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Film

11. Januar 2015

Nachruf Anita Ekberg: Wie man Fellini berühmt macht

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Anita Ekberg, im römischen Trevi-Brunnen für Fotografen posierend.  Foto: dpa

Anita Ekberg, Ikone des Dolce Vita aufgrund einer unvergesslichen Filmszene im Trevi-Brunnen, stirbt mit 83 Jahren. Am besten wusste sie mit ihrem Image zu spielen.

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Nicht nur in Italien, auch in Schweden galten die in der Nachkriegszeit so beliebten Miss-Wahlen als Abkürzungen auf dem Weg zum Ruhm. Anita Ekberg wurde 1950 zur „Miss Schweden“ gewählt, scheiterte dann zwar beim Wettbewerb zur „Miss Universum“, behielt aber die Liebe der Kameras. Und die Öffentlichkeit dachte nicht daran, sie zu vergessen. Über einen amerikanischen Model-Vertrag weckte sie das Interesse des Multimillionärs und Filmproduzenten Howard Hughes, und auch wenn die meisten Filmrollen, die ihr Hollywood zu bieten hatte, vergessen werden konnten, blieb sie doch ein Star.

So ergab es aus ihrer Perspektive durchaus Sinn, wenn sie später zu sagen pflegte: „Nicht Fellini hat mich bekannt gemacht, es war umgekehrt.“ Ekberg, die da 1960 ein unvergessliches Duschbad im Trevi-Brunnen nahm und damit zur Ikone eines Lebensstils wurde, den man bis heute nach dem Filmtitel „Dolce Vita“ nennt, kam als Star ans Set. Doch es bedurfte das Genie des großen Filmemachers, aus einem kleinen Besetzungscoup, wie ihn Produzenten lieben, eines jener wenigen Kinobilder zu machen, die die Zeiten überdauern. Der Glamour, den Anita Ekberg verströmte, war kein gestyltes Produkt einer Traumfabrik. Er war eine Naturgewalt. Nur so ist es zu erklären, dass er sich erst jenseits von Hollywood voll entfalten konnte. Aus dem Busenwunder war für einen kurzen Moment ein Weltwunder geworden.

Als sie unsterblich wurde

Es ist sicher kein Zufall, dass Anita Ekberg genau in jenem Augenblick unsterblich wurde, als das alte Hollywood abdankte: 1960 gilt als Endpunkt das klassischen Studiosystems, das versuchte, Stars mit langen Verträgen in feste Rollenmuster zu zwängen. Ekberg schien dafür ein williges Opfer, ihr Vertrag wechselte mehrfach den Besitzer. Das Image des „schwedischen Eisbergs“ blieb an ihr hängen – ohne wirklich zu passen. Denn nur dem Komödienmeister Frank Tashlin gelang es, noch vor Fellini, den irrealen Status ihrer Filmpersona zu thematisieren. 1956 besetzte er sie als sie selbst in „Hollywood or Bust“, der in Deutschland nicht von ungefähr „Alles um Anita“ hieß: Jerry Lewis spielt darin einen Anita-Ekberg-Fan, der sich gemeinsam mit Dean Martin als Kleinganove aufmacht, sein Idol zu treffen – auch wenn sein Reisegefährte lieber das Auto stehlen möchte.

Man konnte Anita Ekberg auch im seriösen Epos „Krieg und Frieden“ bewundern, doch am besten spielte sie mit dem eigenen Ruhm: Als einer der ersten modernen Medienstars, die weniger für ihre Werke als die eigene Existenz berühmt sind, setzte sie ganz bewusst ihr Image ein. Noch im vergangenen Jahr erzählte sie beim Talent-Campus der Berlinale jungen Kollegen, wie man so etwas macht. Wie man Heiratsanträgen von Frank Sinatra widersteht. Und wie man einem Fellini zu Weltruhm verhilft. Mit 83 Jahren ist Anita Ekberg nach langer Krankheit bei Rom gestorben.

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