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Matthias Glasners "This is Love": Zum Verzweifeln

Matthias Glasners scheinheiliges Pädophilen-Melodram "This is Love": Alles ist falsch an diesem scheinheilig-distanzierten Exkurs über das, was der Titel ironisch "Liebe" nennt. Von Daniel Kothenschulte

Zwei Handlungsstränge, ein Drama: Corinna Harfouch und Jens Albinus in This is Love.
Zwei Handlungsstränge, ein Drama: Corinna Harfouch und Jens Albinus in "This is Love".
Foto: Kinowelt Filmverleih

Das Hässliche kann genauso geschmäcklerisch sein wie das allzu Schöne. Künstler, die sich auf wohlfeile Wirkungen verlassen, malen nicht nur rosa Sonnenuntergänge. Auch ein dreckiges Bahnhofsklo kann kitschig sein, wenn es die nächstliegende Kulisse für das Elend abgeben muss.

Matthias Glasners Triebtäter-Drama "Der freie Wille" spielte im ewigen Halbdunkel grauer Ruhrpott-Innenstädte, weil es einfach so gut passte, und die Sonne musste eben draußen bleiben. Wenn es eine Schönheit gab in diesem Film, so lag sie allein im Spiel von Jürgen Vogel, der dem naiven Abbildungsrealismus des Psychogramms, der aufgesetzten Religiosität und dem theatralischen Fatalismus mit menschlicher Empfindung trotzte.

Der Film

This is Love, Regie: Mathias Glasner, D 2009, 111 Minuten.

"This is Love" ist Michael Glasners Nachfolgefilm (abgesehen von zwei TV-Folgen "Blond: Eva Blond", drei Folgen "KDD" und einem weiteren Fernsehfilm, "Das Geheimnis der falschen Mutter"). Diesmal geht es um Kindesmissbrauch und Menschenhandel, inhaltlich kein allzu weiter Weg von "Der freie Wille", doch der "look" ist diesmal buntfarbig und sonnig.

Die Wärme der gestylten Kamerabilder von Sonja Rom allerdings gibt sich früh als trügerisch zu erkennen, sie dient allein als Kontrastmittel: Das Schöne kann eben genauso geschmäcklerisch sein wie das Hässliche. Jürgen Vogel ist auch wieder dabei, als Mitproduzent, und er spielt auch nur den Komplizen des gefallenen Helden im Mittelpunkt.

Ein Melancholiker um die vierzig (Jens Albinus) lebt davon, Kinder aus ostasiatischen Bordellen zu retten, um sie dann teuer an Adoptionswillige zu verkaufen. Auf diese moralische Zwickmühle muss man erst mal kommen.

Nun aber hat er sich selbst verliebt in ein Mädchen, das er sicher in seiner Hütte eingesperrt hat und so unter Mordverdacht gerät. Das lässt ihn auf die Protagonistin des zweiten Handlungstranges treffen, eine alkoholkranke Kommissarin wie aus dem Fernsehen (Corinna Harfouch), die schwer an der Trennung von ihrer seit 16 Jahren abtrünnigen großen Liebe knabbert.

So finden zwei Menschen zueinander, die sich selbst abgeschrieben haben. Die hier miteinander verglichenen Liebeskonzepte finden sich nicht. Und wenn das vermeintlich gerettete Mädchen schließlich ihrem Möchtegern-Beschützer auch noch ihre Liebesdienste schenkt, dann wird einem, pardon, nur noch totschlecht.

Alles ist falsch an diesem scheinheilig-distanzierten Exkurs über das, was der Titel ironisch "Liebe" nennt. Vietnam etwa, Schauplatz des Filmanfangs, wirkt so oberflächlich erfasst wie die Besetzung der Kinderrolle durch die von diesem Unfug verständlicherweise überforderte neunjährige Berlinerin Lisa Ngyuen, die mit deutschem Akzent erklären muss, dass sie kein Deutsch versteht.

"Liebe lässt verzweifeln", weiß der Trailer. Nein, Lieblosigkeit lässt verzweifeln. Dieses hochgezüchtete Melodram über die ach so tragische Seite der Pädophilie gehört zum Grausigsten, was sich mit Steuer- und Gebührengeldern kaufen lässt.

Denkbar ungelenk erzählt in seiner Parallelstruktur und den larmoyanten Monologen aus dem Off, zugeklebt mit einer primitiven Orchestermusik mit viel Pathos aber keinem Einfall. Der einsame Finger auf dem Piano muss der Zeigefinger des Regisseurs sein. Nein, Bekenntnisse gibt es nicht von Glasner. Nur Mitleid heischende Tragik weit jenseits der Grenze zur Lächerlichkeit.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  18 | 11 | 2009
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