 | 2008
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