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Film

20. Dezember 2012

Libuše Šafránková "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" : Für immer Aschenbrödel

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In der Rolle ihres Lebens: Libuše Šafránková in "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Foto: ARD

Libuše Šafránková hat in mehr als hundert Filmen mitgespielt, darunter preisgekrönte Produktionen wie „Kolja“. Doch für die Deutschen ist und bleibt Tschechiens bekannteste Schauspielerin nur das Aschenbrödel.

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Libuše Šafránková hat in mehr als hundert Filmen mitgespielt, darunter preisgekrönte Produktionen wie „Kolja“. Doch für die Deutschen ist und bleibt Tschechiens bekannteste Schauspielerin nur das Aschenbrödel.

Diese Sätze kann wahrscheinlich in Deutschland jeder mitsprechen, der jemals zu Weihnachten den Fernseher angeschaltet hat: „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht. Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Zum Dritten: Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr.“ Als Libuše Šafránková diese Worte in die Kamera spricht, ist sie gerade mal 20 – und ahnt vermutlich nicht, dass der Film, in dem sie das Aschenputtel gibt, ihr Leben verändern wird.

40 Jahre später ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zumindest hierzulande der Weihnachtsfilm schlechthin. Allein die ARD sendet die tschechisch-deutsche Adaptation des Grimm'schen Aschenputtel-Stoffes über die Festtage fünf Mal.

In Tschechien wurde der 1973 gedrehte Streifen sogar zum besten Märchenfilm aller Zeiten gewählt – und das auch wegen der Heldin. Šafránkovás Aschenbrödel ist kein kleines geprügeltes Mädchen, das sich immer neue schöne Kleider anzieht, um dem Herrscher zu gefallen, damit er sie erlöse. Sie ist eine selbstbewusste, junge Frau, die besser reiten und schießen kann als die hohen Herren, eine, die die feine Hofgesellschaft in diversen Verkleidungen foppt.

Aschenbrödel lehnt sich auf

Dieses listige, fast schwejkhafte Aufbegehren gegen die Obrigkeit war es wohl, was den Tschechen - und auch dem Publikum im Ausland - so gefiel. Zumal die Prinzessin am Ende des Films nicht etwa dem Prinzen in die Arme sinkt. Nein, in der Schlussszene reitet sie allein auf einem weißen Pferd von dannen. Die Botschaft schien eindeutig: Dieses Mädchen aus dem Volk lässt sich nicht von der Macht korrumpieren. 

Da stört es nicht, dass Šafránková selbst in einem Interview erklärte, ein Missgeschick beim Dreh sei für ihren Alleinritt verantwortlich. Demnach sollte sie eigentlich mit dem Prinz gemeinsam dem Horizont entgegenreiten, der blieb jedoch samt Pferd im tiefen Schnee stecken, was Šafránková zu spät bemerkte. Die Szene konnte aber nicht wiederholt werden, weil die unberührte Schneelandschaft nicht mehr unberührt war.

Šafránková hat auch im wirklichen Leben trotz ihres immensen Erfolgs immer Abstand zum kommunistischen Regime gehalten. Die 1953 in Brünn geborene Lehrertochter spielte am Prager Theater "Za branou", das aus politischen Gründen geschlossen wurde. Gleichzeitig war sie omnipräsent auf Bühne, Bildschirm und Leinwand. Šafránková spielte in mehr als 100 Filmen mit, darunter viele Klassiker des tschechischen Films.

Šafránková bei Tschechen hoch beliebt

Schon als Mädchen spielte sie die Enkelin in der Verfilmung des großen tschechischen Romans "Die Großmutter". Sie bewies ihr komödiantisches Talent in Filmen wie "Lauf, Ober, lauf" - und sie gab eine preisgekrönte Darstellung der Geliebten im Oscar-Meisterwerk "Kolja" von Jan Sverák. Dazu war sie jahrzehntelang auf allen wichtigen Prager Bühnen zu sehen, als Sonja in Tschechows "drei Schwestern", als Jenny in Havels "Bettleroper", als Estelle in Sartres "Geschlossene Gesellschaft".

Für diese Vielseitigkeit wurde sie von den Tschechen zur besten Schauspielerin aller Zeiten gewählt. Vielleicht macht es Šafránková deshalb, wie sie sagt, wenig aus, dass sie im Ausland trotz ihrer langen und erfolgreichen Schauspielkarriere immer die Märchenprinzessin bleibt.

Libuše Šafránková ist dem Märchenfilm übrigens bis heute treu geblieben. In  ihrem aktuellen Film, der unter dem Titel „Micimutr“ im November in die tschechischen Kinos kam, spielt sie allerdings naturgemäß nicht mehr die junge Prinzessin – sondern eine alte Zauberin.

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" im TV: ARD, 22.12., 14.55 Uhr; WDR, 24.12. 14.35 Uhr; NDR 25.12. 10.30 Uhr;  rbb, 25.12. 20.15 Uhr; MDR, 26.12.,12.20 Uhr.

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