Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Film

05. Februar 2016

Neu im Kino: „Mittwoch, 04:45“: Kein Schiff wird kommen

 Von 
Stelios Mainas als braver Mann in Not im griechischen Thriller „Mittwoch, 04:45“ von Alexis Alexiou.  Foto: Neue Visionen Filmverleih

„Mittwoch, 04:45“, Alexis Alexious Film Noir über die Griechenlandkrise, ist eine Hommage an die Unschuldig-Unglücklichen.

Drucken per Mail

Das Kino ist ein Krisengewinnler. Während der großen Depression der Dreißiger drehte Hollywood seine für lange Zeit besten Gangsterfilme und bissigsten Komödien; in der Unsicherheit der Kriegsjahre erfand es später den Film Noir. Oft hört man bei Festivals den Satz: „Euch Deutschen geht es zu gut, deswegen sind Eure Filme gerade so langweilig.“ Da ist etwas dran. Viele der klügsten und originellsten europäischen Filme der letzten Jahre kamen jedenfalls aus den wirtschaftlich gebeutelten Ländern Rumänien und Griechenland.

Der griechische Thriller „Mittwoch, 04:45“ handelt von einem Athener Gastronomen, der seine Schulden bei eine rumänischen Kredithai nicht mehr begleichen kann. Der Aufschub von 24 Stunden gibt ihm Zeit, bis zum Ertrinken einzutauchen in einen kriminellen Untergrund, der für ihn bislang unsichtbar war.

Um ein altes Genre-Lied hat Filmemacher Alexis Alexiou eine Art visuellen Kontrapunkt komponiert. In kurzen Schärfentiefen führt die Kamera in ein Athen, in dem Protagonist Stelios (Stelios Mainas) kaum die Hand vor Augen sieht. Noch bevor man ihm die Pistole auf die Brust setzt, ist er unfähig zu genießen, wofür er eigentlich lebt. Nach dem schnellen Sex mit seiner attraktiven Frau kümmert er sich gleich wieder um die Arbeit in seinem schicken, aber meist leeren Jazz-Club.

Dabei hat er schon lange kein Ohr mehr für die Schönheit der Musik, sondern nur noch für die kleinen Fehler in der Tonanlage. Sein vernachlässigtes Familienleben erscheint ihm wie die kalkulierbare kleine Krise in der großen. Doch beides, das beschwört Alexiou fast gleichnishaft, bedingt einander.

Betörende Traumsequenzen

Wann immer der Film allein mit Stelios ist, verdunkelt er sich zu einer betörenden Traumsequenz. Dann schwebt die Kamera mit ihm durch eine zähflüssige Zeit, untermalt von hinreißend melancholischen griechischen Schlagern der 60er Jahre. Erst jetzt scheinen ihre traurigen Ahnungen wahr geworden. „Ein Schiff wird kommen?“ Na hoffentlich. Jetzt ist es langsam Zeit.

Mehr dazu

So wie es im Jazz die Standards gibt, gibt es Standard-Geschichten. Nur, dass die wenigsten Filmemacher sie auch wirklich anders erzählen. Eine Finanzkrise kann man schlecht bebildern. Aber wenn Stelios seinen Sohn anherrscht, weil er sich die Schuhe nicht allein zubinden kann, ist das Wort Depression in mehr als einer seiner Bedeutungen erfasst. So wie die traurigen griechischen Schlager ist „Mittwoch 04:45“ eine Hommage an alle Unschuldig-Unglücklichen.

Mittwoch, 04:45. GR/D/Israel 2015. Regie: Alexis Alexiou. 117 Min.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Rubrik

Für welche Filme lohnt sich der Weg in Kino? Lesen Sie die Rezensionen der FR-Filmkritiker und sehen Sie die aktuellen Trailer.

Service
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:

Sommerferien

Bücher, Musik, Filme für die Sommerferien

Und wenn ungeheuer oben eine sehr weiße Wolke ist, dann zeigt das auch nur wieder, dass Lesen in jeder Situation den Horizont erweitert.

Das FR-Feuilleton empfiehlt Bücher, transportable Musik und auch einige Filme auf DVD für den Sommer. Mehr...

Anzeige

Filmtipps
Medien