In einem Saal in Hamburg stehen fabrikneue Steinway-Klaviere in Reih und Glied. Der Pianist Till Fellner huscht von einem zum anderen, klimpert, so will es dem Laien scheinen, überall ein bisschen herum, und gibt dann sein Urteil darüber ab, in welchem Instrument die Anlage zu Großem steckt. Das Zeremoniell hat etwas von Hochbegabtenförderung, nur dass statt jungen Musiktalenten Klangkörpern getestet werden. Am Ende entscheidet Stefan Knüpfer, Cheftechniker von Steinway Österreich, welches Instrument die Mühen der Feinabstimmung lohnt und was als „Dutzendware“ in die Filialen rollt. Lilian Franck und Robert Cibis bringen es in ihrem traumhaften Dokumentarfilm „Pianomania“ beinahe so weit, dass wir mit den Instrumenten fühlen; die scheinen nicht nur über individuelle Klangeigenschaften zu verfügen, sondern auch über eine Seele. Die Filmemacher haben Knüpfer monatelang bei seiner Arbeit begleitet, die weit schwieriger ist als die im Untertitel beschworene Suche nach dem perfekten Klang: Versteht soch jeder Pianist darunter etwas anderes und hat mitunter eine blumige Art, das Gewünschte zu beschreiben. Bei den schwierigen Fällen blüht Knüpfer allerdings erst richtig auf. Dem obsessiven Klangtüftler Pierre-Laurent Aimard zaubert er etwa mit viel Mühe und unkonventionellen Methoden die gewünschten Tonlagen für eine Einspielung von Bachs „Kunst der Fuge“ hin. „Pianomania“ ist glänzend als Porträt eines hingebungsvollen Ton- und Handwerkers, listig-unterhaltsam als Hintertreppenerzählung des Konzertlebens (Lang Lang-Verächter dürften auf ihre Kosten kommen) und erhellend als musikalisch-philosophische Spekulation. Immer wieder lässt Knüpfer uns staunen, wie aus der robusten Mechanik des Instruments etwas so Geistiges wie Musik entsteht.
PianoMania, Regie: Robert Cibis, Lilian Franck, A/D 2009, 96 Minuten.