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Nachruf auf den Autor der "Love Story": Pop und Wissenschaft

"Love Story"-Autor Erich Segal ist mit 72 Jahren gestorben: In Brooklyn geboren, reüssierte er bereits mit 30 Jahren in der Popkultur wie in der Wissenschaft. Von Daniel Kothenschulte

Erich Segal, 1937 bis 2010.
Erich Segal, 1937 bis 2010.
Foto: afp

Was kann man sagen über ein Mädchen von fünfundzwanzig Jahren, das gestorben ist? Dass sie schön war. Und hochbegabt. Dass sie Mozart und Bach liebte. Und die Beatles. Und mich." Das Erfolgsrezept von "Love Story" liegt in diesen ersten Sätzen. Natürlich, auch die Beatles liebten Bach. Einer älteren Generation aber musste dieser Zusammenhang erst einmal vermittelt werden.

Diese Erzählung brachte alles unter einen Hut: Die Klassik und den Pop, die Jugendkultur der ungefährlicheren Sorte und das Bildungsbürgertum, verkörpert im abweisenden Vater des Protagonisten. Am Ende erreichte die populärste Liebesgeschichte der siebziger Jahre alle und jeden. Ich fand ein Exemplar im Nachlass meines Opas, der sich bereits mit der Erfindung des Jazz nur schwer hatte abfinden können.

Auf der Rückseite des schmalen Bändchens lächelt der Autor Erich Segal, Yale-Professor für Altphilologie und vergleichende Literaturwissenschaft, so freundlich wie ein Singer-Songwriter. Und während konservative Philologen im Jahre 1970 noch darüber streiten mochten, ob 166 großbedruckte Seiten überhaupt "Roman" heißen durften, mussten sich auch die Sachwalter der Moderne der Herausforderung stellen: Der geballte Herzschmerz überschwemmte die aufgeklärte literarische Welt und ließ sich auch durch besseren Geschmack nicht aufhalten. Die Verfilmung führte zu einem Comeback des Melodrams und hatte großen Einfluss auf die Filmkultur.

Tatsächlich macht sich Erich Segals "Love Story" durchaus die Errungenschaften der amerikanischen Moderne zunutze, deren asketische Sprachkultur der Autor für den größtmöglichen emotionalen Effekt zu nutzen verstand. Etwas schamloser adaptierte dagegen die Buchgestalterin Anita Scott das populäre "Love"-Motiv des Pop-Art-Künstlers Robert Indiana für das Cover. Es war die perfekte Verpackung für ein uraltes Gefühl.

Segal, in Brooklyn geboren, reüssierte bereits mit dreißig Jahren fast gleichzeitig in der Popkultur und der Wissenschaft. Als Co-Autor des Beatles-Films "Yellow Submarine" und Urheber einer in der Fachwelt gefeierten Studie über den Humor im alten Rom. Der Erfolg seiner "Love Story" stürzte ihn in eine Schaffenskrise, die er freilich aus eigener Kraft überwinden konnte. Zuletzt lehrte Segal, der seit rund fünfundzwanzig Jahren an der Parkinsonschen Krankheit litt, in Oxford.

Schon am Sonntag, wie jetzt bekannt wurde, erlag er 72-jährig in seinem Londoner Haus einem Herzinfarkt.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  20 | 1 | 2010
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