An dieser Familie ist nichts so ungewöhnlich wie die Tatsache, dass alles an ihr so gewöhnlich ist. Nic und Jules sind ein gutbürgerliches Paar, die Kinder aus dem Gröbsten raus, aber der entspannte Lebensabend noch ein gutes Stück entfernt. Dann möchte der 15-jährige Sohn seinen Erzeuger kennenlernen, was die aus Mutter, Mutter und zwei Kindern bestehende Idealfamilie aus dem Gleichgewicht bringt. Paul, der Samenspender, war jung, brauchte das Geld und dachte schon damals nicht weit über den nächsten Tag hinaus. Damit ist er erstaunlich gut gefahren und lebt als Gastronom und vom Glück verfolgter Junggeselle unbekümmert in den Tag hinein. Im Grunde sind alle glücklich und zufrieden, weil ihnen gar nicht einfällt, dass ihnen etwas fehlt. Bis Paul eines Tages „seinen“ Kindern gegenüber sitzt.
Mit ihrem dritten Film „The Kids Are All Right“ ist Lisa Cholodenko erstaunlich bürgerlich geworden. Bislang stiegen bei ihr unschuldige junge Frauen in einen Sündenpfuhl aus Drogen, Kunst und (lesbischer) Liebe und ließen sich verführen. Jetzt strahlt die heilige Familie im schönsten Komödienlicht, weshalb auch Paul kein klassischer Home-Wrecker ist, sondern ein Stenz, der plötzlich nicht anders kann, als sich eine Familie zu wünschen. Und praktischerweise wird ihm eine auf dem Tablett serviert.
Wäre Paul eine Frau und wären Nic und Jules ein „normales“ Ehepaar, würde die Geschichte wohl kaum als liberal durchgehen. Ultrakonservativ träfe es dann besser. Zum Glück sind Cholodenkos Dialoge aber alles andere als das und ist Mark Ruffalo vor allem in der Originalfassung geradezu unwiderstehlich. Kein Wunder, dass bei ihm eine der Mütter vorübergehend schwach wird, wofür ihn die Regisseurin etwas zu zornig und selbstgerecht bestraft. Begrüßen wir also die neueste Stufe des Feminismus: Nach dem blonden Gift des Film Noir (und der Sexthriller) gibt es jetzt das heitere Gegenstück, den L’Homme fatal.
The Kids Are All Right, Regie Lisa Cholodenko, USA 2010, 106 Min.