Am unteren Ende der Besetzungsliste gehen den Drehbuchautoren meist die Namen aus. Hier finden sich die kleinen Chargen der Filmfiktion, die Kellnerinnen, Mitarbeiter und sonstigen anonymen Rollen. Selten sind diese Bezeichnungen aber so sprechend wie in Nanette Bursteins romantischer Komödie „Verrückt nach Dir“. Da gibt es den „Schleimbeutel“, den „Muskelprotz“, den „Flegel“ und den „gruseligen Widerling“ – eine bunte Mischung mehr oder weniger grotesker Genretypen, mit der beinahe das gesamte männliche Ensemble des Films beschrieben ist. Auch Eigennamen schützen hier nicht vor Brachialhumor. Lustig ist das selten; dafür lässt die Deppenriege den romantischen Helden doppelt erstrebenswert erscheinen.
Die Namen über dem Filmtitel gehören Drew Barrymore und Justin Long. Erstere spielt Erin, eine 31-jährige Praktikantin, die bei einer New Yorker Tageszeitung auf eine feste Anstellung hofft. Ihre große Liebe heißt Garrett, ist bei einer Musikfirma angestellt und muss seichte Boygroups hätscheln, statt unbekannte Indiebands groß rauszubringen. Als sich die beiden kennenlernen, haben sich Garretts Mitbewohner Dan und sein Arbeitskollege Box schon als seltsames Paar hervorgetan. Einer der wenigen gelungenen Einfälle ist, dass Dan im Nebenzimmer alles mithören kann und zum Fortschritt des Liebesgeturtels jeweils die passende Hintergrundmusik auflegt. Ansonsten liefern die Freunde das Kontrastmittel zum Helden: Zwei Männer, die einfach fröhlich weiter pubertieren.
Trotz dieses Publikums finden Erin und Garrett zusammen, wobei ihr Glück in einer dieser „Die Zeit vergeht im Flug, wenn man Spaß hat“-Montagen vorüberrauscht. Faulen Autoren gefällt daran, dass sie weder Dialoge schreiben noch dem individuellen Liebeszauber auf den Grund gehen müssen. Sechs Wochen später endet Erins Praktikum und damit ihr Aufenthalt in New York. Sie kehrt nach Los Angeles zurück, um ihr Studium zu beenden, und ist plötzlich mehrere Zeitzonen von ihrem Schatz entfernt. Aber wie der Originaltitel „Going the Distance“ bereits verrät, wollen es die Beiden mit der Fernbeziehung wenigstens versuchen.
Eigentlich sind Erin und Garrett ein nettes und intelligentes Paar. Doch warum kennen sie nur Witzfiguren und Idioten? Erins Schwester – gespielt von Christina Applegate – hat einen Putzfimmel und steht einer schrecklich netten Familie vor. Ihre Freunde hassen Garrett dafür, dass er im Gegensatz zu ihnen unverheiratet und ohne Kinder ist. Männer gibt es hier ohnehin nur in zwei Ausführungen: diejenigen, die nicht erwachsen werden wollen, und diejenigen, die zutiefst bedauern, erwachsen geworden zu sein. Irgendwann fällt das auch auf das Liebespaar zurück.
Zwischen den Küsten von „Verrückt nach Dir“ liegt ein Kontinent der Screwball-Comedy, der in seiner klassischen Zeit mit Esprit und Eleganz glänzte. Heute bleibt davon die Liebe zu hochnotpeinlichen Situationen und eine Auflösung, bei der man sich fragt, warum die Beteiligten nicht früher darauf gekommen sind.
Verrückt nach dir, Regie: Nanette Burstein, USA 2010, 103 Minuten.